Bildhauerei unter dem Wagenschauer: Workshop-Teilnehmer schaffen Skulpturen

„Das Material zeigt mir den Weg“

Was soll es denn werden? Das wird sich zeigen, ist Dieter Ullrich überzeugt.
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Was soll es denn werden? Das wird sich zeigen, ist Dieter Ullrich überzeugt.

Dörverden – Unter dem Wagenschauer auf dem Kulturgut Ehmken Hoff in Dörverden staubt es. Nicht, weil dort der Boden besonders trocken ist, sondern weil Viktor Lau wieder seinen beliebten mehrwöchigen Workshop „Bilderhauerei“ anbietet, der regionale Künstler und Kunstinteressierte mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen zusammenführt.

„Tock. Tock. Tock.“ Nach längerer, dem Virus geschuldeter Pause, weist dieses Geräusch fortan wieder freitags den Weg zum Workshop Bildhauerei mit Speckstein, Alabaster und neuerdings auch mit Holz. Es wird gesägt, geschabt, gefeilt, geschliffen, gebohrt und das Material mit Meißel, Feile oder Hammer bearbeitet. Die einen tun das mit bloßen Händen, die anderen mit Handschuhen, um die Haut vor dem Austrocknen durch den feinen Staub zu schützen.

Die Mehrzahl der teilnehmenden Künstler hat bereits bildhauerische Erfahrungen gesammelt und schon mindestens einen solchen Workshop bei Lau absolviert. Auch Uta Barthold aus Dörverden. Sie bearbeitet konzentriert einen Speckstein und lässt sich nur kurz auf ein Gespräch ein. „Ich habe schon oft mit Speckstein und mit Holz gearbeitet. Beides Materialien, die in der Bearbeitung sehr angenehm sind“, findet sie. Die Künstlerin, die außerdem malt und ihre Werke bereits mehrmals in Ausstellungen gezeigt hat, liebt jedes kreative Tun. Es gebe ihr viel und sei Ausdruck der Seele in der materiellen und sichtbaren Welt. Das Arbeiten mit Stein sei quasi eine Begegnung mit sich selbst, sagt sie. Außerdem sei der Dozent überaus kompetent und als Lehrer ruhig und souverän.

Und was schlägt Dieter Ullrich, Sprecher der Aktionsgruppe Kunst und Kultur, der den Workshop initiiert hat, aus dem Lindenholz heraus, das er mal kraftvoll, dann wieder ganz vorsichtig mit unterschiedlichen Werkzeugen bearbeitet? „Sieht man das nicht?“ kontert er schmunzelnd. Nein, nicht wirklich. Vielleicht ein Gesicht, wenn auch sehr abstrahiert? Ullrich räumt ein, dass er es selber noch nicht weiß. „Ich hole im Grunde das aus dem Holz heraus, was naturgemäß drin steckt. Das Holz gibt mir das spätere Ergebnis vor. Das Material zeigt mir den Weg“, versucht er eine Erklärung. Dass er seine künstlerische Aktivität in diesem Workshop auf den Werkstoff Holz fokussiert habe, sei gerade auch diesem Reiz geschuldet, meint Ullrich, der auch schon mit Speckstein gearbeitet hat.

Philipp Bachmann ist ganz auf seinen steinernen Pferdekopf konzentriert. Anders als Ullrich arbeitet der Kirchlinteler gegenständlich und sucht dabei immer wieder den Rat von Lau, der ihm Tipps hinsichtlich der Proportionen gibt. Früher, erzählt Bachmann, habe er viel gemalt, doch inzwischen sei dies in den Hintergrund gerückt. „Es ist eine tolle Erfahrung, mit Stein zu arbeiten“, erklärt er. Mit den eigenen Händen etwas individuell Geformtes zu erschaffen, begeistere und fasziniere ihn immer wieder. Das Material bringt Bachmann mit Holzwerkzeugen in Form, ohne maschinelle Hilfe. Reizvoll scheint für den Künstler die Reduktion seiner Skulpturen auf das Wesentliche zu sein, denn Schnörkeliges sucht der Betrachter vergebens.

Lau zeigt sich beeindruckt von den bislang erreichten Ergebnissen im Workshop, der noch bis in den Herbst hinein fortgesetzt wird. Bis dahin, so Lau, werde sicher noch eine Reihe individueller Stücke entstehen.

Von Christel Niemann

Es geht um die Feinheiten: Philipp Bachmann aus Kirchlinteln (links) holt sich von Kursleiter Viktor Lau Tipps zu den Proportionen seines Pferdekopfes. Fotos: Niemann

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