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Die Idee: Holtumer Regen füllt die Halse

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Von: Katrin Preuß

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Schön grün, aber eben leider auch trocken: der Bachlauf der Halse, wie er sich im Sommer oft präsentiert.
Schön grün, aber eben leider auch trocken: der Bachlauf der Halse, wie er sich im Sommer oft präsentiert. © Heinrich Kracke

Der Ausschuss für Finanzen und Klimaschutzausschuss der Stadt Verden beriet über einen Antrag der CDU, die Halse wieder fließen zu lassen. Die Idee, gereinigtes Abwasser und Regenwasser in die Halse statt in die Aller fließen zu lassen, ist aber nicht umsetzbar.

Verden – Klingt nicht gut: Arzneimittel, Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel, Biozide, Pflanzenschutzmittel, Bakterien, Keime und manches mehr hinterlassen buchstäblich ihre Spuren im Abwasser. Selbst nach intensiver Reinigung in der Verdener Kläranlage sind sie noch immer nachweisbar. Der Antrag der CDU-Fraktion, das hochgereinigte Abwasser und Regenwasser, zusammen pro Jahr rund 2,6 Millionen Kubikmeter, zur Wiedervernässung der Halse und zur Anhebung des Grundwasserstandes zu verwenden, ist somit vom Tisch.

Stimmt nach dem Ausschuss für Finanzen und Klimaschutz, der am Donnerstag darüber beriet, am 8. März auch der Stadtrat zu, werden Regen- und gereinigtes Abwasser weiterhin in die Aller fließen. Dort würden die sogenannten Spurenstoffe ausreichend vermischt und verdünnt, hatte es Silke Brünn, Leiterin des Fachdienstes Wasser, Abfall und Naturschutz beim Landkreis Verden, in einer Stellungnahme formuliert.

Brünn stimmte der CDU insoweit zu, dass die Frage der Wasserverteilung und der effizienten Wassernutzung (...) zukünftig eine immer größere Rolle spielen wird. Zum Einleiten in die Halse und zur Verregnung auf landwirtschaftlichen Flächen im Bereich Panzenberg sei dieses Wasser nicht geeignet. „Die Halse würde somit als Abwasserkanal dienen“, formulierte sie es drastisch. Auch das Grundwasser könnte infiltriert werden.

Darüber hinaus bezweifelte Brünn, dass es für eine Verregnung genügend Abnehmer in der Landwirtschaft gebe. In den Abwassern befänden sich auch Reste von Stickstoff und Phosphor. Zu wenig, um bei der Düngung wirklich eine Rolle zu spielen. Aber dennoch so viel, dass es in die Berechnungen der zulässigen Zufuhr berücksichtigt werden müsste.

Landkreis und NLWKN nehmen umfangreich Stellung

Angesichts dieser Gegenargumente hielt sich der Ausschuss für Finanzen und Klimaschutz am Donnerstagabend nicht lange mit dem Papier auf. Einstimmig folgte das Gremium der Beschlussvorlage, die sich auf die ausführliche Stellungnahme des Landkreises und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stützte.

Der Vorlage folgend, will die Stadt Verden das Ziel unterstützen, „durch eine verstärkte Versickerung den Grundwasserstand rund um das Trinkwasserschutzgebiet Panzenberg deutlich anzuheben“. Welche Möglichkeiten es dazu gibt, soll die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Landkreis Verden prüfen.

Die Stadt hatte in ihren schriftlichen Ausführungen schon einmal eine Alternative genannt. Hierzu müsste allerdings auch die Gemeinde Kirchlinteln ins Boot geholt werden.

Entwässerungsgraben führt Wasser über die Kreisgrenze

Oberhalb des Halselaufes bietet das Holtumer Moor eine etwa 600 Hektar große Senke. Hier gehen pro Jahr rund 4,2 Millionen Kubikmeter Regen runter. Ein Großteil davon wird durch einen Entwässerungsgraben abgeführt, der das Wasser nach Angaben eines ortskundigen Landwirts über die Grenze in den Kreis Rotenburg führt. „Aufgrund der voranschreitenden Trockenheit könnte der Landkreis Verden zusammen mit der Gemeinde Kirchlinteln prüfen, ob diese Entwässerung reduziert oder gar aufgegeben werden könnte“, so die Idee aus dem Verdener Rathaus.

Zur Umsetzung sei zwar ein wasserrechtliches Verfahren nötig. Alle ökologischen Anforderungen dürften jedoch durch eine solche Maßnahme vorbildlich erfüllt werden, formuliert es die Verwaltung optimistisch. So würde eine Wiedervernässung der Holtumer Moorflächen unter anderem den klimaschädlichen Methan-Ausstoß reduzieren.  

Von Katrin Preuß

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