Fürs Schnitzen braucht Roland Clauß aus Stedorf gute Laune / Seine Fachwerk-Inschriften zieren Häuser in der Gegend

„Da darf man nicht grantig rangehen“

Auch Figuren schnitzt der im Erzgebirge geborene Roland Clauß.

Stedorf - (rei) · „Der Herr segne dieses Haus und alle die da gehen ein und aus“, steht über dem Türrahmen des Fachwerkgebäudes. Solche Inschriften haben eine lange Tradition. Roland Clauß (72), Förster im Ruhestand, hilft dabei, dass diese Tradition nicht ausstirbt.

Mit Schnitzmesser und Klüpfel ausgestattet, hat sich der handwerklich begabte Stedorfer schon so manchen Eichenbalken vorgenommen. Buchstaben für Buchstaben schlägt er aus dem Holz, das dann später den Eingangsbereich eines schmucken Fachwerkhauses ziert. Dazu, je nach Wunsch des Besitzers, kommen Sonnensymbole, Kleeblätter oder Blumenranken. Viele wünschen sich einen traditionellen Hausspruch, gerne auch in plattdeutscher Sprache. „Ich mache da auch schon mal Vorschläge, wenn jemand sich nicht entscheiden kann.“ Auch steht oft der Name der Hausbesitzer über dem Türrahmen. „Bei Unverheirateten lasse ich noch etwas Platz“, schmunzelt Clauß. Falls die Auftraggeber jemanden kennen lernen...

Die von Clauß gefertigten Inschriften sind in Verden, Holtebüttel, Dörverden, Eystrup, Hassel oder Wohlendorf zu sehen. „Ich hab das nie beruflich gemacht, sondern nur, wenn mich jemand darum gebeten hat“, so Clauß. Aber seinen Meister im Schnitzen hat er erworben: Schon als kleiner Junge im Erzgebirge, wo die Handwerkskunst große Tradition hat, konnte er von Holz und Messer nicht die Finger lassen. „Jede Woche ging es zur Schnitzstunde.“

Viele Dörverdener kennen Roland Clauß zum Beispiel vom Weihnachtsmarkt, wo er seine kleineren Schnitzereien, Krippenfiguren und ähnliches, verkauft. Er verarbeitet Holz von Kiefer oder Eiche. Das Material von der Hainbuche sei besonders hart, berichtet er, deswegen gut für Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Frühstücksbretter. Den angenehmsten Geruch, findet der Holzexperte, hat die Linde.

Die kleineren Figuren schnitzt der Senior im Sitzen, für die Schrift-Arbeiten muss er aufrecht stehen, während die Balken aufgebockt sind. Das ist natürlich etwas anstrengend. „Ich hab da auch nicht immer Lust zu“, gibt der Schnitzer lachend zu. Und weil die Arbeiten so aufwändig sind, sollte man sie gut gelaunt verrichten. „Da darf man nicht grantig rangehen, sonst wird das nix.“

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