34-jährige Syrerin lebt mit ihren vier Kindern

„Ich warte Stunde um Stunde, Tag für Tag“

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Elke Meyer vom Hauswirtschaftlichen Dienst spielt mit dem dreijährigen Ouis und der einjährigen Suna, während die älteren Geschwister die Schule besuchen. Die Mutter, Azza Barhamjy, wollte sich nicht fotografieren lassen.

Dörverden - Durch Krieg vertrieben und wegen mangelnder Lebensperspektiven verzweifelt: Flüchtlinge hoffen nach den Strapazen der Flucht auf ein besseres Leben, aber sie stehen auch hier vor vielen Problemen.

Und so treibt auch die aus Syrien geflohene Azza Barhamjy vor allem die Frage um, wie es weiter geht. Eine Ungewissheit, die die Mutter von Fatima (elf), Mohamed (sieben), Ouis (drei) und Suna (ein Jahr) tagtäglich beschäftigt und die sie seelisch zunehmend zermürbt. Seit zwei Monaten lebt die 34-jährige Ärztin, die nach einer Operation für längere Zeit auf den Rollstuhl angewiesen ist, mit ihren Kindern im Haus am Hesterberg in Dörverden, wo die Kreisbehörde Räumlichkeiten umgenutzt und ihr zwei Zimmer zugewiesen hat.

„Ich warte Stunde um Stunde, Tag für Tag und sitze hier die Zeit ab“, lässt sie von Dolmetscherin Inass Elakel übersetzen. Das ganze Antragswesen dauere so lang. Bislang habe man nicht einmal ihre Fingerabdrücke registriert.

Vor allem das Warten belaste Barhamjy sehr, da sie nicht verstehe, warum die Registrierung dermaßen schleppend voran gehe, übersetzt Elakel. Sie wolle doch einfach nur wissen, wie es weiter gehe und womit sie in Zukunft zu rechnen habe. Ausdrücklich lobt Azza Barhamjy das Personal im Haus am Hesterberg und die vielfältige Unterstützung, die sie durch die Mitarbeiterinnen vom Hauswirtschaftlichen Dienst bei der Kinderbetreuung sowie durch Einzelpersonen erfährt. Dennoch hofft sie, möglichst bald mit den Kindern eine eigene Wohnung beziehen zu können. „Die Kinder bekommen viel Hilfe, aber ich fühle mich oft einsam.“

Sie lerne zwar auf eigene Faust Deutsch, bekomme auch hin und wieder Besuch, aber es sei hier ein ganz anderes Leben als das, was sie zuvor kannte, sagt Azza, die in ihrem „alten Leben“ als Ärztin für Labordiagnostik bei einem Pharmazieunternehmen in Damaskus angestellt war.

„Unsere Familie war glücklich“ sagt sie und erzählt vom eigenen Haus und der Zahnarztpraxis ihres Mannes. „Wir hatten einmal ein gutes Leben.“ Doch dann kam der Krieg, der mit der Heimatstadt auch die berufliche Existenz der Eheleute vernichtete. Azza lässt übersetzen, dass sie und ihr Mann dann in einer nahegelegenen Kleinstadt ein neues Haus gebaut und wieder eine Praxis eröffnet hätten. Aber als ob die vorausgegangenen Schicksalsschläge nicht genug gewesen wären, wurde bei ihr auch noch ein bösartiger Tumor an der Wirbelsäule festgestellt. Azza: „Wir haben fast unser gesamtes Hab und Gut verkauft und von dem Geld meine Operation im Libanon bezahlt.“ Zurück in Syrien wurde die Familie erneut vom Krieg eingeholt und ihre Existenz zum zweiten Mal durch Bomben vernichtet. „Es war eine schreckliche Zeit, voller Angst, Ungewissheit und Hunger. Es gab nichts, weder Brot noch Nahrung für die Kinder.“

Ihre Flucht sei dann überwiegend per Bus und Bahn, aber auch zu Fuß erfolgt. Die Frage, wie sie im Rollstuhl mit vier Kindern diese Strapazen überhaupt geschafft habe, beantwortet sie mit einem Lächeln. „Ich war in einer Gruppe mit 20 Männern auf der Flucht, die mir viel geholfen haben.“

Azza ist froh, mit ihren Kindern in Deutschland in Sicherheit zu sein. Aber sie vermisst ihre Heimat und sie sorgt sich um ihren Mann, mit dem sie per Skype Kontakt hält und von dem sie nicht weiß, wann er nach Deutschland nachkommen kann.

Würde sie denn nach Syrien zurückkehren, wenn dort Frieden herrschte? „Yes, today, not tomorrow“ (Ja, heute, nicht morgen), antwortet sie mit fester Stimme.

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