Rettungsprogramm an der Weser

Aal-Taxi gibt Fischen Starthilfe

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Die vom Dörverdener Fischer Kurt Jahnke (rechts) gefangenen Aale werden nach Hooksiel gebracht. Von der Nordsee aus sollen sie den Atlantik durchqueren, um in der Sargassosee zu laichen. Links: Stefan Göckemeyer von der Landwirtschaftskammer.

Dörverden - Die Rettung von Aalen vor dem Tod, vor allem in den Kraftwerksturbinen entlang der Weser, steht in Fokus des aus Landesmitteln finanzierten Programms „Aaltaxi“ von Niedersächsischem Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), Landwirtschaftskammer (LWK) und Berufsfischern. Auch der Dörverdener Fischer Kurt Jahnke ist aktiv beteiligt.

In den vergangenen Wochen haben Jahnke und seine Kollegen 380 Kilogramm Aal in Reusen gefangen und sie am Dienstag auf einem Spezialtransporter in geräumigen Wasserbecken in Richtung Nordsee geschickt. Um den Aalen den Reisestart möglichst schonend zu gestalten, wurde peu a peu auch der Salzgehalt des Wassers an die Bedingungen in der Nordsee angepasst.

In Europa werden die Tiere, die als stark gefährdet gelten, von der EU-Aal-Verordnung geschützt. Doch trotz vieler Maßnahmen wurde der Abwärtstrend bislang noch nicht gestoppt, zumal neben den Turbinen auch Giftstoffe, Parasiten oder Fressfeinde den Aalen zusetzen. Das Problem: Die heimischen Aale laichen ausschließlich in der Sargassosee, östlich von Florida, die mehrere tausend Kilometer von der Weser entfernt liegt. Da nicht nur der halbe Atlantik sie von ihrem Laich-ort trennt, sondern auch etliche Staustufen, hilft das Land Niedersachsen und hat besagtes Programm aufgestellt, das den Aalen sicheres Geleit gewähren soll.

2017 wohl eine Tonne Aal gefangen

In diesem Jahr, so die Schätzung von Dr. Markus Diekmann von Laves, würden rund eine Tonne der aus der Weser abwandernden Aale von den drei dort noch tätigen Berufsfischern schonend gefangen und später in Spezialbehältern nach Hooksiel transportiert, wo die Blank-Aaale, so nennt man die geschlechtsreifen Tiere, bei Flut im Außenhafen in die Nordsee ausgesetzt würden, damit sie von dort aus in den Atlantik schwämmen.

Am Dienstag dieser Woche wurden die ersten Blankaale zur Nordsee gebracht; weitere Transporte sind in den kommenden Wochen vorgesehen. 380 Kilogramm Aal haben Diekmann und Stefan Göckemeyer von der LWK Hannover für den genannten Transport notiert, den die drei Berufsfischer zuvor in Reusen gefangen und bis zum Abtransport in speziellen, schwimmenden Boxen im Weserwasser gehältert hatten. Als Hälterung bezeichnet man die Aufbewahrung von lebenden Fischen. „Sämtliche Schritte werden akribisch genau dokumentiert“, erzählt Diekmann, schließlich müsse sich der Aal vom Fluss- zum Meeresbewohner verwandeln.

Die Aalpflege kostet natürlich auch Geld. 75.000 Euro stellt das Land Niedersachsen dafür in diesem Jahr zur Verfügung. Noch bis Ende November ist das Aal-Taxi regelmäßig unterwegs und immer wenn ausreichend Blankaale gefangen sind, wird es einen neuen Transport Richtung Hooksiel geben. 

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