Mit Michael Hassenpflug tritt am Sonntag ein bemerkenswerter Geistlicher in den Ruhestand

„Dem Volk aufs Maul schauen“

Der Theologe und Techniker Michael Hassenpflug vor dem Gotteshaus, in dem er predigte, an dessen Glocken- und Dachsanierung er maßgeblich beteiligt war.

Achim - Von Manfred Brodt · Mit einem besonderen Gottesdienst am Sonntag in der St. Laurentius-Kirche um 17 Uhr und einem Empfang im Gemeindehaus ab 18 Uhr verabschiedet die evangelische Kirchengemeinde Pastor Michael Hassenpflug nach 18 Achimer Jahren in den Ruhestand und dankt damit einem bemerkenswerten Geistlichen.

In Harare, im damaligen Rhodesien und heutigen Zimbabwe, war er 1945 auf die Welt gekommen, nachdem der Papa als Pastor der Bodelschwinghschen Anstalten vor Hitlers Schergen mit dem Missionsschiff nach Afrika und Südwestafrika geflohen war. In Südafrika war er später als Missionar tätig und kehrte mit Familie nach Deutschland zurück, als Michael 13 war. Der sollte dann bald eine Lehre als Flugzeugbauer absolvieren, eine Ausbildung als Kraftfahrzeugschlosser anschließen und danach als Ingenieurassistent und diensthabender Ingenieur auf Kühlschiffen mit Obst auf hoher See weltweit unterwegs sein. Michael Hassenpflug war absoluter Experte für die Kühlung der anfälligen Schiffe und wechselte so von Schiff zu Schiff.

Auf ein ganz anderes Schiff, das der Theologie, begab er sich später und studierte sie an der Theologischen Akademie in Hermannsburg bei Celle. Persönlichkeiten wie Pastor Albertz und Bischof Scharf hatten den Pastorensohn zur Kirche geführt. Es folgten das Vikariat in Bad Bevensen und die erste Pfarrstelle in Sögel im Emsland, bevor der Pastor 1991 den Hafen Achim ansteuerte. Hier war er zehn Jahre für den Norden und dann für die Mitte zuständig. Michael Hassenpflug war als Pastor immer im Dienst, verstand sich sehr als Seelsorger, besonders auch bei Beerdigungen, wenn die Menschen besonders Zuspruch brauchen. Er war Notfallseelsorger und hat oft genug Traumatisierte nach Selbstmorden oder schlimmen Unfällen aufgesucht. Aber auch freudige Ereignisse wie Trauungen hat er gerne zelebriert.

Hocherfreulich und zugleich tieftraurig war für ihn als Geschäftsführer das Kapitel Diakoniestation, die er zunächst aus der Abhängigkeit von der Stadt Achim und entgegen allen Unkenrufen ins Plus geführt hatte, die später aber wieder dem Kirchenkreis Verden und „unnötig großer Bürokratie“ einverleibt worden sei.

„Weiß vor Zorn“ kann er auch werden, wenn er sieht, wie die Kirche Land an Windkraftbetreiber verkauft und verpachtet und denen die Gewinne aus der Energieerzeugung überlässt anstatt sie selbst zu machen und in die eigene Arbeit zu stecken.

Ein Höhepunkt seines Berufslebens war dagegen die Sanierung der zwei Achimer Kirchenglocken und des Glockenturms. Der Techniker und Theologe Hassenpflug hatte dem Kirchenvorstand vorgerechnet, dass das rund 60 000 Euro kosten würde und so bald nicht zu machen wäre. Innerhalb von zwei Monaten flossen dann aber die Spendengelder mit unglaublicher Geschwindigkeit, und die Glocken konnten sofort repariert werden. Mit Glücksgefühlen verbunden waren für ihn auch Achims Beitrag zum Kirchentag und das Nachtcafé, das er leitete.

Dass Achim nicht das Emsland ist, hat Pastor Hassenpflug erfahren müssen. Als er in Achim einmal im Weihnachtsgottesdienst Feiertagschristen auch schöne Ostern, frohe Pfingsten und ein gesegnetes Erntefest gewünscht hatte, gab es böses Blut. Im Emsland hatte es Unruhe gegeben, als er das mal vergessen hatte.

Michael Hassenpflug hat mit Ehefrau Ilse und den Kindern Martin und Maike eine spannende berufliche Zeit in Achim erlebt. Wenn er ein neues behindertengerechtes Zuhause gefunden hat, will er das Leben ohne Stress und mit Sport genießen, sich bei der Achimer Tafel engagieren, in Ausnahmefällen Kollegen vertreten, technische Höchstleistungen beobachten und viel lesen. Zur Zeit studiert er Luthers Schriften, dessen Empfehlung, dem Volk aufs Maul zu schauen, hochaktuell für die Kirche sei. Dem kritischen Geist ist seine Kirche zu defensiv, die um Mitglieder und Spenden kämpfen solle statt Gemeindehäuser aus Kostengründen zu schließen.

Pastor Hassenpflug bleibt eben Optimist: „Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Freimarkt 2019 - Bilder vom Auftakt am Freitag

Freimarkt 2019 - Bilder vom Auftakt am Freitag

Katalonien-Konflikt: Krisensitzung nach fünfter Krawallnacht

Katalonien-Konflikt: Krisensitzung nach fünfter Krawallnacht

Theater-Premiere in Wensebrock: „Meine Frau, die Wechseljahre und ich“

Theater-Premiere in Wensebrock: „Meine Frau, die Wechseljahre und ich“

Freimarkt 2019 - Bilder vom Auftakt am Freitag

Freimarkt 2019 - Bilder vom Auftakt am Freitag

Meistgelesene Artikel

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Wurst darf jetzt in die Tupperdose

Gewitterschauer über Verden: Ortsfeuerwehren rücken zu mehreren Einsätzen aus

Gewitterschauer über Verden: Ortsfeuerwehren rücken zu mehreren Einsätzen aus

Feuerwehr befreit Mann mit schweren Verletzungen aus seinem Bulli

Feuerwehr befreit Mann mit schweren Verletzungen aus seinem Bulli

Fachgeschäft Leder Meyer schließt am 23. Dezember

Fachgeschäft Leder Meyer schließt am 23. Dezember

Kommentare