Kaum noch Besucher und jetzt auch noch Testpflicht

Die Nerven im Wolfcenter in Dörverden liegen blank: „Das ist ein Sterben auf Raten“

Ein Spielplatz ohne Kinder
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Gähnende Leere auf beiden Spielplätzen, wo sich eigentlich gerade zu dieser Zeit viele kleine Besucher tummeln sollten.

Frank Fass ist stinksauer und er nimmt kein Blatt vor den Mund, denn seine Nerven liegen blank. „Kaum einer kann nachvollziehen, in welcher Scheiße wir stehen. Wenn das so weiter geht, droht uns vielleicht sogar die Insolvenz.“ Ursächlich für das derzeitige Stimmungstief von Fass, der gemeinsam mit seiner Frau Christina in Dörverden-Barme das Wolfcenter betreibt, sind die ab dem heutigen Montag geltenden Corona-Lockerungen, die das Paar mit Nachdruck scharf kritisiert.

Dörverden – „Das ist ein Sterben der Zoos und Tierparks auf Raten“, sagt Frank Fass. Durch die dann verbindliche Corona-Testpflicht für Besucher seien nochmals massive Einnahmeeinbrüche zu befürchten. Denn wer dann in Barme Wölfe, Alpakas und diverse Kleintiere anschauen möchte, muss zwingend einen negativen Corona-Test vorweisen, der maximal 24 Stunden alt sein darf.

Brief an die Politik

In ihrer Not haben die Eheleute sich mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten, dessen Stellvertreter und an die Sozialministerin des Landes Niedersachsen gewandt. In dem Brief beschreiben sie ihre prekäre Lage und bitten dringend darum, die Entscheidungen hinsichtlich grundsätzlicher Testungen zu überdenken und von einer Testpflicht unter einem Inzidenzwert von 100 in Zoos und Tierparks abzusehen. Bei einer Inzidenz von über 100 im Zuge der Notbremse ergeht zudem ihre Bitte, ebenfalls die Selbstauskunft einer Testung zusätzlich zu den Bescheinigungen aus den Testzentren anzuerkennen, so wie diese bereits in den Schulen anerkannt und angewendet würden.

Deutlich weniger Besucher

„Die Einführung der generellen Testpflicht stellt für uns eine wirtschaftliche Herausforderung mit existenzbedrohenden Folgen dar“, so das Betreiberpaar, das von Magenschmerzen und schlaflosen Nächten berichtet. Die Erfahrungen während der sogenannten Notbremse in den vergangenen Wochen hätten ohnehin gezeigt, dass in der Woche nur noch 10 bis 20 Prozent und am Wochenende etwa 30 Prozent der Besucher im Vergleich zu den Vorjahren ins Wolfcenter gekommen seien. „Greift jetzt eine allgemeine Testpflicht, werden noch weniger Gäste kommen und uns wird aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nichts anderes übrig bleiben, als während der Woche zu schließen.“

Frank und Christina Fass betonen, dass sie Ähnliches auch im Austausch mit Kollegen erfahren haben: „Vor allem privat geführte Tierparke und Zoos wie der unsere befinden sich in einer akuten Notlage. Jetzt beginnt die eigentliche Saison, in der wir auch wichtige Rücklagen für die einnahmeschwachen Monate erwirtschaften müssen.“ Zwar sei Anfang Mai die zweite Zahlung der Novemberhilfen an das Wolfcenter erfolgt, aber dieses Geld müsse als Einnahme verbucht und entsprechend versteuert werden. Die Summe sei zudem bei Weitem auch nicht ausreichend, um die auf Corona zurückzuführenden Einnahmeverluste auszugleichen.

Hygienekonzept funktioniert

Ebenso wenig nachvollziehen können die beiden, dass die Testpflicht auch bei einer Inzidenz unter 100 gelten soll. „Das geht uns einfach nicht in die Köpfe und das können wir nicht akzeptieren. Wir wissen, dass einige Kollegen bereits überlegen, ob sie nicht dagegen klagen sollen.“ Frank und Christina Fass verweisen auf Erkenntnisse und Empfehlungen des RKI und darauf, dass die Ansteckungsgefahr im Freien bekanntlich sehr gering sei und man auch im Wolfcenter hinlänglich bewiesen habe, dass das eigene Hygienekonzept gut funktioniere.

Die Betreiber hoffen nun, dass ihr Schreiben bei den politisch Verantwortlichen Gehör findet. „Wir haben das Unternehmen mit sehr viel Leidenschaft aus dem Nichts aufgebaut und sicher auch wichtige Aufklärungsarbeit zum Thema Wolf geleistet“, meinen die beiden.

Die Luft wird dünner

Wie lange sie durchhalten, bevor die Insolvenz droht, können sie zwar nicht prognostizieren, aber, so sagen sie, „die Luft wird täglich dünner“, zumal fortlaufende Kosten für die Ernährung und Pflege der Tiere, die Instandhaltung von Tieranlagen sowie für Personal ja weiterliefen. Im Jahr, so Fass, komme das Wolfcenter so auf rund eine Million Euro an Kosten.  

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