Achtköpfige Gruppe aus Kirchlinteln informierte sich vor Ort über das Shared.Place-Projekt

Bohmte als Vorzeigemodell

Rainer Haselbach war von der neuen Verkehrsregelung begeistert, hinter ihm Peter Hilbricht aus Bohmte.

Kirchlinteln - Eine achtköpfige Gruppe aus Kirchlinteln sah sich vor Ort das Shared-Space-Projekt in Bohmte an. Empfangen wurden sie von Peter Hilbricht, Polizist und Kommunalpolitiker aus Bohmte, der den Interessierten erklärte, wie es dazu gekommen ist.

Ruhig und ohne Eile fließt der Verkehr durch Bohmte. Rund 13 000 Kraftfahrzeuge mit einem starken Anteil Schwerlaster benutzen die Landesstraße durch den Ort im Landkreis Osnabrück. Eine große Zufriedenheit gibt es bei den Anwohnern.

„Wir können jetzt wieder schlafen“, sagten sie bei einer Verkehrsbefragung im Mai. Mittlerweile wollen auch weitere Anwohner in

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den Genuss dieser Verkehrsführung kommen. Rund 900 Meter bis zum Bahnhof stehen zur Diskussion.

Seit 30 Jahren fragten sich die Verantwortlichen, was machen wir mit der Ortsdurchfahrt anders? Vor der Umwandlung der herkömmlichen Durchfahrtsstraße gab es immer Rückstaus vor den drei Ampeln bis zu 800 Metern. Eine unerträgliche Situation: Die Lkw stoppen, fahren an, stoppen, fahren an... Viele Unfälle passierten.

Verwaltung und Politik des 7000-Einwohner-Ortes kam da das europäische Projekt Shared Space zugute. Sie holten sich im Jahre 2004 den niederländischen Ideengeber Hans Monderman. Der sagte: „Wir machen alles weg – die Ampeln, die Verkehrsschilder, den Bordstein – und schaffen eine benutzerfreundlichere Fläche, auf der jeder auf den anderen Rücksicht nehmen muss.“

Nach anfänglichen Bedenken ist das nun in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Die Landesstraße wurde von 6,50 auf 5,80 Meter Breite zurückgebaut. Ein glattes Pflaster und ein Behindertenleitsystem sorgen für eine komfortable Querung der Straße, an jeder gewünschten Stelle.

Durch den Umbau ist innerorts mehr Parkraum entstanden, und der komplette Bereich erhielt ein freundlicheres Erscheinungsbild. Das Hotel profitiert auch davon: Die Sitzgruppe vor dem Haus wird wieder von Gästen in Anspruch genommen. Und auch der Schwerlastverkehr hat sich mit der neuen Situation arrangiert.

„Statt 600 000 Euro seien es aber stolze zwei Millionen Euro geworden, und das Land stehle sich aus der Verantwortung, so Hilbricht. Die Unterhaltung dieses Stücks Landstraße soll Bohmte übernehmen. Vor einem Jahr wurde dieses neue 400-Meter-Teilstück eingeweiht. Seit dem sind nur zwei Unfälle mit leichtem Personenschaden entstanden.

Der Gesamtschaden für die Versicherungen halbierte sich von 2006 zu 2009 von 237 000 auf 122 000 Euro. Wöchentlich kommen sechs bis zehn Besuchergruppen aus der Bundesrepublik und den europäischen Ländern, um sich von diesem Modellinspirieren zu lassen. Bohmte bildete für die vielen Führungen extra sechs Ruheständler aus. Rollstuhlfahrer Rainer Haselbach, Vertreter der Gemeinde Kirchlinteln im Behindertenbeirat des Landkreises Verden, war begeistert: „Ich kann mich überhaupt nicht sattsehen!“

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