Investoren gaben auf großer Bürgerversammlung Vertragsabschluss bekannt / Kritikern kommt einiges spanisch vor

Biomasse-Kraftwerk: Buss geht Weg mit

Ottersberg - (la) · Die Firma LaMont habe Ottersberg als idealen Standort für ein Biomasse-Heizkraftwerk erkannt, „und Buss geht diesen Weg jetzt mit“. Darüber freute sich Bürgermeister Horst Hofmann auf der Bürgerversammlung mit „Rundem Tisch“ in der voll besetzten Wümmeschul-Aula am Donnerstagabend.

René Koth, bei LaMont zuständig für die Projektentwicklung in Ottersberg, bestätigte, dass der Vertrag mit der großen Fertiggerichtefirma über Wärmedampflieferung aus dem Biokraftwerk abgeschlossen sei. Ein Vorbehalt von Kritikern, dass die Abnahme der erzeugten Energien nicht gesichert sei, wurde damit sehr entkräftet.

Strom aus dem Bio-Kraftwerk wird vom Elektrizitätswerk Ottersberg (EWO) mit ins Netz eingespeist. Noch nicht gefunden ist ein Partner zum Aufbau eines Wärmenetzes. Das EWO zeigt sich hier auch aus finanziellen Gründen zurückhaltend.

Beurteilungen über das Bio-Heizkraftwerk klaffen aber immer noch weit auseinander, wie dieser Ottersberger Abend erneut zeigte.

Einen Flecken, der sich bei minimalem CO2-Ausstoß komplett selbst mit Energie versorgt, für viele Vorbild sei und auch an andere Wärme und Strom liefere, sah Bürgermeister Hofmann voraus – die „Energie Plus-Gemeinde“ eben. Gerade angesichts derzeitiger Finanznot „braucht dieser Ort eine Entwicklung“, so Hofmann, der natürlich auch bedeutende Gewerbesteuereinnahmen durch das Kraftwerk frühestens drei Jahre nach Inbetriebnahme erwartet. Er verwies zudem auf hohe Preise und zunehmende Knappheit der Rohstoffe Öl und Gas.

Kritiker des 31-Millionen-Kraftwerkprojekts wie Wilfried Mittendorf (Grüne Liste Ottersberg) zählten Bedenken auf: Die Holzvergasungstechnik habe sich bisher in Deutschland nicht durchgesetzt, es blieben gefährliche teerhaltige Produkte bei der Verbrennung zurück, und auch die Entsorgung der Asche sei nicht gewährleistet.

Letzteres erledige eine fachkundige Firma aus Bassum, hielt ihm Fred Fröhlich vom LaMont-Vorstand entgegen. Er verwies auch auf etliche gut laufende Biomasseanlagen in Südamerika und Spanien. Gerade sei ein Kraftwerk unweit von Madrid problemlos in Betrieb gegangen.

Allerdings gehöre dieses Werk nicht LaMont – „wir sind nur die Architekten“. Daher sei es bisher auch schwer, Besichtigungstermine für Besucher oder Besuchergruppen aus Ottersberg zu ermöglichen.

Gerade Biomassekraftwerks-Skeptiker hätten sich aber gern mal genauer umgesehen. Ihnen kommt es spanisch vor, dass Fröhlich vorerst nicht einmal den genauen Standort dieses Vorzeige-Werks nennen wollte.

Nur mit nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRos) und unbehandeltem Holz aus bis zu 80 Kilometern Umkreis soll das Ottersberger Bio-Kraftwerk „befeuert“ werden.

Dass durch den Holzbedarf Wälder im Bestand bedroht würden, bestritten Fröhlich und Koht energisch. In vertraglichen Abmachungen sei ausdrücklich „nachhaltige Bewirtschaftung“ der Forsten festgelegt.

Zur Sprache kam neben einigen anderen Aspekten auch die zusätzliche Verkehrsbelastung. Koht versicherte, dass die Werktags--Liefermenge von 240  Tonnen Rohstoffen von zwölf Lkw täglich zwischen sechs und 22 Uhr bewältigt werde.

Bei gezählten 12 000 täglichen Fahrzeugen insgesamt am Kreuzungsbereich Am Damm mache das gerade mal 0,1 Prozent mehr aus. Für Entlastungslösungen an hoch beanspruchten Knotenpunkten zu sorgen, sei im übrigen nicht Aufgabe von Privatunternehmen, sondern die von Kommunen und Landkreisen.

Zeitlich geht LaMont davon aus, dass nach Vertragsabschluss mit der Gemeinde, Bürgerbeteiligung und Auslegung des geänderten Bebauungsplans im Mai der Satzungsbeschluss im September gefasst wird und spätestens im Oktober die Bauvorbereitungen beginnen.

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