„Achim liest“: Fünf Juristen stellten in Stadtbibliothek keineswegs staubtrocken Lieblingslektüre vor

„Die Pest“ zog Publikum in Bann

Michael Brennecke las aus dem Klassiker „Die Pest“ von Albert Camus vor.

Achim - (as) · „Ich musste erst einmal überlegen, was überhaupt mein Lieblingsbuch ist“, verriet Rechtsanwalt Michael Brennecke. Er entschied sich für den Roman „Die Pest“ von Albert Camus, den er in der Jugend hätte durcharbeiten müssen und mittlerweile gerne lese. Der 51-Jährige stellte zusammen mit vier weiteren Achimer Juristen seine Lieblingslektüre auf dem roten Sofa im weihnachtlich geschmückten Lesecafé der Stadtbibliothek vor. Dort fand am bundesweiten Vorlesetag die vom Förderverein der Einrichtung mit unterstützte Veranstaltung „Achim liest“ statt.

In dem Klassiker, den Brennecke den Zuhörern nahe brachte, steht die vielfachen Tod und Schrecken verbreitende Seuche nicht als solche im Vordergrund, sondern eher, wie die betroffenen Personen in der nordafrikanischen Stadt Oran damit umgehen.

Imke Burmeister suchte hingegen ein Werk der großen deutschen Literatur aus. Der Roman „Krabat“ von Otfried Preußler habe sie bisher immer begleitet. „Ich las ihn als Heranwachsende, als junge Frau und jetzt vor kurzem erst wieder“, berichtete die 39-jährige Richterin am Achimer Amtsgericht. Das Buch lasse sich in kein Genre einordnen. Es sei weder ein reiner Fantasyroman noch ein Kindermärchen, meinte sie. Viele Sprösslinge würden nämlich nach dem Verschlingen der Lektüre nachts vor Angst aufwachen.

Anwalt Hans-Joachim Busch bekannte, dass er relativ wenig lese. Der Schriftsteller Hermann Ludwig Allmers habe ihn aber immer fasziniert. Der bereits 1902 verstorbene Autor wohnte ganz in der Nähe, nämlich in Rechtenfleth an der Weser. Busch rezitierte unter anderem das achtzeilige Gedicht „Feldeinsamkeit“, das zu Lebzeiten des Verfassers von dem Musiker Johannes Brahms vertont wurde.

Nach einer kurzen Pause begab sich Sabine Reinicke, Richterin und Direktorin des Achimer Amtsgerichts, auf das rote Sofa. „Wir lesen zu Hause alle sehr viel und gerne“, berichtete die 51-Jährige. Sie schmökere vor allem vor dem Einschlafen. Für die Veranstaltung hatte sie sich das Buch „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie ausgesucht. Der Roman handelt von zwei chinesischen Studenten, die zur kulturellen Umerziehung in ein Bergdorf müssen. Wie der Titel schon sagt, lernt das Duo eine entzückende kleine Schneiderin kennen, die ihnen zusammen mit einem Koffer voller Bücher das Leben rettet.

Eghard Teichmann verkündete, dass er den ganzen Tag juristische Urkunden vortrage und daher aus Gewohnheit vielleicht ein bisschen schnell vorlese. „Dann schreien Sie bitte gequält auf“, bat er sein Publikum. „Der beste Roman aller Zeiten“ von Oliver Maria Schmitt hatte sich der 61-jährige Rechtsanwalt ausgesucht. Der Autor ist ein ehemaliger Chefredakteur der Satirezeitschrift „Titanic“. „Die Lektüre ist völlig schräg und total durcheinander“, kommentierte Teichmann. Mit dem nicht zu hastig geratenen Vortrag ausgewählter Passagen voll satirischer Spitzen hatte er dann auch die Lacher auf seiner Seite.

Die fünf Akteure bewiesen dem dankbaren Auditorium, dass Juristen keineswegs immer staubtrockene Paragrafenreiter sein müssen. Dieter Meyer sorgte am Piano für musikalische Unterhaltung.

„Es wird diese Veranstaltung auf jeden Fall auch im nächsten Jahr geben“, versprach Rüdiger Dürr, Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek Achim. Allerdings wisse er noch nicht, welche Personengruppe dann auf dem roten Sofa Platz nehmen werde.

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