Im Center in Dörverden

Ein Wolf biss zu: Mädchen bleiben zwei Narben

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Im Wolfcenter in Dörverden-Barme ist ein zweieinhalbjähriges Mädchen aus Achim von einem Wolf gebissen worden.

Dörverden - Einen Ortstermin am Wolfsgehege führte gestern Mittag das Amtsgericht Verden in Dörverden durch. Es ging dabei um die Schmerzensgeldforderungen für ein Mädchen aus Achim, das im Mai 2015 im Wolfcenter von einem Wolf gebissen worden war.

Die Eltern der damals Zweieinhalbjährigen forderten 1800 Euro Schmerzensgeld, was der Haftpflichtversicherer des Wolfcenters jedoch abgelehnt hatte. Ob ein Anspruch besteht, sollte das Gericht entscheiden. Vater, Tochter und weitere Familienmitglieder hatten von einer der Aussichtsplattformen die Wölfe beobachtet. Beim Heruntergehen nahm der Vater die Hand seiner kleinen Tochter. Unten angekommen, lief die Lütte los und kletterte durch Seile, mit denen ein direktes Herantreten an die dahinter befindlichen Gitter verhindert werden sollte. Der Vater rief das Mädchen, das sich daraus einen Spaß zu machen schien und mit dem Rücken an die Gitterstäbe lehnte.

Laut dem Vater packte einer der Wölfe die damals Zweieinhalbjährige am Jackenärmel und zog ihren Arm durch die Gitterstäbe. „Das war ein Alptraum“, so der Mann bei dem Ortstermin. Sein Bruder habe es geschafft, den Wolf zu vertreiben. Das Mädchen erlitt eine Bisswunde. Diese wurde in einer Klinik genäht, wo sich das Mädchen fünf Tage in stationärer Behandlung befand. Geblieben sind zwei Narben, aber die Tochter rede noch nahezu täglich von dem Vorfall. Mittlerweile seien sie noch einmal mit ihr im Wolfcenter gewesen, wo die Kleine den Wolf ordentlich ausgeschimpft habe.

Kay Müffelmann, Rechtsanwalt der Eltern, sah in dem Vorfall eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, denn die locker gespannten Seile seien aus Kindersicht nicht als Absperrung erkennbar gewesen. Der Haftpflichtversicherer sah das anders und lehnte eine Schmerzensgeldzahlung ab. Unabhängig davon hatte das Wolfcenter umgehend auf den Vorfall reagiert, wie Frank Faß bei dem Ortstermin berichtete. Die Seile wurden gegen Drähte ausgetauscht und die Abstände zwischen den einzelnen Drähten verringert, wodurch ein Durchklettern nicht mehr so einfach möglich ist.

Die Elektrozäune im Inneren des Geheges haben nicht die Funktion, die Wölfe vom Gitter abzuhalten, sondern ein Überklettern zu verhindern, erklärte Faß. Außerdem seien die Abstände der Gitterstäbe so eng, dass dort der Fang des Wolfes nicht hindurch passe.

„Das Gesetz schreibt Güteverhandlungen vor“, gab Amtsgerichtsdirektor Dr. Jobst Kohmüller als zuständiger Richter zu bedenken. Gespräche in diese Richtung zwischen den Parteien waren bislang gescheitert, doch im direkten Anschluss an den Ortstermin gingen beide Seiten aufeinander zu und einigten sich anschließend auf 1000 Euro Schmerzensgeld für das Mädchen. Der Wolf erwies sich damit als relativ leichter Fall für die Justiz, die mit deutlich gefährlicheren Zweibeinern oft genug zu tun hat.

wb

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