Info-Veranstaltung zur geplanten Erdgas-Bohrung / Rott: „Am besten gar nicht, ansonsten werden wir kritisch begleiten“

Bürger bringen ihre Sorgen zum Ausdruck

Zahlreiche Bürger aus Intschede und Umgebung verfolgen den Vortrag der RWE Dea. ·
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Zahlreiche Bürger aus Intschede und Umgebung verfolgen den Vortrag der RWE Dea. ·

Thedinghausen - INTSCHEDE · Das Interesse war riesig. 300 Stühle waren in der Sporthalle der Gemeinschaftssportanlage aufgestellt, und die meisten waren besetzt. Vor allem Einwohner aus Intschede und Reer waren es, die am Dienstagabend zur Informationsversammlung der Gemeinde Blender kamen, aber auch Bürger aus den umliegenden Ortschaften und Vertreter von Bürgerinitiativen angrenzender Orte und Landkreise. Thema: die geplante Erdgas-Probebohrung in Intschede.

Mit mehreren Experten war die RWE Dea erschienen und versuchte mit Power-Point-Vortrag und kurzem Film zu erklären, wie ungefährlich und mit wenig Unannehmlichkeiten die Bohrung verlaufen würde. Dafür hatten die Fachleute eine Stunde lang Zeit, verfügte Moderator und Bürgermeister Axel Rott, denn dann sollte der Fragenkatalog Punkt für Punkt abgearbeitet werden, den Intscheder Bürger um Ute Mory, Charlotte Voigt und Hinrich Osmers erstellt hatten – Fragen, die die Sorgen der Bürger zum Ausdruck brachten.

Diplom-Ingenieur Heiko Oppermann, Leiter Projektmanagement Exploration der RWE Dea, kam schnell auf den Ablauf des Projektes zu sprechen: „Momentan befinden wir uns in der Planungs- und Informationsphase, dem die Genehmigungsphase folgt.“ Dann stehen Detailplanung und Beschaffungsphase an. Wird alles genehmigt, kann im dritten Halbjahr 2014 mit dem Bau des 100 mal 200 Meter großen Bohrplatzes begonnen werden, im vierten Quartal mit der Bohrung. Die soll rund ein halbes Jahr lang dauern. „Werden wir nicht fündig, füllen wir das Bohrloch und rekultivieren das Gelände“, versprach der Referent. Wird das Unternehmen dagegen fündig, schließe sich eine ein- bis zweimonatige Test- und Untersuchungsphase an. Grundsätzlich: „Wir hoffen, dort unten in 5 000 Meter Tiefe Erdgas zu finden.“ Leitgedanke der Firma: so wenig wie möglich in Landschaft, Lebensqualität und Umwelt einzugreifen. „Deshalb machen wir eine freiwillige Umweltverträglichkeitsstudie“, kündigte Oppermann an.

War der Platz an der Goselake recht früh aus dem Rennen, scheidet wohl auch die Daverdener Marsch aus: „Dort haben wir großen Aufwand wegen der Überschwemmungsgefahr“, so der Ingenieur. Also bleibt der Platz hinter dem Deich am Osterfeldweg übrig. „Das ist 400 Meter von der nächsten Bebauung entfernt, und für die Zufahrt haben wir mehrere Möglichkeiten.“

Bis zu dem Zeitpunkt hörten die Besucher zu. Doch als Oppermann auf Lärm, Licht und Vibrationen zu sprechen kam, war es vorbei mit der Ruhe. „Wann erledigen Sie die Rammarbeiten?“, wollte ein Anwohner wissen. „Nur tagsüber. Es dauert ein bis zwei Tage, und die Erschütterungen sind nicht zu spüren“, antwortete der Referent. Dann die Frage einer Nachbarin: „Ist ein Leben vor und nach der Bohrung dort noch möglich?“ – „Sie können versichert sein: Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Richtlinien werden eingehalten, denn wir wollen eine vernünftige Nachbarschaft“, sagte Oppermann. Dazu gehöre es auch, bei Bedarf Lärmschutzwände zu errichten und die „Lichteinwirkung zu minimieren“.

Ob Schutz von Grundwasser, der Umwelt oder Anwohner, ob Reinigung und Abtransport von Lagerstättenwasser oder ob Abfackeln von Gas – die RWE wurde nicht müde zu betonen, dass die Bürger informiert und die Gesetze eingehalten werden.

Doch die Bürger fragten intensiv nach und wiesen auf Widersprüche hin. So manches Mal gerieten die Fachleute in Erklärungsnot. Beispielsweise bei der Frage

Fracking bleibt das

große Reizthema

„Warum soll Intschede dafür sorgen, dass die RWE ihren Gewinn erhöht?“ „Das ist Gewinn in staatlichem Auftrag.“ Gelächter der Besucher folgte. Dann: „In Daverden gibt es dieselben Fragen. Wie wir es machen, machen wir es verkehrt.“

Gewinn erzielen auf Kosten von Anwohnern und Umwelt – das vermuteten zahlreiche Bürger und meinten: „Erfüllen Sie nicht nur die gesetzlichen Auflagen. Machen Sie es besser.“ Beifall brandete auf.

Auch auf Fracking kamen die Bürger zu sprechen – sie verlangten, dass nicht gefrackt wird. „Wir haben keinen Frac geplant und beantragt“, verkündete Pressesprecher Derek Mösche. Doch: „Fracking ist nicht ausgeschlossen. Je nachdem, welches Gestein wir dort unten vorfinden.“ Der Leiter des Betriebs in Holtebüttel, Sven Burmester, betonte, das Gas werde nicht mit offener Flamme, sondern in einem geschlossenen System abgefackelt. Außer zu Beginn – ein bis zwei Tage könne es wohl dauern, bis das System funktioniert. Unverständnis herrschte im Publikum, als Burmester auf die Frage „Wurde das Kraftwerk am Wehr bei der Risiko-Bewertung von möglichen Erdbeben berücksichtigt?“ antwortete: „Wir gehen nicht davon aus, dass es Erdbeben gibt.“

Das Fazit des Abends: Viele nette Worte, viele Informationen, doch die Sorgen der Bürger bleiben.

Moderator Axel Rott sprach dem Publikum aus der Seele: „Wenn es nach dem Gemeinderat geht, soll es keine Erdgasbohrung in Intschede geben. Doch wenn der Bohrturm kommt, werden wir das Vorgehen kritisch begleiten und das Beste für die Gemeinde rausholen.“ Applaus.

Am Abschluss der Versammlung übergab Hinrich Osmers Unterschriftenlisten an Gemeindirektor und Samtgemeindebürgermeister Gerd Schröder: 325 Menschen sprachen sich bisher gegen Erdgasbohrungen in Intschede aus, und, wenn die Bohrungen nicht zu verhindern sind, forderten 277, strenge Auflagen zum Schutz von Natur und Umwelt. · is

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