Garde-Bäckerei meldet Insolvenz an

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Die Zentrale der Achimer Stadtbäckerei im Industriegebiet Achim-Uesen. Seit gestern ist klar: Nach Erfurt und Brakel ist Achim der dritte und letzte Produktionsstandort, für den die Backstube Siebrecht Insolvenz angemeldet hat.

Achim - Nun schlägt die Bäckerei-Krise auch auf den Standort Achim durch: Gestern hat die Gruppe Backstube Siebrecht nach Insolvenzen in den Standorten Brakel und Erfurt auch für die Achimer Stadtbäckerei/Garde Bäcker Insolvenz angemeldet.

Karsten Jarick, Geschäftsführer der Gruppe Backstube Siebrecht, informierte in einer Pressemitteilung darüber, dass er beim Amtsgericht Paderborn einen Antrag über Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt habe.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Schwierigkeiten beim Achimer Standort angekündigt: Verspätete Gehaltszahlungen waren seit anderthalb Jahren an der Tagesordnung – zum Schluss sogar mit bis zu vier Wochen Verspätung.

Das hatte bittere Folgen für die Beschäftigten: „Viele bekamen Ärger mit dem Vermieter, Kredite wurden nicht mehr abgelöst. In einem Fall verlor ein Beschäftigter mit seiner Familie die Eigentumswohnung“, erzählt Thorsten Zierdt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Insolvenz ermögliche dem Unternehmen, sich finanziell zu sanieren. Während des laufenden Verfahrens würden keine Arbeitsplätze gefährdet, gibt der Gewerkschaftssekretär Entwarnung. „Im Gegenteil: Nun werden die Gehälter endlich mal pünktlich gezahlt.“

Grund: In den ersten drei Monaten der Insolvenz übernimmt das Arbeitsamt rückwirkend die Gehälter der Mitarbeiter und die Backstube Siebrecht wird – zumindest von diesen Kosten – entlastet. Damit für die Beschäftigten keine Gehaltslücke entsteht, streckt die Bank die Gehälter vor.

Der Geschäftsführer der Gruppe Backstube Siebrecht macht externe Ursachen für die Insolvenz verantwortlich: „Zurückgehende Umsätze“, „weiter steigende Rohstoffkosten“ sowie „zusätzliche staatliche Belastungen zum Beispiel durch Energieabgaben und die Rundfunkgebühren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Erst am 9. Mai wurde für zwei von drei Unternehmen unter dem Dach der Unternehmensgruppe Backstube Siebrecht Insolvenzantrag gestellt.

Die Backstube Siebrecht habe sich für eine „geplante Insolvenz“ entschieden, erläutert Jörg Hülsemeyer, Achimer Verkaufsleiter für alle Filialen. Das heißt, gemeinsam mit einem Rechtsbeistand und einer Unternehmensberatung arbeite die Geschäftsleitung in Eigenregie an der Sanierung.

Neben der Lohnkosten- Entlastung durch das Arbeitsamt hält Gewerkschaftssekretär Zierdt auch eine Umstrukturierung der Firma für denkbar – „etwa indem man einzelne, nicht mehr so effiziente Filialen schließt“. 60 Filialen in Cuxhaven, Hamburg und dem Bremer Raum gehören zum Achimer Standort, davon 43 in Bremen und umzu, drei allein in Achim.

Konkurrenz durch „Billig-Bäckereien“

Natürlich werde auch über Filialen nachgedacht, sagt Hülsemeyer, stellt aber klar: „Die Insolvenz hat nichts mit der Filialstruktur zu tun – jedenfalls nicht hier im Bremer Raum.“ 98 Prozent der Filialen seien sehr gut im Umsatz.

Problematisch sei vielmehr die Konkurrenz durch die „Billig-Bäckereien“ und Aufbackstationen, die sich zunehmend in Discountern finden. „Die tun uns am meisten weh“, so Hülsemeyer. In Bäckerei-internen Publikationen gehe man von 50 Prozent der Kunden aus, die die Supermarkt-Regale den Verkaufstischen einer Bäckerei vorziehen.

Hülsemeyer glaubt dennoch, nach drei Monaten Entwarnung geben zu können: „Dann haben wir das wieder im Griff.“ Bereits jetzt stünden Investoren bereit, die Interesse an der Übernahme eines sanierten Unternehmens hätten, schreibt auch Jarick.

Wer sich genau für den Kauf interessiere, dazu gibt Jörg Hülsemeyer keine Auskunft. Auch für den insolventen Standort in Brakel sei in der Zwischenzeit ein Investor gefunden worden: „Ende Juni ist das rum.“

Doch erfahrungsgemäß sei das Insolvenzverfahren auch für Bäckereien kein Patentrezept, meint NGG-Sprecher Thorsten Zierdt. Beim Bio-Bäcker „Holon“ hätte die Übernahme durch die KKH Holding aus Düsseldorf nicht geklappt, auch „Tenter‘s Backstube“ habe ein erster Investor nicht retten können, erklärt Zierdt. Zwischenzeitlich hatte sich übrigens auch die Backstube Siebrecht mit im Pool der Interessenten für Tenter‘s befunden. Derzeit sei ein neuer Geldgeber im Gespräch.

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