Angelvereine kümmern sich um Besatz / 450 Kilo für 20 000 Euro / Rote Liste

Der Aal braucht viel Hilfe

Vor dem Wurf ins Wasser: Die Farmaale werden mit Allerwasser getauft und dann ausgesetzt.

Verden - Von Markus WienkenImmer weniger Aale schaffen es bis in die Aller und Weser. Das wissen die Verdener Sportfischer – und helfen kräftig nach, damit der Fisch hier trotzdem heimisch bleibt. Über 450 Kilogramm so genannte Farm aale setzten Vereinsmitglieder jetzt in den hiesigen Flüssen aus. Eine in dieser Größenordnung bislang beispiellose Aktion.

Putzmunter tummelten sich die Farmaale im Spezialfahrzeug von Gerd Götting. Eimerweise holte sie Jochen Holste, Gewässerwart der Verdener Sportfischer aus den Behältern, verpasste ihnen eine kurze Taufe mit Allerwasser und kippt die Tiere in den Fluss. Noch ein letzter Wirbel als Gruß, und die Aale tauchten ab in ihre neue Heimat.

„Stabilisierung des Aalbestandes“, nennt Dr. Rainer Becker, zweiter Vorsitzender des Vereins Sportfischer Verden, die Aktion. „Denn es ist nicht gut bestellt um den Aal, der mittlerweile sogar auf der Roten Liste steht“, weiß er. Immer weniger schaffen aus der Sargassosee in der Karibik den weiten Weg als Larve durch den Golfstrom, um dann, nach zirka zwei Jahren zum Glasaal herangewachsen, bis an die europäische Atlantikküste zu schwimmen. „Wer es bis dahin geschafft hat, der ist schon weit gekommen“, so Becker.

Die Tour bis in hiesige Gefilde traut man dem Aal nicht mehr zu. Gerd Götting reist daher bis ins französische Brest und holt dort die Glasaale kiloweise mit einem Spezialfahrzeug ab, um sie dann in Bethen bei Cloppenburg auf seiner Aalfarm groß zu ziehen. Knapp zehn Zentimeter groß, sind die wendigen Tiere nach etwa einem Jahr Pflege robust genug, um in die Freiheit entlassen zu werden.

Sehr zur Freude der heimischen Sportfischer. Die Pachtgemeinschaft Weser IV, so der Zusammenschluss der Angelvereine aus Verden, Achim, Dörverden, Thedinghausen, Magelsen-Eitzendorf, Syke und Bremen-Hemelingen, hat sich entschlossen, mit einem Teil seiner Vereinsbeiträge den Ankauf der Farmaale zu finanzieren. Insgesamt 450 Kilogramm Fisch, davon 150 Kilo für die Verdener Region, wurden bei Götting geordert, Marktwert insgesamt 20 000 Euro. „Das sind 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr“, rechnete Becker vor. Und hat damit finanzielle Unterstützung im Boot. „Mit der Quote fallen wir in den Bereich der Förderung der Niedersächsischen Landesregierung.“ Die überweist der Pachtgemeinschaft für den aktiven Bestandsschutz 12 000 Euro aufs Konto. „Mit einem Teil des Geldes werden wir im Herbst eine weitere Aalbesatz-Aktion starten“, verspricht Becker.

Etwa sieben bis zehn Jahre braucht es, dann drängt es die Aale nach Luft- beziehungsweise Wasserveränderung. Sie gehen auf Wanderschaft zurück in die heimatliche Sargassosee. Dort sterben die Alt-Aale nach der Eiablage.

Doch was für Larven und Jungaale auf der Hinreise gilt, das gilt auch für die Alt-Tiere. Bis zur Sargassosee türmen sich schier unüberwindliche Hindernisse auf. „Überfischung mit Reusen, Kormorane, aber insbesondere der Bau von größeren und auch kleineren Wasserkraftwerken mit ihren für die Aale tödlichen Turbinen lassen nur wenige Prozent ihren Geburtsort erreichen“, berichtete Becker. Für ihn und seine Mitstreiter steht daher fest: „Der aufwändige Bestandschutz macht nur Sinn, wenn auch da bei den Verantwortlichen, darunter eben insbesondere Berufsfischer und Kraftwerksbetreiber, ein Umdenken erfolgt.“

Becker sieht sich und seine Arbeit langfristig angelegt. Dabei hat er einen Wunsch: „Aale, die jetzt in Aller und Weser schwimmen, sind alle von uns ausgesetzt worden. Wäre doch schön, wenn irgendwann der Glasaal wieder auf natürlichem Wege hier ankommen würde.“

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