ifo-Chef Hans-Werner Sinn referierte in der Kreissparkasse über Folgen der Krise

„Der Frühling ist in der Wirtschaft angekommen“

Der Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, bei seinem Vortrag.

Verden - (koy) · „Wir haben die Rezession überwunden. Der Frühling ist in der Wirtschaft angekommen.“ Optimismus pur, sollte man meinen. Doch ifo-Chef Hans-Werner Sinn fand natürlich auch einige Haare in der „Krisen-Suppe“, als er auf Einladung der Kreissparkasse Verden über „Die Entwicklung der Weltwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Deutschland und Europa“ referierte.

Das eingeladene Publikum aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens fand es jedenfalls schlüssig, auch amüsant, vornehmlich aber informativ, was der Wirtschaftsforscher und anerkannte Fachmann da in eineinhalbstündiger freier Rede zum Besten gab. Die Wirtschaftskrise mit ihren „erschreckenden Ausmaßen“ fand naturgemäß ebenso Zugang in Sinns Ausführungen wie auch das amerikanische Immobiliendebakel: „Bankrettungs- und Konjunkturprogramme haben die Welt gerettet.“ Mit zusammen genommen 8,4 Billionen US-Dollar eine wahrhafte Kraftanstrengung.

So richtig auf dem amerikanischen Kontinent angekommen, versinnbildlichte der Referent förmlich die Auswirkungen der Krise. Der Rückgang der Sparquote in privaten US-Haushalten, das immer größer werdende Leistungsbilanzdefizit auf der anderen Seite des Atlantiks und schließlich die Übernahme des Staates nach dem fast 100-prozentigen Rückgang von Verbriefungfen der Immobilienkredite seien Bestandteile des „Systems der Verantwortungslosigkeit“. Folglich müsse der Dollar über Jahre hinweg schwach bleiben.

Die Deutschen hätten ein spiegelbildliches Geschäftsmodell. Der Rückgang des Exportes habe jegliche Dimension gesprengt. Sinn bezeichnete das als den falschen Weg. Dem Ausland Kredite zu geben, in der Hoffnung, dass deutsche Waren gekauft würden, habe zu einem Weltmeister des Verschenkens geführt. Anstelle Geld zu verleihen, sollten lieber in Deutschland Maschinen aufgestellt werden. Hierzulande werde einfach zu wenig investiert, fand der ifo-Chef.

Die von seinem Institut jetzt herausgegebenen Konjunkturdaten bezeichnete Sinn als Durchbruch. Die Lage in der Wirtschaft werde heute wieder besser eingeschätzt als vor dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center im September 2001. Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeige sich robust und die Inflationsgefahr bezeichnete Sinn als weit entfernt. Eine Unterauslastung der Kapazitäten werde vielmehr zu einem weiteren Fallen der Preise führen.

Dafür seien die Staatsschulden in der EU für den Rest des Jahrzehnts das bestimmende Element. Wenn den Griechen jetzt nicht geholfen würde, wären sie pleite. Nur, über das Wie gebe es unterschiedliche Ansichten. Entweder sie würden dauerhaft finanziert, oder die Griechen werteten den Euro ab oder aber sie träten aus dem Euro-Raum und führten die Drachme wieder ein. Domino-Effekte könnten die Folge sein, sagte Sinn. Alle drei Szenarien bedeuteten ein Fiasko. „Ich bin aber strikt dagegen, den Griechen in dieser Situation Geld zu geben“, sagte der Redner zum Abschluss, „dann können wir den Laden dicht machen.“

Herzlicher Beifall der Zuhörer signalisierte dem Experten, dass er den richtigen Nerv des Publikums getroffen hatte.

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