Ehefrau Anke ist für die Kleidung der Puppen zuständig / Die Schuhe sind Chefsache

Peter Schneider aus Dörverden baut Marionetten

Peter Schneider steht an einer Werkbank und bearbeitet eine Marionette.
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Der Kunsthandwerker Peter Schneider beim finalen Bearbeiten von Lehrer Lämpel. Die Clown-Marionette rechts ist die erste, die er 1985 für seine Kinder angefertigt hat.

Da hängen sie in ihren Seilen nebeneinander von Stangen herab und schauen mit teils fröhlichen, teils aber auch nachdenklich wirkenden Gesichtern vor sich hin. Wer den Keller von Peter Schneider in Stedorf betritt, fühlt sich sofort wie in eine andere Welt hineinkatapultiert, denn das Terrain wird hier von etlichen Groß-Marionetten dominiert, die Schneider in mühevoller Handarbeit fertigt.

Dörverden – Hier hängen Lehrer Lämpel aus Max und Moritz von Wilhelm Busch, Zauberer Merlin, Punker, Boxer, Clochard, Golfer, Clown, Jäger oder Werder-Fan in schönster Eintracht mit der bösen Hexe und weiterem Fantasiepersonal – und schauen manchmal auch ihrem Erbauer beim Arbeiten an einer neuen Marionette zu. Der pensionierte Beamte baut die Figuren, während er seiner Frau Anke das Anfertigen der Kleidung überlässt. Nur die Schuhe der Marionetten sind Chefsache. „Da bin ich pingelig“, gibt Schneider zu und erzählt, dass er beispielsweise bei der Anfertigung der Stiefel für einen Waidmann je Schuh mehr als einen Tag benötigt hat. „Die waren aber auch perfekt dem Original angeglichen. Selbst das Sohlenprofil hat gestimmt.“

Bis eine Marionette fertiggestellt ist, können locker einige Monate ins Land gehen. „Der Bau soll mir ja Spaß machen und darf schon von daher nicht in Arbeit ausarbeiten“, sagt er. Im ersten Schritt hat Schneider entweder eine bestimmte Figur im Kopf, oder er besitzt ein Foto. Letzteres vor allem dann, wenn er eine Marionette im Auftrag baut, was zumeist mit einem Hobby oder einem Jubiläum vonseiten des Auftraggebers einhergeht. Schneider: „Ich erinnere mich an ein Silberhochzeitspaar, dass ich im Auftrag der Kinder der Ehejubilare angefertigt habe. Hier hat sogar die Kleidung gestimmt, die meine Frau nach einer Fotografie, die bei der Anprobe der Festkleidung aufgenommen wurde, nachempfunden hat.“

Ein andermal habe er für einen Fahrradverein als Geschenk eine Radfahrerin angefertigt. Hier sei die Marionette noch die geringste Herausforderung gewesen, während ihn das Fertigen der Fahrradspeichen fast zur Verzweiflung gebracht hätten.

Meine Kinder haben sich ein solches Spielzeug gewünscht. Der Erstling war natürlich nichts besonderes, aber mein Interesse und mein Ehrgeiz waren geweckt.

Peter Schneider

Schneider berichtet, dass er 1985 die erste Marionette gebaut hat. „Meine Kinder haben sich ein solches Spielzeug gewünscht. Der Erstling war natürlich nichts besonderes, aber mein Interesse und mein Ehrgeiz waren geweckt.“ Danach habe er sich immer schwierigeren Modellen verschrieben und zunehmend immer mehr Wert auf einen komplexen Charakter und auf die Mimik seiner Figuren gelegt. Die Vorgehensweise sei immer gleich. Wenn er nach Skizzen oder Fotos aus Modelliermasse über Styropor zunächst den Kopf geformt habe, würden die Größe der Figur festlegt und die Schwerpunkte verteilt. Auch die die einzelnen Gliedmaßen verbindenden Bauteile fertige er selbst. Dafür stünden in seiner Werkstatt die entsprechenden Werkzeuge bereit.

Ist die Figur fertig, ist sie natürlich zunächst einmal nackt. Dann greift der Stedorfer zu Acrylfarbe und bemalt die Gesichter, danach werden noch die Haare aufgeklebt, während die Kleidung der Puppen seine Ehefrau schneidert, die über das Können an der Nähmaschine verfügt. Sie, so sagt er, sei ebenso detailverliebt wie er und überlege genau, was die Figuren anhaben sollten. Auch die benötigten Accessoires würden von seiner Frau in diesem Sinne produziert und etwa die winzigen Schals oder Strümpfe anstatt mit Stricknadeln mit Zahnstochern angefertigt.

Ist die Puppe fertig ausstaffiert, wird sie schließlich noch angebunden und am gleichfalls selbst gebauten Spielkreuz aufgehängt und als Marionette zum Leben erweckt.

Etwa 60 Marionetten habe er in den vergangenen Jahrzehnten gebaut und jede Einzelne habe ihre ganz eigene Persönlichkeit, erzählt Schneider, der sich im Laufe der Jahre auch an mehreren Kunsthandwerkermärkten und Ausstellungen beteiligt hat

Dass er vor Jahren sogar von Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe zur Teilnahme am Weihnachtszauber auf dessen Schloss Bückeburg eingeladen wurde, erfüllt ihn bis heute mit Stolz. „Ich vermute mal, ihm haben meine Puppen gefallen“, lächelt er.

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