Großes VAZ-Interview anlässlich der Verabschiedung von Kreissparkassenchef Klaus Brandes

„Das ist mein Traumberuf“

Nahm sich viel Zeit für das Interview mit unserer Zeitung: KSK-Vorstandsvorsitzender Klaus Brandes (rechts) im Gespräch mit dem Redaktionsleiter der Verdener Aller-Zeitung, Volkmar Koy.

Verden - (koy) · Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Verden verlässt die Kommandobrücke. Heute wird Klaus Brandes im Rahmen eines Festaktes in der Hauptstelle in Verden in den Ruhestand verabschiedet. In einem ausführlichen Exklusiv-Interview stellte sich der 62-Jährige den Fragen unserer Zeitung.

?Über 24 Jahre Vorstandschef der KSK – was war der absolute Höhepunkt, was die größte Enttäuschung.

!24-einhalb Jahre lassen sich nicht auf einen absoluten Höhepunkt oder eine größte Enttäuschung reduzieren. Derartige Superlative hat es so auch nicht gegeben. Ich bin aber stolz darauf, dass sich die KSK Verden in diesen Jahren kontinuierlich positiv entwickelt hat und jetzt eine hervorragende Position unter den niedersächsischen Sparkassen ?einnimmt.

?Anders gefragt, was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders positiv in Erinnerung geblieben.

!Die großen Veranstaltungsreihen Herbstkunsttage, Literatur vor Ort, Niedersächsische Musiktage, die Gründung der Stiftung der Kreissparkasse Verden, der Leistungswettbewerb Formel Z für Jugendliche auf dem Gebiet der angewandten Physik, der Bau unserer schönen Hauptstelle, der Walking Man des weltberühmten Künstlers Jonathan Borofsky, unser 175-jähriges Jubiläumsjahr.

?Banker gelten im Volksmund als Abzocker, als Auslöser der Finanzmarktkrise. Fühlen Sie sich mitverantwortlich, war die KSK Verden betroffen.

!Die Finanzmarktkrise hat in der Tat zu einer völlig neuen Wahrnehmung von „Bankern“ geführt. Völlig ungerechtfertigt ist aber eine undifferenzierte Beurteilung und Klassifizierung von „Bankern“. Die Sparkassen haben mit ihrem funktionierenden Geschäftsmodell – übrigens ebenso wie die Volksbanken  – nicht zu der Finanzmarktkrise beigetragen. Wir verwenden die Einlagen der Kunden in erster Linie für die Vergabe von Wohnungsbaukrediten in unserer Region und für die Vergabe von Geschäftskrediten an heimische mittelständische Unternehmen.

Auslöser und verantwortlich für die Finanzmarktkrise waren nationale und internationale Großbanken, Finanzkonglomerate und deren Manager, die nach dem Motto „Gier frisst Verstand“ vorgegangen sind und Geschäfte betrieben haben, die sie überhaupt nicht verstanden haben. Mitverantwortlich fühle ich mich für deren Handlungen natürlich nicht. Die KSK Verden hat die Finanzmarktkrise ohne Abschreibungen im Wertpapiergeschäft überstanden. Engagements in so genannten strukturierten (toxischen) Portfolien des Kreditersatzgeschäfts wie zum Beispiel „credit default swaps“ oder „asset backed securities“ hatten wir zu keiner Zeit.

?Wird es die Kreissparkasse noch in 100 Jahren geben.

!Die Kreissparkasse Verden gibt es seit über 175 Jahren. Das Geschäftsmodell ist so aktuell wie eh und je und funktioniert zum Wohle der Bevölkerung des Landkreises Verden und der Kunden der Sparkasse hervorragend. Wenn es die regionalen Sparkassen in kommunaler Verantwortung nicht schon gäbe, müsste man sie schleunigst erfinden. Das Geschäftsmodell Sparkasse wird es auch in 100 Jahren noch geben.

?Ein Meilenstein Ihrer Arbeit ist die Gründung der Stiftung. Ein Geniestreich oder eher ein Beschluss am rechten Ort zur rechten Zeit.

!Die Gründung der Stiftung der KSK Verden war vor rund 15 Jahren von langer Hand vorbereitet und keine plötzliche Eingebung. Ich bin froh und glücklich, dass sich die Stiftung inzwischen einer großen Anerkennung erfreut und ihre positiven Wirkungen Jahr für Jahr durch Fördermaßnahmen entfalten kann. Übrigens, diese Stiftung wird es auch noch in 100 Jahren geben.

?Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Direktor der Sparkasse geworden wären? Wirklich alles richtig gemacht.

!Ich bin nicht fehlerlos, aber ich glaube, dass ich überwiegend alles richtig gemacht habe. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse – das ist mein Traumberuf. Alternativ hätte ich wohl eine Führungsposition bei einer anderen Bank eingenommen oder wäre Rechtsanwalt geworden.

?Kultur war sicherlich ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit. Wird sie auch in Zukunft bezahlbar und leistbar im Rahmen der KSK-Aktivitäten bleiben.

!Kultur war ein – angenehmer – Nebenaspekt meiner Arbeit in der Sparkasse. Auch um Kultur unabhängig vom Tagesgeschehen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Sparkasse kontinuierlich fördern zu können, wollen wir die Stiftung der Kreissparkasse Verden mit Kapitalzuführungen noch stärker, leistungsfähiger und zukunftsfähig weit über unsere Tage hinaus aufstellen.

?Literatur vor Ort fand großen Anklang. Wer war Ihr persönlicher Favorit und warum.

!Die Veranstaltungsreihe „Literatur vor Ort“ war genauso wie die jährliche große Kunstausstellung im Rahmen der „Herbstkunsttage“ von Anfang an ein grandioser Erfolg. Herausragende Schriftsteller hatten wir viele (Martin Walser, Ephraim Kishon, Cornelia Funke). Mein persönlicher Favorit war aber Hape Kerkeling, weil ich ihn für Deutschlands besten Comedian halte und weil er den Beginn einer Serie von Schriftstellern mit ernsten, aber auch heiteren, spaßigen Themen bildete (Axel Hacke, Dieter Hildebrandt mit Roger Willemsen, Eckart von Hirschhausen, Manfred Lütz).

?Ist Stress für Sie ein Schimpfwort oder ein täglicher Begleiter.

!Mein beruflicher Alltag war zwar ständig mit einer hohen Arbeitsbelastung verbunden, den ich aber nie als negativen Stress empfunden habe.

?Sie sind Golfspieler. Was ist Ihr größtes Handicap – beruflich und auf dem Platz.

!Zu großer Ehrgeiz und Ungeduld.

?Ruhestand – macht Ihnen der Begriff Angst.

!Eine gewisse Unsicherheit verspüre ich schon, aber ich freue mich auch darauf.

?Gibt es irgendetwas, was Sie sich für Ihre KSK gerne noch erfüllt hätten, aber nun nicht mehr konnten.

!Ein wohl unerfüllbarer Wunsch wäre, die überbordende Bürokratie, Regulierungswut und Gesetzesflut, die in unvorstellbarem Umfang und zunehmender Geschwindigkeit die Sparkasse erreicht, auf ein pragmatisches, notwendiges Maß zu begrenzen.

?Wird es den Klaus Brandes weiterhin in Verden geben, wird er sich noch einen Traum erfüllen oder ist er wunschlos glücklich.

!Mein Lebensmittelpunkt wird selbstverständlich in Verden bleiben. Ich träume eher selten, dafür bin ich zu sehr Realist. Insgesamt bin ich dankbar für das, was ich privat und beruflich erreicht habe.

▪ Ungeduld das

▪ größte Handicap

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