Umbau der ehemaligen Gaststätte Heußmann

Ärger um neue Fassade

Dass eine Sanierung notwendig ist, sieht man an den wenigen Fachwerkstellen, die noch freiliegen. - Fotos: Niemann

Dörverden - In einem offenen Brief an den Gemeinderat Dörverden fordern die Vorstände der H.F.-Wiebe-Stiftung und des Ehmken-Hoff-Vereins, eine Gestaltungssatzung zu erlassen. Hintergrund der Forderung sind aktuelle Umbaumaßnahmen am Gebäude des ehemaligen Gasthofes Heußmann.

In dem Brief heißt es: „Dieses – das Ortsbild prägende – Haus war das auf Ansichtskarten von Dörverden bei weitem häufigste Motiv. Die Geschichte Dörverdens kann nicht erzählt werden, ohne auf dieses Haus als Versammlungsort Bezug zu nehmen. Es war über Jahrhunderte – neben der Kirche – das für das politische und gesellschaftliche Leben Dörverdens wichtigste Gebäude. Es ist für die Lokalgeschichte mit dem Lintler Krug vergleichbar, der in Kirchlinteln mit Millionenaufwand restauriert wurde.“

Vor wenigen Tagen verschwanden Teile der Fassade des Gebäudes hinter einer grauen Wand. Was genau der Eigentümer mit dem Gebäude vorhat, ist noch offen, so dessen Sohn Erkan Ersu, der die baulichen Aktivitäten als dringend erforderliche Wärmeschutzmaßnahme beschrieb. Auch wolle man die Bausubstanz dadurch stabilisieren. Dass das Fachwerk dabei überputzt und nicht von Grund auf saniert wird, ist laut Ersu den Kosten geschuldet. 

„Das ist einfach zu teuer“, sagte er. Vom Fachdienstleiter Bauordnung der Kreisbehörde, Joachim Kmetsch, war dazu zu erfahren, dass für besagtes Gebäude – anders als viele Dörverdener vermuten – auch kein Denkmalschutz besteht und demnach keinerlei denkmalrechtlichen Auflagen greifen. „Der Besitzer kann handeln, wie er es möchte. Es müssen nur die baurechtlichen Bestimmungen beachtet werden.“

Möglicherweise sei die durch den Besitzer durchgeführte Maßnahme sogar genehmigungsfrei. Kmetsch zeigte Verständnis für die Aufregung vieler Dörverdener. Er gab aber zugleich zu bedenken, dass nicht jeder Immobilienbesitzer auch Geld für eine wie von den Kritikern erwünschte Sanierungsmaßnahme hat.

In dem offenen Brief heißt es indes weiter: „In Dörverden mit seinen Teilorten gibt es nicht mehr viele Gebäude, die an die einstigen Bauerndörfer erinnern.“

Das durch ein Dorf vermittelte Lebensgefühl werde laut Dieter Sprei und Gerhard Meyer von Stiftung und Verein, die den Brief unterzeichnet haben, nicht nur von wenigen denkmalgeschützten Gebäuden bestimmt, sondern hänge wesentlich auch davon ab, dass ein breiter gesellschaftlicher Konsens hinsichtlich städtebaulicher Aspekte herrscht. 

„Dörverden muss sich daher darüber klar werden, wie es in 30 bis 50 Jahren aussehen will. Es bedarf einer über Wahlperioden hinausreichenden Zukunftsplanung, die auf das kulturelle Erbe des historischen Gebäudebestands in den Ortskernen Rücksicht nimmt und es möglichst bewahrt.“ - nie

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