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Die BA.5-Welle rollt durch den Kreis

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Von: Ronald Klee

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Blick die Meile mit den Volksfestbuden entlang. Dazwischen tummeln sich die Besucher.
Endlich wieder Volksfeste wie die Domweih in Verden. Da ist Abstandhalten nur eine theoretische Möglichkeit. © Klee

Verden – Festivals, Volksfeste und Reisen ohne Grenzen: Das fühlt sich an wie zu Zeiten, als es Corona noch nicht gab. Seinen Schrecken hat das Virus auch zu einem guten Teil verloren, spaßen sollte man damit aber nicht, empfiehlt Amtsärztin Jutta Dreyer. Die steigenden Inzidenzzahlen bilden das Geschehen zwar nicht mehr scharf ab, aber der Trend ist auch im Landkreis Verden eindeutig: Da rollt die nächste Corona-Welle an.

Einen detailgenauen Überblick über das Infektionsgeschehen hat die Amtsärztin nicht mehr. Der ist mit dem Wegfall der Pflicht zum PCR-Test verloren gegangen. Sie kann nur hoffen, dass wenn jemand einen positiven Schnelltest hat, er oder sie wie vorgeschrieben zu Hause bleibt. Die Aussagekraft der Inzidenzwerte des Robert Koch-Instituts sei deshalb nicht sehr groß, und die Dunkelziffer nicht gemeldeter Infektionen sicher hoch. Und so geben die derzeit steigenden Zahlen allenfalls einen Trend wieder, und der sei realistisch.

Abstandhalten sieht anders aus

Eigentlich hatten viele erwartet, dass die Zahlen im Sommer zurückgehen würden und wie im vergangenen Jahr die Pandemie eine gefühlte Pause macht. Dass das in diesem Jahr aber nicht so kommt, liegt vor allen an der hoch ansteckenden Virusvariante Omikron und deren offenbar noch ansteckenderen Subtyp BA.5. Der verbreite sich einfach rasend schnell. Und die Leute auf der Domweih oder auf Festivals machen es ihm nicht schwer. Abstandhalten jedenfalls sieht anders aus.

„Anfangs hatte man angenommen, dass die Infektionen im Sommer zurückgehen, weil das Virus die UV-Strahlung nicht verträgt“, bestätigte Dreyer. Als es dann in Brasilien bei sonnigem, heißem Wetter grassierte, sei diese Annahme schnell erschüttert worden. „Heute wissen wir, das hat sich nicht bestätigt“, erklärt die Amtsärztin.

Drei bis vier Erkältungen im Jahr

Diese „Sommerinzidenz“ sei also unterwegs, beschleunigt von den Eigenschaften des Omikron-Subtyps. „Da ist kein Muster zu erkennen. Es gibt keine isolierten Ausbrüche oder Hotspots“, sagt Jutta Dreyer. „Glücklicherweise sind die Symptome meist nicht schwerer als bei einer leichten Sommergrippe.“ Ein paar Tage leichte Beschwerden, so wie es jeder Erwachsene im Laufe eines Jahres drei- bis viermal bei Erkältungen erlebe.

Zumindest bei denen, die vollständig geimpft und geboostert sind, sei das so. Es gebe aber auch Fälle, bei denen die Infizierten über Übelkeit und Erbrechen klagen, weiß Dreyer. Auch gebe es Betroffene, bei denen die fünf vorgeschrieben Quarantäne-Tage nicht ausreichen. „Wir hatten eine Kita-Kraft, die 14 Tage nicht arbeiten konnte, weil sie Symptome hatte und ihre Tests immer positiv waren“, gibt Dreyer ein Beispiel. Größer sei die Gefahr immer bei gefährdeteren Gruppen, Schwerkranken oder Hochbetagten. Die müssten eben davor geschützt werden, dass sie sich angestecken.

Sie rät deshalb dazu, vorsichtig zu bleiben. „Man muss sich nicht verrückt machen lassen, aber das Risiko bleibt“, sagt Dreyer. „Wir hoffen, dass im Herbst nicht eine neue Variante auftritt und eine Welle wieder viele Leute krank macht.“ Der Expertenrat jedenfalls habe bereits seine Bedenken geäußert. In einem solchen Fall müsse man auch wieder damit rechnen, dass das Gesundheitssystem und Pflegeheime unter Druck geraten.

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