Gegen das Massen-Töten männlicher Küken: Lohmannshof hält Hähne für Fleischproduktion

Der Trend geht zum Zweinutzungshuhn

Amalie Lohmann und Johannes Oppenhorst inmitten ihrer Hühnerschar.
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Mobiles Hühnerparadies in Westen: Amalie Lohmann und Johannes Oppenhorst inmitten ihrer überaus entspannten gefiederten Hühnerschar.

Westen – Bundesagrarministerin Klöckner will das massenhafte Töten männlicher Küken ab 2022 verbieten. Landwirtschaftliche Betriebe wie die Hofgemeinschaft Bioland-Betrieb Lohmannshof in Westen zeigen jedoch bereits heute, dass sich das Aufziehen der Bruderhähne lohnen kann, und haben ihre Hühnerhaltung auf sogenannte Zweinutzungshühner umgestellt.

Aufzucht männlicher und weiblicher Tiere

Hier werden nach dem Schlüpfen sowohl weibliche als auch männliche Tiere aufgezogen: Die Hennen werden nach wie vor zur Eierproduktion gehalten, während die Hähne der Fleischproduktion dienen.

Zweinutzungs- statt Hybridhühner

Gegacker, Geflatter, Gescharre: Für Amalie Lohmann und Johannes Oppenhorst vom Lohmannshof sind die Hühner Freude und wichtiges wirtschaftliches Standbein zugleich – und eben nicht nur die weiblichen Tiere. Obwohl auf dem Hof seit Generationen Hühner gehalten werden, ist dieses Federvieh für die Bioland-Bauern noch etwas Besonderes, da es Zweinutzungshühner sind. „Der Start war bereits vielversprechend“, sagen sie. Zuvor wurden auf Lohmannshof sogenannte Hybridhühner nach ökologischen Vorgaben gehalten. Das sind Hühner, die auf sehr hohe Eierleistung gezüchtet sind. Die Bruderhähne dieser Zuchtlinien setzen sehr wenig Fleisch an. Doch Zweinutzungshühner können beides, Eier und Fleisch, wenn auch mit Abstrichen.

Langsameres Wachstum und geringere Legeleistung bei höherem Futterverbrauch

Oppenhorst: „Zweinutzungshühner wachsen langsamer als Hybridhühner und haben eine geringere Legeleistung. Außerdem sind sie teurer und haben einen höheren Futterverbrauch.“ Deshalb haben die Bio-Bauern zunächst auch erst einmal gerechnet, bevor sie im Mai diesen Jahres von einem Bioland-Betrieb bei Kleve die ersten Junghennen bezogen haben.

Die Züchtung des Zweinutzungshuhns wird von Bäuerinnen und Bauern und einer gemeinnützigen Gesellschaft, der Ökotierzucht gGmbH, fernab der einigen wenigen internationalen Geflügelzucht-Großkonzerne weiterentwickelt. Hierbei werden die Zuchttiere bereits tiergerecht in Öko-Ställen gehalten und ein wichtiges Zuchtziel neben Robustheit ist die gute Verwertung von regionalen Futtermitteln.

Hunderte Tiere der Rasse Cream

Wer einen Blick in die getrennten Gehege von Henne und Hahn wirft, dem wird zunächst aber eher nichts Besonderes auffallen. Hunderte Tiere der Rasse Cream laufen hier herum. Sie scharren und picken und natürlich wird gegackert. Die kräftig gebauten Cream-Hennen haben weißes Gefieder, ihre Eier sind cremefarben bis hellbraun. Der zweite Mastdurchgang der Cream-Hähne auf dem Hof ist gerade neun Wochen alt und die jungen Hähne krähen noch mit dünnen Stimmchen. Mit einem Alter von etwa 19 Wochen werden sie geschlachtet. Die Tiere bewegen sich viel, deshalb ist das Hahnenfleisch etwas fester und dunkler. Feine Fetteinlagerungen machen es saftig und aromatisch.

Zwei mobile Hühnerställe

Untergebracht ist die Hühnerschar in zwei mobilen Hühnerställen, die alle paar Wochen versetzt werden, damit die Tiere stets frischen Auslauf haben. „Die Ausscheidungen verteilen sich dadurch gleichmäßig und sie haben immer eine frische Weide. Auch Parasiten vermehren sich so nicht so leicht“, erklären die Bio-Landwirte die Vorzüge ihrer aufwendigeren und teureren, Hühnerhaltung.

Großes Bewegungsbedürfnis

„Hühner haben ein sehr großes Bewegungsbedürfnis. Sie wollen nach Würmern suchen und scharren“, sagen die Bio-Landwirte, die nicht verhehlen, dass die Vorteile der Zweinutzungshühner und die Abkehr vom Kükentöten natürlich auch ihren Preis haben. 60 Cent kostet das Ei ab Hof, wovon ein Cent in die Forschungsarbeit der Ökologische Tierzucht gGmbH geht. Die Eier werden wie die anderen Hof-Erzeugnisse im eigenen Bio-Hofladen in Westen, auf Wochenmärkten in Bremen und Verden, über das Gemüseabo Dörverden oder regionale Naturkostläden verkauft.

Verbraucher müssen mitziehen

Auf Lohmannshof setzt man darauf, dass sich der Trend nach mehr Regionalität und Qualität bei Lebensmitteln fortsetzt. „Der Verbraucher muss natürlich mitziehen“, sagen Lohmann und Oppenhorst, die festgestellt haben, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich Gedanken über das Tierwohl machen und daher auch bereit wären, den einen oder anderen Extracent draufzulegen. Und eines wird auf dem Lohmannshof besonders klar: Huhn, Hahn und Ei gehören zusammen.

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