Tipps für bewusstere Lebensweise

Jens und Jana Hilger betreiben Blog „Vertrauensfabrik“

Den Globus im Fokus: Um den Planeten Erde und den ökologischen Fußabdruck der Menschen machen sich die Hilgers, von links: Jana, Kian (8), Jens und Neah (3), viele Gedanken. Daraus entstand ein Blog, den Kian mit Interviews auf YouTube ergänzt. Foto: Duncan
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Den Globus im Fokus: Um den Planeten Erde und den ökologischen Fußabdruck der Menschen machen sich die Hilgers, von links: Jana, Kian (8), Jens und Neah (3), viele Gedanken. Daraus entstand ein Blog, den Kian mit Interviews auf YouTube ergänzt.

Langwedel - Von Lisa Duncan. Ist es möglich, nachhaltig zu leben und den Menschen dabei nicht zu vergessen? Diese Frage stellten sich Jens und Jana Hilger aus Langwedel irgendwann. Besonders mit der Geburt ihres Sohnes Kian, der heute acht Jahre alt ist, begannen sie, sich Gedanken zu machen, welche Welt sie ihren Kindern hinterlassen würden. Das brachte einen Veränderungsprozess in Gang, den sie mit anderen teilen wollten.

Früher musste jedes Jahr ein neues Handy her, manches tadellose Kleidungsstück hing ungenutzt im Schrank. „’Haben ist besser als brauchen’, war unser unausgesprochenes Motto“, erzählt Jana Hilger. Nun rettet sie per Food-Sharing Lebensmittel vor der Mülltonne und kauft fast ihre ganze Kleidung aus zweiter Hand. Die Familie ernährt sich vegetarisch, stellt Reinigungsmittel selbst her und unternimmt gemeinsame Müllsammelaktionen. In ihrer Freizeit betreiben die Hilgers den Blog „Vertrauensfabrik“, mit dem sie aufklären und zum Nachdenken anregen wollen. Sohn Kian richtet auf YouTube Fragen an Erwachsene, die sich verändert haben, um nachhaltiger zu leben. Beispielsweise ein ehemaliger Fleischer, der nun vegan isst.

Aber von vorn: Jens Hilger, der im Verkauf einer Maschinenbaufirma tätig ist, ärgerte sich oft über Lieferverzug und falsche Zusagen von Herstellern. So entstand die Idee, ein Ampelsystem zu erstellen, das Vertrauen für Käufer und Hersteller schafft, die „Vertrauensfabrik“. Für seine Frau Jana stellte sich eher die Frage: Welchen Herstellern kann ich als Endkonsument vertrauen?

Um sich näher zu informieren, besuchten sie unter anderem einen Vortrag von Greenpeace. Dabei fiel ihnen auf, dass dort letztlich keiner im Publikum saß, der noch überzeugt werden musste. Eine eingeschworene Szene. „Man darf sich nicht zu weit von den Menschen entfernen“, sagt Jens Hilger. Besser sei es, die Barriere zwischen dem durchschnittlichen Wurstesser und dem „Öko“ abzubauen. Vielleicht reichte es, wenn sich jeder zwei oder drei Punkte im Leben raus griff, die er verändern wollte.

Für Jana Hilger ist Ernährung ein großes Thema. „Ich komme von einem Bauernhof. Da gab es viele Situationen, die ich als Kind erleben musste, die mir aber nie was ausgemacht haben“, erzählt sie. Als sie sich später auf YouTube Videos von Tierhaltung und Schlachtung anschaute, habe sie sich an das Leid und den Schmerz der Tiere erinnert. Seitdem ernährt sie sich vegan. „Aber jeder Mensch hat unterschiedliche Anknüpfungspunkte“, sagt die gelernte Reiseverkehrskauffrau, die nach drei Monaten Corona-Pause nun wieder angefangen hat, im Reisebüro zu arbeiten.

Jens Hilger will Zahlen für sich sprechen lassen. „Die haben mich am Ende auch überzeugt.“ So entstanden illustrierte Erklärvideos zu den Themen „Mensch“, „Umwelt“ und „Geschäftsleben“. Dazu schreibt Jana Hilger Tipps für das Alltagsleben. Daraus stellte sie den „Kleinen Weltretterfahrplan“ zusammen, der 25 verschiedene Aspekte von Müllvermeidung bis Ernährung enthält.

Als hundertprozentig ökologisch sehen sich die Hilgers aber nicht. „Mir fällt es immer noch schwer, beim Einkaufen zu unterscheiden: Was brauche ich wirklich und was will ich einfach nur haben?“, sagt Jana Hilger. Zudem gebe es Grenzen: Die Arbeitsstelle im Reisebüro würde sie nicht aus Sorge um den Klimawandel aufgeben. Lieber berät sie Kunden bei Interesse zu nachhaltigen Reisen und Möglichkeiten, für Klimaschutzprojekte zu spenden. Auch Ehemann Jens Hilger ist beruflich viel unterwegs, aber er hat das Autofahren reduziert und kauft weniger „elektronischen Krimskrams“. Statt sich alle zwei Jahre etwas Neues zu leisten, setzt er auf langlebige Produkte. „Qualität ist natürlich oft teurer“, fügt er hinzu.

Ist ein nachhaltiger Lebensstil auch etwas für Hartz-IV-Empfänger? Ja, finden die Hilgers. „Saisonal kaufen und selber machen ist oft günstiger als Fertigprodukte“, sagt Jana Hilger, und gibt ein Beispiel: Sie kocht gern frisch, zum Beispiel macht sie Hummus (Kichererbsenmus) nach eigenem Rezept. „Für manche gehört Wurst vielleicht zur Normalität“, ergänzt Jens Hilger. Das könne sich ändern – wenn auch nicht von einem Tag auf den anderen. „Da muss man reinwachsen“, sagt Jens Hilger und schildert, wie er selbst seine Ernährungsgewohnheiten umstellte. „Es geht uns nicht darum, zu verzichten, sondern bewusster zu leben.“ Ein Teil dessen sei es, die „unschönen Methoden“ der Verkaufspsychologie aufzudecken. „Ja, es braucht Wachstum, aber nicht bis ins Letzte“, ist Jens Hilger überzeugt.

Weitere Infos

www.vertrauensfabrik.de

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