Silvester-Schlägerei: Prozess geht am Freitag weiter

Tod in Dörverden: Angeklagte streiten Beteiligung ab

Dörverden - Der Verdener Landgerichtsprozess um den Tod eines 42-Jährigen in der Silvesternacht 2015/2016 in Dörverden ist gestern mit den Einlassungen von zwei der fünf Angeklagten fortgesetzt worden.

Ein 31 Jahre alter Angeklagter aus Hodenhagen hatte am vorherigen Verhandlungstag eingeräumt, dem Opfer einen Schlag mit einer Schreckschusswaffe verpasst zu haben. Am Mittwoch sagten sein 21 Jahre alter Bruder aus Dörverden und deren 27-jähriger Onkel aus Verden aus. Beide wollen selbst keine Gewalt ausgeübt haben.

Der 21-Jährige ließ seinen Verteidiger für sich sprechen. Der 27-Jährige schilderte selbst das Geschehen. Der 21-Jährige berichtete, dass in jener Nacht zunächst ein ebenfalls angeklagter Cousin aus Dörverden durch einen Schlag am Auge verletzt und dass versucht worden sei, diesen in ein Auto zu zerren. Gegenüber der Polizei hatte auch der 27-Jährige davon berichtet und dass er eingeschritten sei. Gestern erinnerte er sich nicht mehr daran. Das spätere Opfer soll an diesem Vorfall nicht beteiligt gewesen sein.

Nicht nur die Aufklärung der Geschehnisse erscheint schwierig, sondern auch deren rechtliche Bewertung. Anders als die Kammer, die in einem nicht öffentlichen Verständigungsgespräch eine vorläufige Einschätzung vorgenommen hatte, sehen die Verteidiger in dem Tatgeschehen keine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge. So lautete der Anklagevorwurf.

Kunstfehler des Arztes?

Als ursächlich für den Tod des 42-Jährigen wird von der Kammer „im erheblichen Maße das Geschehen im Rettungswagen und die Intubation“ angesehen. Jedoch hätte es der Behandlung ohne gewalttätige Handlungen nicht bedurft, so die Auffassung der Kammer. Ausgehend von einem minderschweren Fall waren den Angeklagten Bewährungsstrafen von etwa einem Jahr und nur für den 31-Jährigen eine Bewährungsstrafe zwischen 18 und 21 Monaten in Aussicht gestellt worden. Wobei noch offen ist, inwieweit diese überhaupt beteiligt waren. Doch das Angebot wurde abgelehnt. „Wegen der unterschiedlichen Positionen wurde keine Verständigung erzielt“, berichtete der Vorsitzende Richter Joachim Grebe gestern in einer Zusammenfassung des Gesprächs.

Die Verteidiger scheinen der Auffassung zu sein, dass ein Kunstfehler des Arztes vorliege, der ihren Mandanten nicht zugerechnet werden kann. Die Kammer erteilte gestern den rechtlichen Hinweis, dass für drei der Angeklagten auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei in Betracht komme sowie bei deren 27 Jahre altem Onkel ein Freispruch. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. wb

Rubriklistenbild: © dpa

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