Musik aus einem kleinen Studio in Etelsen: „Shamall“ und das neue Album „Is this human behavior“

„Bloß nicht so‘n Langweilerkram“

Norbert Krüler alias „Shamall“: Seit über 30 Jahren im Musikgeschäft und kein bisschen leise.

Etelsen - Von Jens Wenck· Der Mann ist ein Perfektionist. Oder zumindest nahe daran. „Klar kann man immer was besser machen“, meint er. Trotzdem hat Norbert Krüler eingesehen: „Am Ende kann man aber auch was kaputt machen. Irgendwann sind die Ohren überreizt, dann hörst du das Gras wachsen.“ Da ist es gut, wenn der Termin zur Veröffentlichung steht. Nun ist es raus, das Album „Is this human behavior“.

Seit gut 30 Jahren macht der Multiinstrumentalist Krüler alias „Shamall“ Musik. Von elektronischer Musik hin zum Progressive Rock habe er sich entwickelt, meinen Kritiker. „Ich kann mit den vielen Schubladen nichts mehr anfangen“, sagt Krüler, der seine Alben fast im Alleingang in einem kleinen Studio in Etelsen einspielt und produziert. „Früher gab das nur gute und schlechte Musik.“ Spricht‘s, guckt, strahlt und schiebt hinterher: „Es gab Rock und Abba.“

Gut zwei Jahre hat er an „Is this human behavior“ gesessen. Worum es da geht? „Mann, wie soll ich das in einem Satz erklären, das ist so komplex. Das sollte schon ein Konzeptalbum werden, bloß nicht so ein Langweilerkram mit ‚Ich liebe dich‘.“

Atomkraft, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Amokläufer, industrielle Massentierhaltung, wahres asoziales Verhalten, die totale Abstumpfung gegenüber dem Mitmenschen und der Umwelt gegenüber sind Shamalls Themen auf seinem aktuellen Album.

„Au, Backe. Wieder ein Altrocker oder Späthippie, der sich greinend über die Schlechtigkeit der Welt beschwert“, hört man da schon die Berufszyniker nörgeln.

Gemach, Herrschaften. Erst einmal die erste CD „Is this human behavior“ eingelegt und aufgelauscht. Instrumental geht es los, die Geschichte nimmt Fahrt auf, und schon mit dem zweiten Stück geht es rockig nach vorn – ohne musikalisch und inhaltlich in besinnungsloses Zappeln auszuarten. Da weiß einer genau was treibt, das erinnert an Pink Floyd, an Tangerine Dream und das sehr wohl auch vom Niveau her. Alles klingt vertraut, aber modern, eigen und auf keinen Fall in der Krautrock-Ära hängen geblieben.

Mit „Don‘t get your panties an a bunch“ hat Krüler-Shamall eines seiner ältesten Stücke, schon in den 70-ern geschrieben, wieder aufgegriffen. Wenn das nicht im Booklet stehen würde – dem Stück ist in seinem aktuellen Gewand sein Alter nicht anzumerken. Die Bedeutung des Textes, sinngemäß ins Deutsche übertragen: „He, was regst du dich so auf, ist doch nicht das Ende der Welt. Wird alles schon nicht so schlimm werden. Augen zu und immer schön verdrängen.“ Norbert Krüler will sich aber aufregen und sich zu Wort melden. Der Rocker denkt gar nicht daran, still zu sein.

Obwohl, auf der zweiten CD des Albums, „Living incommunicado“ übertitelt, geht es schon ein bisschen ruhiger zu, kommt das Keyboard mehr zum Einsatz, der Anteil der Instrumentalstücke wird größer. Aber die Sogwirkung wird kein bisschen kleiner.

„Klar kommt da schon mal der Gedanke: Ist es so geworden wie du wolltest?“, erzählt Krüler aus der Entstehungszeit seines jüngstens Albums. „Als Künstler hat man eh ‘ne andere Einstellung zur CD als der Hörer. Der sagt nur: gut – oder nicht gut.“ Der Autor dieser Zeilen meint: „Gut. Richtig gut.“ Allerdings verbunden mit einer Warnung: Shamall ist nichts zum mal eben in drei Minuten weghören, man muss sich schon darauf einlassen können und wollen.

Noch eine Zusatzinformation: Aktuell ist Krüler mit Mike Bach (Drums) und Matthias Mehrtens (Guitar) dabei, im Studio eine kleines Video einzuspielen, mit dem der Verkauf von „Is this human behavior“ bei „Amazon“ weiter angeschoben werden soll.

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