Bunkerpilze und Kiwis von der Südfassade / Gebäudenutzung noch nicht erlaubt

Permakultur-Experte gestaltet Heisenhof-Gelände um

Eine Gruppe Männer steht auf einer frisch angelegten Gartenfläche, im Hintergrund herrschaftliche Gebäude.
+
Der Blick von der Bundesstraße zeigt, wie viel sich auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes bereits getan hat, seit Christian Droop (Mitte) es Ende 2019 ersteigert hat. Gestern stellte er seine Pläne der Presse und einigen interessierten Gästen, unter anderem von Greenpeace, vor.

Wo früher Nazis wie Pilze aus dem Boden schossen, sollen künftig Trüffel wachsen. Außerdem Aroniabeeren, Holunder und Rosmarin. Kräuterseitlinge, Karotten und Kastanien. „Und Kiwis an den Südfassaden“, sagt Jonas Gampe – und er meint das ernst. Der Permakultur-Experte hat mit den Umsetzungen der Pläne für das Heisenhofgelände begonnen, unterstützt von seinem Gartenbau-Team. Ob der Traum des neuen Eigentümers, in den Bunkern Pilze zu züchten, umgesetzt werden kann - das hängt von der Genehmigungsbehörde ab.

Drübber – Wie berichtet, möchte der neue Eigentümer des Anwesens, das einmal Teil der Niedersachsenkaserne war und danach als Nazi-Treffpunkt zweifelhafte Berühmtheit erlangte, einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb etablieren. Dass für die Gebäude des Heisenhofes nach wie vor eine Abrissverfügung besteht, hält den Frankfurter Geschäftsmann Christian Droop nicht davon ab, zumindest das Außengelände bereits auf den Biobetrieb vorzubereiten. Und da wird richtig ernst gemacht: Eifrig wird Erdboden bewegt, werden Bäume und Büsche gepflanzt. „Schauen Sie hier, die kleinen Ziegeltürme“, sagt Droop und zeigt auf entsprechende Haufen. „Die sollen Echsen und Insekten einen Rückzugsort bieten.“ Denn die Artenvielfalt, das gesamte Ökosystem auf dem Hof, spiele in der Permakultur eine wesentliche Rolle.

„Essbares Ökosystem“

Das Konzept, das Droop in Drübber umsetzen möchte, sei ein ganz besonderes. „Der Hof soll nachhaltig und ressourcenschonend sein“, so der Eigentümer. Er soll ohne Dünger und Pestizide auskommen. Das Gelände sei zwar vergleichsweise klein, nur 2,4 Hektar. „Aber es wird trotzdem gute Erträge bringen.“ Das Gelände mit seinen Höhenunterschieden solle klug genutzt werden. „Es wird sozusagen ein essbares Ökosystem“, erklärt der gelernte Garten-Landschaftsbau-Techniker Gampe. Auch die Flachdächer des Offizierswohnheimes sollen mit essbaren Pflanzen begrünt werden, an den Fassaden sollen Hopfen – und tatsächlich auch Kiwis wachsen.

Diese Esskastanie wird erst in einigen Jahren Früchte tragen, erklärt Jonas Gampe.

Pilzzucht in den unterirdischen Bunkern geplant

Besonders viel Umsatz könnte mit der geplanten Pilzzucht generiert werden. Im Außenbereich sollen schon in Kürze alte Baumstämme mit Pilzbrut geimpft werden – als Grundlage für den Anbau von Shiitake. Auch Trüffel möchte Gampe hier draußen im Bereich einer Rotbuche ansiedeln.

Besonders interessant für diesen Betriebszweig aber wären die Bunker, die unter zwei Gebäuden existieren. Klima und Temperatur wären ideal, um hier Speisepilze anzubauen. „40  Tonnen Bunkerpilze“, dieser Ertrag schwebt Christian Droop pro Jahr vor. Allerdings würde der „Kreislaufhof“, wie das Team ihn nennt, auch arbeitsintensiv sein. 15 Mitarbeiter müssten es schon sein, wenn der Betrieb richtig läuft, sagt Droop, der nach eigenen Angaben 1,5 bis 2 Millionen Euro in das Projekt investieren möchte.

„Mit der Landwirtschaftskammer haben wir bereits gute Gespräche über unser Konzept geführt.“ Auch von Nachbarn aus der Umgebung habe er Zuspruch für die bereits von der Bundesstraße sichtbaren Umgestaltungsmaßnahmen erhalten.

Eigentümer sicher: Die Abrissverfügung dürfte nicht mehr gelten

Aber Droop braucht mehr als nur ein klug angelegtes Gelände. Er braucht Räume zur Weiterverarbeitung der Produkte, zur Trocknung von Kräutern, für einen Hofladen, für Personalräume. Gebäude sind natürlich im Überfluss vorhanden – aber nach wie vor gilt: Seit der Abrissverfügung sind alle Gebäude auf dem Heisenhof Schwarzbauten, sie existieren baurechtlich gesehen gar nicht mehr. Droop bleibt cool. Er ist überzeugt, dass sein landwirtschaftliches Konzept eine sogenannte privilegierte Nutzung darstellt und die Abrissverfügung, gegen die er Widerspruch beim Landkreis eingelegt hat, damit obsolet ist. „Eins ist klar: Abreißen und die Gebäude neu bauen – das würde unserem ressourcenschonenden Konzept entgegenstehen“, macht er seinen Standpunkt deutlich.

Während das Team des Permakultur-Designers Jonas Gampe das Gelände umgestaltet und Pflanze um Pflanze in die Erde bringt, hofft der neue Eigentümer nun natürlich darauf, dass der Landkreis bald einlenkt. Aber besonders verzweifelt wirkt der Geschäftsmann nicht. „Viele Bäume werden erst in einigen Jahren die ersten Früchte tragen“, erklärt Droop, warum er noch keinen großen Druck spürt. „Wir brauchen nicht gleich morgen eine Genehmigung.“ Aber natürlich hoffe er auf baldige Planungssicherheit. „Wir wollen natürlich auch so bald wie möglich in einen Bereich kommen, in dem wir Umsatz generieren können“, so Droop.

Erfahrung mit konfliktreichen Vorhaben

Konfliktbeladene Vorhaben – damit kennt sich der Jurist mittlerweile ein bisschen aus. Ein weiteres Großprojekt aus seinem Portfolio, die Anlage des botanischen Gartens Schloss Bieberstein in Rheinland-Pfalz, geriet wegen erheblicher zeitlicher Verzögerung in die Kritik. Dort hatte es ebenfalls Probleme mit Genehmigungen gegeben. Auch Gartenbauexperte Gampe hat in diesem Bereich bereits Erfahrungen gemacht. Laut einem Artikel in der Main-Post beendete er sein Projekt „Erlebnis-Gärtnerei“ in Unterfranken im Herbst vergangenen Jahres – nach einem langen Behördenstreit.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar

Scheunenbrand in Riede: Rauch viele Kilometer weit sichtbar
Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein
„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“

„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“

„Online einzukaufen nutzt dem Klimaschutz“
Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung

Verdener Domplatz in Partystimmung

Kommentare