Ehrenamtliche bringen Flüchtlingen Deutsch bei / „Man bekommt viel zurück“

„Üben, üben, üben“

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Weil die Deutschkurse im Ehmken Hoff von allen Seiten auf freiwilliger Basis erfolgen, können sich die Lehrer sicher sein, dass die Teilnehmer motiviert sind. „Wer hier mitmacht, will sein neues Leben anpacken und sich integrieren“, ist sich Dörte Niehaus sicher.

Dörverden - Viele Jahre haben Heike und Hartmut Herrmann, Heike Henze, Dörte Niehaus oder Christiane Haar überwiegend an Grundschulen im Landkreis Kindern Rechnen, Lesen und Schreiben beigebracht. Jetzt sehen sich die pensionierten Lehrkräfte und weitere Helfer erneut mit dem Thema Unterrichten konfrontiert: Doch diesmal sind ihre Schüler keine Kinder sondern Erwachsene – in der Gemeinde Dörverden lebende Flüchtlinge aus Marokko, Albanien, Somalia, Algerien oder Eritrea. Die Schüler und ihre Lehrer lachen oft. Die Stimmung ist gut, wie bei Julinda und Enver, einem albanischen Ehepaar, das sich gerade mit Umlauten plagt.

„Meine Name ist... Ich spreche ein bisschen Deutsch. Ich wohne in... Woher kommst du? Ich komme aus. Wie geht es dir? Es geht mir gut.“ Das sind Beispiele der ersten Sätze, die die Flüchtlinge lernen. Denn Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Doch solange die Menschen in Deutschland nicht offiziell als Flüchtlinge anerkannt sind, bekommen sie keinen Deutschunterricht.

In der Gemeinde Dörverden haben sich daher mehrere frühere Lehrkräfte zusammengefunden und bieten ehrenamtlich Deutschunterricht an. Heike Henze ist Ideengeberin des Projekts, für das sie Stiftung und Ehmken-Hoff-Verein als Träger gewonnen hat. Unterstützt wird das Vorhaben auch von der örtlichen Kirchengemeinde, die unter anderem die Anschaffung der benötigten Lernmaterialien mitfinanziert hat.

„Es ist ein absoluter Anfängerkurs für Menschen, die keinerlei Deutschkenntnisse haben“, erklärt Eva Meinke stellvertretend für die Lehrkräfte, die sich in dem Projekt engagieren, in dem das Bewältigen von Alltagserfordernissen wie Einkaufen, Arzt- oder Behördenbesuche im Fokus steht. „Grammatik spielt hier erstmal keine Rolle. Es wird geübt, geübt und geübt“, erzählt Meinke.

Durchschnittlich zehn Neubürger drücken regelmäßig die Schulbank auf dem Kulturgut. Als Lehrbuch ist der „Deutschkurs für Asylbewerber“, nach dem Thannhauser Modell im Einsatz. Der Lerneifer der „Schüler“ wird von Meinke als vorbildlich gelobt. „Wer hier mitmacht, lernt freiwillig und will sein neues Leben anpacken und sich integrieren. Für die Flüchtlinge ist es eine große Chance, und das wissen sie auch“, erklärt Lehrerin Dörte Niehaus. Aber ist es nicht ungewohnt, Erwachsene zu unterrichten? Niehaus: „So groß ist der Unterschied eigentlich nicht, wenngleich Kinder sicher etwas leichter lernen, weil sie das Thema von Natur aus unbekümmert angehen.“ Niehaus und ihren Kollegen macht das Lehren sichtbar Spaß. „Es geht hier locker zu. Die Schüler sollen ja auch Freude haben. Und sie wollen unbedingt lernen“, ergänzt Heike Herrmann.

Erleichternd sei, dass eigentlich alle lateinische Buchstaben schreiben können. „Das macht den Unterricht natürlich einfacher“, sagt sie. Und wenn die Lehrkräfte auf Deutsch, Englisch oder Französisch nicht weiterkommen, wird mit Händen und Füßen oder über Bilder kommuniziert. Zuweilen haben die Lehrer sogar selber das Gefühl, dass sie diejenigen sind, die etwas lernen. „Man gibt nicht nur etwas, sondern man bekommt von diesen Menschen, die teils Schlimmes erlebt haben, auch ganz viel zurück“, so die Ehrenamtlichen, die kaum etwas wissen über die Schicksale der Menschen, die vor ihnen sitzen. Das sei auch gar nicht das Thema, aber jedem sei klar, dass keiner ohne Not seine Familie und seine Heimat verlasse.

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