Info-Abend zur Kasernennutzung / Rat weist Vetternwirtschaft von sich

Bürger diskutieren Reizthema emotional und meistens fair

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Wie soll es auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände weitergehen? Mehr als 200 Bürger wollten es ganz genau wissen.

Dörverden - „Bitte lauter“ schallte es am Donnerstagabend schon bei der Begrüßung der mehr als 200 Bürger durch die Mensa der Oberschule Dörverden. Dorthin hatte die Gemeinde im Vorfeld zur Bauleitplanung für die gewerbliche Entwicklung der ehemaligen Niedersachsenkaserne zu einer Infoveranstaltung mit den Fachleuten Bauleitplaner Dipl. Ing. Nils Funke, Dirk Herzig und Pit Breitmoser (TÜV Nord) und Holger Babekuhl-Strick (Gewerbeaufsichtsamt) eingeladen.

Das Reizthema der gewerblichen Nachnutzung des Kasernenareals und die mögliche Ansiedlung eines Steinbrechers in der Gemeinde Dörverden bewegt die Gemüter und so war es zuweilen schwierig, das anfangs festgelegte Fairnessgebot durchzusetzen. Dem komplett anwesenden Gemeinderat und Bürgermeisterin Karin Meyer wurden im Verlaufe der Debatte „Ignoranz“, „Vetternwirtschaft“ oder „Luschigkeit“ im Umgang mit Bürgernöten vorgeworfen. Einige mutmaßten sogar, dass der Entscheidungsprozess für die Firma Wiebe „maßgeschneidert“ sei.

Teils emotional, im Großen und Ganzen aber dennoch fair, untermauerten die Bürger ihre Bedenken, dass mit der Umwandlung des Areals und dem möglichen Betrieb einer Steinbrecheranlage der ohnehin schon belastende Lärm durch das hohe Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße weiter zunehmen wird. Große Nachteile werden auch für den Betrieb und die Fortentwicklung des Wolfcenters befürchtet. „Die Werte werden eingehalten“, so die Schallschutzprognose des TÜV-Nord. Ein Barmer Bürger gab zu bedenken, dass diese Werte Durchschnittswerte seien und dass in Spitzenzeiten mit einer erheblichen Lärm- und Staubbelästigung zu rechnen wäre.

Die Bedenken, dass sich das Verkehrsaufkommen auf bis zu 3000 Lkw pro Tag erhöhen könnte, wurden als völlig unrealistisch bezeichnet. Die Materialanlieferung sei über das Gleis geplant und für den Abtransport der aufbereiteten Produkte sei stündlich mit rund sechs Lkw zu rechnen.

Einige wenige Anwesende konnten die ganze Aufregung um Lärm, Staub und Verkehr nicht nachvollziehen. „Wir wollen, dass die Gemeinde vorankommt. Jetzt kriegen wir eine Chance und schon wird wieder dagegen argumentiert.“ Beeinträchtigungen seien schon mal drin.

Diese Aussagen riefen wiederum heftigen Widerstand hervor. „Wo wohnen Sie? In Westen?“, ärgerte sich ein direkt Betroffener etwas lauter.

In der Folge wurden die Fachleute von Fragen geradezu torpediert. Besonders die nach Zufahrtsalternativen für den Schwerlastverkehr interessierte brennend. Hinsichtlich des Wolfcenters brachte Betreiber Frank Fass den Vorschlag vor, das infrage kommende Areal zu erwerben. „Das ist leider nicht möglich“, so die Bürgermeisterin, die diesbezüglich auf die Gesetzeslage hinsichtlich der EU-Förderung für das Gleis verwies.

Die Bürgermeisterin und die Ratsmitglieder zeigten Verständnis für die Bürgerbedenken, sie wehrten sich indes gegen den Vorwurf, in ihren Entscheidungsfindung gemäß der Wünsche der Firma Wiebe zu agieren. Dessen Bedeutung als Ankerinvestor sei zwar unbestritten, nehme aber mit Sicherheit keinerlei Einfluss auf das kommende Procedere. Funke: „Machen Sie sich bitte bewusst, das Dörverden kein gewerblich exponierter Standort ist.“

Zum Ende der dreistündigen Versammlung bekräftigte Meyer, dass eine für alle Seiten zufrieden stellende Lösung gefunden werden soll und die Gemeinde die Belastung für die Anwohner gering halten wolle. · nie

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