Baustellen-Flasche des Heinrich Kruse

Blick in die Geschichte freigelegt

Aus Kruses Häuslingshaus von 1865 wird der neue Dorfladen. Bei der Entkernung wurde jetzt eine besondere Baustellenflasche aus dem Jahr 1956 gefunden, die Heinrich Kruse der Nachwelt hinterließ.

Otersen - (gl) · Bei der Grundsteinlegung für besondere Gebäude wird oftmals eine Kartusche mit tagesaktuellen Zeitungen und Urkunden eingemauert – mit Überlieferungen für die Nachwelt. 54 Jahre später wurde so eine „Baustellen-Flasche“ jetzt in Otersen samt Inhalt bei Sanierungsarbeiten für den neuen Dorfladen freigelegt.

1865 wurde in Otersen das Haus mit der laufenden Nr. 44 von Cord Kruse als kleines Fachwerkhaus erbaut. Cord Kruse war „Häusling, Maurer und später Anbauer“, betrieb also eine kleine Landwirtschaft mit wenig Land und musste sich als Maurer ein Zubrot verdienen.

91 Jahre später erweiterte Heinrich Kruse, der Urenkel von Cord Kruse, das kleine Fachwerkhaus um einen massiven Anbau und die drei Meter breite „Groot Dör“, das große, zweiflügelige Holz-Tor im Fachwerkgiebel wurde mit roten Backsteinziegeln zugemauert und mit einer „modernen“ Standard-Haustür versehen.

54 Jahre nach der Baumaßnahme von Heinrich Kruse haben auf dem Grundstück „Steinfeld 9“ (früher: 44) jetzt die Vorbereitungen für die Sanierung des Altbaus von 1865 begonnen. Im alten Häuslingshaus soll 2011 nach erfolgter Sanierung und Fertigstellung eines Laden-Erweiterungsbaus der neue Dorfladen einziehen. Die alte „Groot Dör“ wird zurückgebaut, wiederhergestellt und als künftiger Haupteingang für den Dorfladen genutzt.

Bei den vorbereitenden Arbeiten für den in Kürze beginnenden Wiederaufbau fand Torsten Irmler jetzt eine Überlieferung des früheren Hauseigentümers Heinrich Kruse. Als „Kartusche“ diente im Juni 1956 eine grüne Bierflasche einer Bremer Brauerei, die mit einem kleinen Korken verschlossen wurde. Mit einer handschriftlichen Notiz hat Bauherr Heinrich Kruse der Nachwelt überliefert, dass die beiden „Maurergesellen Erich Sackmann aus Otersen und Ernst Kuhn aus Wittlohe“ die Bauarbeiten ausgeführt haben. Sackmann und Kuhn waren als Mitarbeiter eines in Walsrode-Nordkampen ansässigen Baugeschäftes im Einsatz und leisteten im Nachkriegsjahrzehnt wahre „Aufbauarbeit“.

Erich Sackmann ist den Einwohnern in Otersen auch als langjähriger Vorsitzender des örtlichen Schützenvereins in guter Erinnerung geblieben. Insbesondere bei den älteren Einwohnern ist auch der langjährige Haus-Eigentümer Heinrich Kruse noch bekannt, der in den Sommermonaten hinter seinem Haus unter einem Baum saß und fröhlich auf dem Akkordeon spielte. Seine bei Hoya lebende Tochter Hanna Hübscher überreichte den neuen Eigentümern des Grundstücks Steinfeld 9 kürzlich alte Urkunden und Verträge aus der Zeit um 1870.

Mit der Sanierung von alten Häuslingshäusern haben die Einwohner Otersens entsprechende Erfahrungen. In den 1990er Jahren sollte ein baufälliges Häuslingshaus auf dem Dorfplatz abgerissen werden. Mehrere Mitglieder des TSV und einige Einwohner entschieden sich jedoch für den Erhalt und übernahmen in Eigenleistung die Sanierung. Aus dem ehemals maroden Schandfleck an der Dorfstraße ist jetzt ein schmuckes Häuslingshaus mit TSV-Fitnessraum und Jugendraum auf dem Dorfplatz geworden.

Häuslinge hatten um 1850 herum kein eigenes Haus – wohl aber einen eigenen Haushalt, während die Knechte und Mägde nur eine „Kammer“ im Bauernhaus hatten. Die Häuslinge lebten dagegen in den Häuslingshäusern, die auf den großen Bauernhöfen standen, auf denen sie in Lohn und Brot waren.“.Nachdem die Bauern durch die Agrarreformen Verbesserungen erfahren hatten und sich zwischen 1825 und 1867 von den früheren Zehnt-Lasten zunehmend frei kauften, begehrten auch die Häuslinge Siedlungsland. Durch den Bau des Hauses „Nr. 44“ (heute: Steinfeld 9) wurde aus dem Häusling Cord Kruse vor 145 Jahren ein „Anbauer“, der neben dem eigenen Haushalt auch ein eigenes Haus, aber wenig Ackerland hatte. Mit der Sanierung alter Häuslingshäuser wird in Otersen neben örtlicher Baugeschichte auch die Dorfgeschichte und Ortsentwicklung bewahrt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Unterwegs im Unesco-Welterbe Augsburg

Unterwegs im Unesco-Welterbe Augsburg

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Schlüsselzeuge Sondland bringt Trump in schwere Bedrängnis

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Razzia gegen "Hawala-Banking"

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Meistgelesene Artikel

Die Erde bebt in Verden - viele Bürger wählen Notruf

Die Erde bebt in Verden - viele Bürger wählen Notruf

Bis 2021 sollen drei neue Kitas stehen

Bis 2021 sollen drei neue Kitas stehen

Schöne Erinnerungen an die Abizeit

Schöne Erinnerungen an die Abizeit

„Wellness-Tempel Haferkorn“: Chaos und viel Situationskomik

„Wellness-Tempel Haferkorn“: Chaos und viel Situationskomik

Kommentare