Besitzer finden Köder im Garten

Zwei Hunde müssen nach versuchter Vergiftung in Klinik

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Balou und Frida sind wieder wohlauf.

Dörverden - Von Christel Niemann. Nicht nur Katzen scheinen mehrere Leben zu haben, sondern offenbar auch die Hunde von Dr. Friedhelm Gorski und Bianca Priegnitz aus Dörverden: der zehnjährige Doggen-Schäferhund-Mix „Balou“ und seine siebenjährige kleine Hundepartnerin „Frida“. Beide haben im Garten ausgelegte Giftköder gefressen und durch die Verkettung glücklicher Umstände überlebt.

Rattengift, Rasierklingen in Leberwurst oder vergiftete Leckerchen: Hundehasser kennen keine Grenzen und es gibt immer wieder Nachrichten über vergiftete Vierbeiner, die so zu Tode kommen. Bei Dr. Friedhelm Gorski und Bianca Priegnitz ereignete sich der Notfall sogar im eigenen Garten. Als Gorski vom Küchenfenster aus in den Garten blickte, sah er noch, wie Balou torkelnd zusammenbrach und mit Schaum vor dem Maul schwer hechelnd liegen blieb.

Aufgrund seiner medizinischen Ausbildung dachte der Dörverdener sofort an Gift und ihm war klar, dass keine Zeit zu verlieren war. „Frieda hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome“, erinnert sich Gorski, der Balou zunächst eilends ins Haus geschafft und dann einen Tierarzt alarmiert hatte. „Unsere Tierärztin war zu einem anderen Notfall unterwegs und so kurzfristig nicht abkömmlich. Daraufhin haben wir die Praxis Grimmelmann in Bücken kontaktiert, die auch gleich jemanden schickte.“

Identische Symptome bei beiden Tieren

In Dörverden angekommen, stellte sich für Tierärztin Alke Grimmelmann zunächst die Frage, ob hinter den Symptomen von Balou nicht auch eine neurologische Ursache stecken könnte. Sie entschied sich daher, den Hund in ihre Praxis mitzunehmen. Doch kaum war die Tierärztin mit dem 50-Kilo-Hund gen Tierklinik aufgebrochen, zeigte auch Frieda die gleichen Symptome. „Und bei ihr waren sie noch um einiges stärker“, erzählt Bianca Priegnitz, die schnell reagierte, Frieda ins Auto packte und der Tierärztin eilends folgte.

Durch die rasante Fahrt zur Klinik, in der Mitarbeiter das aufgenommene Gift schnell genug wieder aus den Mägen von Balou und Frieda entfernen konnten, wurden der Hundesenior und seine Freundin gerettet. Natürlich haben die Besitzer ihren Garten gleich nach Spuren angesucht, aber weil Schnee lag, zunächst nichts gefunden. Erst als der geschmolzen war, hat Gorski bei einem erneuten Kontrollgang die Reste von Wurstpelle entdeckt. „Es handelte sich um orangefarbene Plastikpelle, wie sie die Industrie für preiswerte Fleischwurst verwendet“, weiß er. „Mit so etwas füttern wir unsere Hunde nicht.“

Die Tatsache, dass weder das Wohnhaus noch der große Garten unmittelbar an einer Straße oder einem Durchgang liegen, lässt die Tierhalter vermuten, dass die Wurststücke gezielt platziert wurden. Priegnitz hat den Vorfall bei der Polizei in Dörverden angezeigt. Ähnlich gelagerte Fälle seien dort zurzeit aber nicht bekannt. Da das Paar dennoch in großer Sorge um seine Hunde ist, wird ihr Garten inzwischen von Videokameras überwacht.

Expertenmeinung von Alke Grimmelmann:

Alke Grimmelmann mit einem „Patienten“.

Natürlich freut sich auch Tierärztin Alke Grimmelmann darüber, dass die Hunde nach kurzem stationären Aufenthalt in der Tierarztpraxis Grimmelmann in Bücken inzwischen wieder auf den Beinen und genesen sind. Sie hatte die Tiere schließlich gerade noch retten können. 

„Es steht im Grunde genommen außer Frage, dass sie Gift gefressen haben.“ Anders ließen sich die Symptome, zumal sie beide Tiere zeigten, kaum erklären. Unklar sei allerdings, um welches Gift oder möglicherweise auch Insektizid es sich gehandelt habe. Aber das, so Grimmelmann bedauernd, sei wohl kaum noch herauszufinden. 

In Bezug auf Vergiftungen rät die Veterenärin ganz allgemein zu Vorsicht. Damit es erst gar nicht dazu kommt, dass der Hund etwas Verbotenes frisst, sollten ihn die Besitzer daher auf Spaziergängen immer gut im Auge behalten. Auch Schneckengift oder giftige Pflanzen im Garten, im Wald und in der freien Natur seien nicht zu unterschätzen. 

Viele Gifte wirkten schnell , deshalb sollten Hundebesitzer sofort reagieren und so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen. Davon, den Tieren die Hand in den „Fang“ zu stecken, um sie zum Erbrechen zu bringen, hält sie wenig. Stattdessen sollten Hundehalter – falls vorhanden – die Reste einsammeln und mitnehmen. 

„Wie schnell das Gift wirkt, ist auch von der Dosis abhängig“, erklärt die Tierärztin. Unmittelbare Folgen einer Giftaufnahme könnten Durchfall, Krampfanfälle und motorische Störungen sein. Doch wirklich eindeutige Symptome gebe es nicht, schränkt sie ein. 

Für Grimmelmann sind mutwillig verteilte Giftköder allerdings nur in extrem seltenen Fällen ursächlich für die Vergiftung von Haustieren. Außerdem unterstreicht sie, dass Blutungen und Krämpfe nicht zwingend ein Zeichen für Gift sind. „Die weitaus meisten Fälle von Blut im Kot oder Erbrochenen sind Begleiterscheinungen einer Magen-Darm-Infektion und nur äußerst selten Zeichen für eine Vergiftung.“

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