Alma Kappel aus Westen feiert 95. Geburtstag / Aus dem Nichts eine Existenz aufgebaut

Eine Frau mit viel Fleiß und Geschick

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Die Jubilarin Alma Kappel mit ihren Urenkeln (von links) Merle, Christoph, Daniel, Laura und Jan.

Westen - Sehr zu ihrer Freude feierte gestern die Westenerin Alma Kappel im Kreise ihrer Familie im Kreisaltenheim „Haus am Hesterberg“ in Dörverden ihren 95. Geburtstag. „Den werde ich lange in guter Erinnerung behalten“, so die Jubilarin gerührt, die seit gut einem Jahr in der Einrichtung lebt und sich sehr wohl fühlt.

Alma Kappel wurde am 21. Februar 1921 in Beresina im Kreis Ackermann (Ukraine) als zweitältestes von sechs Mädchen geboren. Dort wuchs sie auch auf und besuchte die Schule. Im Jahre 1940 musste sie mit 19 Jahren, ihr erster Sohn Hugo war gerade sechs Wochen alt, das erste Mal fliehen. Die Flucht führte sie und ihren Mann Emil, der 1984 in Westen verstarb, sowie ihre Schwiegereltern nach Westpreußen, wo sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb angesiedelt wurden.

Im Winter 1944/45 folgte die zweite Flucht. Mit allem Hab und Gut auf zwei Pferdegespannen ging es nach Niedersachsen. Hier fanden sie Aufnahme auf dem Hof der Familie Köster-Gobeck in Brunsbrock. Während der letzten Kampfhandlungen wurde der Hof von den Engländern unter Beschuss genommen, wobei sämtliche Gebäude und auch die Treckwagen vernichtet wurden. Jetzt stand die Familie mittellos da. Bevor sie 1946 zur Familie Henke in Neddenaverbergen zogen, fanden sie für ein Jahr Unterkunft bei der Familie Thölke in Salingsloh.

Ein weiterer Umzug erfolgte 1949 zur Familie Clausen nach Lehringen. 1950 wurde in Neddenaverbergen ein eigenes Haus gebaut, in das die Familie kurz vor Weihnachten einzog. „Meine Mutter war zwar immer bescheiden, hat aber einen eisernen Willen“, erinnert sich Sohn Hugo. Das führte dazu, dass die Familie durch Vermittlung der NLG einen landwirtschaftlichen Betrieb in Westen übernahm.

Mit viel Fleiß und Geschick sorgte Alma Kappel mit ihrem Mann dafür, dass sich der Hof zu einem Vollerwerbsbetrieb entwickelte. Im Laufe der Zeit wurden noch der Sohn Erwin und Tochter Wally geboren. Inzwischen gehören sieben Enkel und fünf Urenkel zur Familie.

Erst in den späteren Jahren trat die fleißige Jubilarin etwas kürzer. Und wenn bis dahin Urlaub für sie ein Fremdwort gewesen war, nahm sie jetzt auch an einigen Fahrten der Awo teil. Und auch ihrem Hobby, der Handarbeit, konnte sie sich endlich mal ganz in Ruhe widmen.

Nach der Feier gestern freut sie sich heute noch einmal auf den Besuch und die Glückwünsche von Bürgermeister Alexander von Seggern, den Westener Ortsvorsteher Heinrich Bodenstab, Pastor Florian von Issendorf sowie Ursula Vieregge, Vorsitzende der Awo Westen.

kt

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