Neue Schiedsmänner - Schlichtung statt Gerichtsprozess

Gemeinde Dörverden: Bei Streit erst mal zu Meyer und Stolte

Hans-Jürgen Stolte ist sein Stellvertreter.
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Hans-Jürgen Stolte ist sein Stellvertreter.

Dörverden – Sei es eine Beschimpfung, die jemand nicht auf sich sitzen lassen will, der Kirschbaum, dessen Äste auf das Nachbargrundstück ragen oder eine unbezahlte Handwerkerrechnung – ein Streit kann viele Gründe haben. Damit der Konflikt nicht irgendwann die Gerichte beschäftigt, engagieren sich ehrenamtliche Schiedspersonen. Sie bringen die Parteien an einen Tisch, moderieren das Gespräch – und verhelfen im besten Fall zu einem Kompromiss, mit dem beide Seite leben können. Ein anspruchsvoller Job – auf den die neuen Dörverdener Schiedsmänner, Bernd Meyer und Stellvertreter Hans-Jürgen Stolte, richtig Lust haben. Und so wie es aussieht, sind die beiden auch gut geeignet.

Schiedsperson eine anspruchsvolle Tätigkeit

Mittlerweile in Rente, haben beide bereits in ihrem Berufsleben viel Erfahrung mit Konfliktbewältigung gemacht. So war der 61-jährige Bernd Meyer Berufssoldat und lange Zeit als Personaloffizier an verschiedenen Standorten eingesetzt. „Da ging es dann unter anderem darum, Versetzungen von einem Standort zum anderen zu moderieren“, erzählt der Dörverdener. Aber vor allem habe er bei seinen Auslandseinsätzen in Afghanistan gelernt, was es heißt, Kompromisse zu finden. Eine seiner Aufgaben war es, Hilfen vor Ort zu koordinieren. „Wenn sich dort zum Beispiel zwei Dörfer eine Schule gewünscht haben, es waren aber nur Gelder für eine Schule vorhanden – dann musste man sich mit den Menschen an einen Tisch setzen und eine Lösung finden.“ Dabei habe Meyer festgestellt, dass er ganz gut darin sei, zuzuhören und neutral zu bleiben. Weil er glaubt, dass diese Eigenschaften wichtig für die Arbeit einer Schiedsperson sind, habe er sich im Herbst auf die Stelle beworben. „Ich wollte mich schon lange ehrenamtlich engagieren“, berichtet er. Jedoch habe er etwas gesucht, was auch seinen Fähigkeiten entspricht.

Streit um den Garten oder den Kirschbaum

Er und Hans-Jürgen Stolte, der sich erfolgreich auf das Amt des Stellvertreters beworben hat, kennen sich bisher nur flüchtig. Das wird sich jetzt sicher ändern: „Ich stelle mir das so vor, dass Hans-Jürgen mich nicht nur vertritt, wenn ich keine Zeit habe, sondern sich auch den Fällen annimmt, bei denen ich befangen bin.“ Denn im Freundeskreis wolle er zum Beispiel nicht tätig werden und als langjähriger Fußballspieler im TSV kennt er natürlich viele Dörverdener gut.

In Afghanistan im Einsatz für die Bundeswehr

Aber auch seinem 64-jährigen Stellvertreter ist die Thematik der Schlichtung nicht fremd: Schließlich hat sich Stolte, der in Stedebergen wohnt, in seinen fast 40 Jahren bei der Firma Focke lange Zeit im Betriebsrat engagiert. „Konflikte bleiben da nicht aus“, erzählt er. „Alleine im Gremium gibt es ja sehr unterschiedliche Charaktere und Meinungen, da muss man dann auch mal Kompromisse finden.“ Er habe im Rahmen seiner Betriebsratsarbeit festgestellt, dass es ihm liegt, Menschen durch schwierige Lebensphasen zu begleiten, ihnen ein Ohr zu schenken und ihre Probleme ernst zu nehmen.

Und so läuft die Arbeit im Schiedsamt ab: Wenn jemand, aus eigenem Antrieb oder weil ein Gericht eine entsprechende Auflage erteilt hat, eine Schlichtung in Anspruch nehmen will, muss er oder sie zunächst einmal einen kleinen Obolus in die Gemeindekasse einzahlen. „Es geht dabei nicht um viel Geld, sondern um einen angemessenen Beitrag, um die eigene Ernsthaftigkeit zu dokumentieren“, erklärt Meyer. Und dann werden die Streithähne an einen Tisch gebeten. „Das ist dann ein wichtiger Moment, weil zu diesem Zeitpunkt der Konflikt oft so weit eskaliert ist, dass echte Gespräche schon lange nicht mehr stattgefunden haben.“ Stolte: „Die Parteien reden dann vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit- und nicht übereinander.“ Ziel des Gespräches sei es immer, eine Lösung zu finden, auf die sich beide Seiten einigen können. „Um letztendlich einen Gerichtsprozess zu vermeiden“, so Meyer.

Er und Stolte wissen, dass sich mit dieser Methode wohl nicht jedes Problem außergerichtlich lösen lässt. Aber es wäre doch schön, falls sie wenigstens den einen oder anderen Konflikt auf diese Weise aus der Welt schaffen und so etwas Frieden stiften könnten.

Gewählt vom Gemeinderat Dörverden

Die Amtszeit der beiden neuen Schiedsmänner beginnt am 1. Januar und dauert bis 2025. Gewählt wurden sie vom Gemeinderat und auch das Amtsgericht Verden hat sie bereits bestätigt. „Wir hoffen jetzt darauf, dass eine für Februar geplante Weiterbildung stattfinden kann“, sagt Meyer. Genau wie Stolte möchte er unbedingt die Chance nutzen, sich fortzubilden, um die neue Aufgabe gut zu meistern. „Aber wenn wir fachlichen Rat brauchen, gibt es ansonsten auch beim Amtsgericht Stellen, bei denen wir anrufen können.“

Jetzt fehlen also nur noch die Fälle. Aber da müssen sich die beiden wohl eher keine Sorgen machen: „Ich wurde neulich schon im Supermarkt angesprochen, weil jemand Probleme mit den Bäumen seines Nachbarn hat“, sagt Meyer. „Aber ich habe ihn dann auf Januar vertröstet.“

Wer Kontakt zu den Schiedspersonen aufnehmen will:

Meyer ist zu erreichen unter Telefon 0152/28455308, E-Mail bernd4meyer@gmx.de, und Stolte unter 04231/4794, hans-juergen.stolte@freenet.de

Bernd Meyer ist neuer Schiedsmann.

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