Eine Million Mini-Fische sollen den Bestand in Aller und Weser sichern

Aalnachwuchs in Streichholzgröße

Mit großer Vorsicht wird der wertvolle Fischnachwuchs ins Wasser gelassen. Fotos: Niemann

Dörverden - Von Christel Niemann. Nach einer zweitägigen Gefangenschaft und einer etwa 1 500 Kilometer langen Reise in mit Sauerstoff befüllten Styroporbehältern im Laderaum eines Transporters, wurden jetzt eine Million Glasaale in Weser und Aller und in die Vereinsgewässer regionaler Mitgliedsvereine im Anglerverband Niedersachsen wieder in die Freiheit entlassen.

Der Aalnachwuchs in Streichholzgröße und mit einem Gesamtgewicht von annähernd 400 Kilogramm, war zuvor an der französischen Atlantikküste unweit der Grenze zu Spanien aus dem Meer gefischt und an die beteiligten Anglervereine sowie an Weserfischer Kurt Janke übergeben worden.

Janke und die umliegenden Angelvereine lassen sich den durch die EU geförderten Aalbesatz jährlich viel Geld kosten. Geld, das der Berufsfischer Janke für gut angelegt hält, da es den natürlichen Bestand zu erhalten gelte. Denn er weiß natürlich um die Gefährdung des Aals, der bis etwa 1980 eine der häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Fischarten in der Region und damit auch der „Brotfisch“ für die Berufsfischerei war.

Wie Ralf Gerken, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Anglerverband Niedersachsen, glaubt auch Janke allerdings nicht, dass eine Überfischung ursächlich für den massiven Rückgang beim Aal ist. Hierfür wären wohl eher andere Faktoren verantwortlich, meinten sie und führen zum Beispiel Parasitenbefall, Umweltbelastung der Gewässer oder die Staustufen der Kraftwerke als Faktoren auf, die abertausende Fische töteten. Auch spiele der Klimawandel wahrscheinlich eine Rolle.

Und warum züchtet man den Aal nicht, wie andere Fischarten auch? „Das geht nicht. Da sich der Aal in Gefangenschaft nicht vermehrt“, erklärt Gerken.

Aale vermehren sich nicht in Gefangenschaft

Die europäischen Aale laichten ausschließlich in der Sargassosee im Atlantik vor der amerikanischen Ostküste. Die Larven wiederum schwämmen im Golfstrom bis an die Küsten Europas, um dort als ein- bis dreijährige Glasaale in großen Schwärmen in Flüsse und Bäche aufzusteigen. Dort führten sie dann viele Jahre ein Leben im Verborgenen, um mit Eintreten der Geschlechtsreife zurück an ihren Geburtsort zu kehren, an dem sie nach der Eiablage sterben.

Nachdem das Transportfahrzeug mit Gerken weitergefahren war, machte sich Kurt Janke direkt an die Arbeit, um den kostbaren Aalnachwuchs an unterschiedlichen Stellen seiner Fischereipachtgewässer mit großer Vorsicht ins Wasser zu lassen. Auch per Boot wurde der Glasaal verteilt.

Rund zehn Jahre werden die etwa zwei Jahre alten Tiere nun in hiesigen Flüssen und Vereinsgewässern leben, ehe sie geschlechtsreif werden und zum Laichen in den Atlantik zurückkehren.

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