Mittelalterlager an den Hülsener Schafställen 

Ausflug in die Vergangenheit

„Eskil“ beim Formen der Tongefäße.

Hülsen - Mittelalter-Freunde zog es gestern zum Backtag nach Hülsen, wo unweit der historischen Schafställe eine kleine Gruppe von Mittelalterfreunden ihr Lager aufgeschlagen und die Zeit zurückgedreht hatte. Im fünften bis elften Jahrhundert gab es keinen technischen Schnickschnack, Neuigkeiten wurden auf Märkten ausgetauscht und die Menschen tranken weder aus Plastikflaschen noch aßen sie Kartoffeln oder Paprika.

Es roch nach Feuer und Kräutern auf der Wiese bei den Schafställen. Hier waren zwei große und mehrere kleine Zelte aufgeschlagen worden. Mittendrin saßen Menschen in mittelalterlichen Gewändern an Holztischen. Alle beschäftigten sich mit Handarbeiten. Die Mitglieder des friesischen Clans „Freya Fresena“ und der Weser-Sippe Bremen stellen das Leben der damaligen Zeit so authentisch wie möglich dar. „Eskil“ heißt eigentlich Thomas und ist Diplom-Mathematiker. Er knetete Ton, den er zu Gebrauchsgefäßen formte und brannte. „Svirebroir“ alias Stefan unterrichtet an einer Berufsschule. Er war mit dem Sticken eines Wappens beschäftigt und Alste, Anja, hatte den Eisentopf im Blick, in dem über offenem Feuer das Abendessen für die Gruppe, eine Bohnensuppe, köchelte. „Das dauert ohne technische Hilfsmittel wie Strom sehr viel länger“, erklärte Eskil.

Die Mittelalter-Freunde in ihrem Lager bei den Schafställen. Sie versuchen so authentisch wie möglich zu leben. - Fotos: Niemann

Die Lagerbewohner wirkten entspannt. Die Kinder tobten herum, selbst der Hund machte einen relaxten Eindruck. „Unser Hobby wirkt sich entschleunigend aus“, sagte Svireboir. „Der Alltag ist auf das Wesentliche konzentriert.“ Das traf auch auf den Speiseplan zu. „Es gibt bei uns weder Tomaten noch Paprika oder Kartoffeln zu essen, denn das gab es zu jener Zeit noch gar nicht. Getrunken werden Wasser und Tee und ganz selten gibt es mal ein dünnes Bier oder Wein.“ Die Gruppen schliefen in Zelten aus naturbelassenen Stoffen. „Regennässe dringt praktisch nicht durch. Der Stoff hält ziemlich viel ab“, ergänzte Karsten, der die Tage in Hülsen mit seiner Familie genoss. „Es ist ein kurzer Urlaub vom Alltag. Am Montag ist wieder alles vorbei“, erzählte der Wirtschaftsingenieur. Sie reduzierten sich auf Wichtiges, äßen, wenn sie hungrig seien und lebten in und mit der Natur.

Interesse an diesem Leben haben bereits die Kinder. Mit ihren zwei Jahren ist Emma noch die Jüngste, weiterer Nachwuchs ist unterwegs. Die elfjährige Lysann teilt seit ihrem fünften Lebensjahr mit Begeisterung das elterliche Hobby.

Die Erwachsenen verhehlen nicht, dass sie Menschen des 21. Jahrhunderts sind. „Uns ist schon klar, dass wir den ,Mittelalter-Sonntag' darstellen, da das wirkliche Leben in jener Zeir alles andere als ein Zuckerschlecken war“, sagte Eskil. Und so benutzten die Mittelalter-Freunde auch Toiletten und keine Donnerbalken. Alle hatten auch ihre Handys dabei, die allerdings ausgeschaltet blieben. 

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