Serie Ehrenamt, Teil 17: Irmtraut Hartgenbusch und Margret Ringies sind Leselernhelferinnen an der Hauptschule Achim

Mit Bildtafeln an Jugendbuch herangetastet

Ein Teil der 16 ehrenamtlichen Leselernhelfer in der Bibliothek der Achimer Hauptschule mit  Irmtraut Hartgenbusch (2. R., 3. v. links) und Margret Ringies (1. R., Mitte). ·
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Ein Teil der 16 ehrenamtlichen Leselernhelfer in der Bibliothek der Achimer Hauptschule mit  Irmtraut Hartgenbusch (2. R., 3. v. links) und Margret Ringies (1. R., Mitte). ·

Achim - Von Lisa DuncanVor fünf Jahren stand Irmtraut Hartgenbusch noch ganz allein vor zehn Siebtklässlern und las ihnen vor. Mittlerweile ist der Stein ins Rollen gekommen: 16 Ehrenamtliche geben an der Achimer Hauptschule als sogenannte „Leselernhelfer“ Einzelunterricht für Schüler mit Sprachdefiziten. Nicht nur für Migranten, auch für Deutsche.

Einmal die Woche kommen die größtenteils weiblichen Ehrenamtlichen in die Schule, um mit den Schülern an ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit zu arbeiten. Der Intensivunterricht läuft zeitlich parallel zur Deutschstunde und kann 25 Minuten bis anderthalb Stunden umfassen.

Initiiert hatte das Projekt die Leiterin der Schulbibliothek, Steffi Lindenberg, die die Termine der Ehrenamtlichen koordiniert und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Dazu gehört auch eine Fortbildung mit externen Referenten, zu der die Hilfspädagogen einmal jährlich im Rathaussaal zusammenkommen.

Irmtraut Hartgenbusch fühlt sich als „Alter Hase“ unter den Leselernhelferinnen gut unterstützt. Dabei hat sich das Konzept seit der Pilotphase weiterentwickelt. So erwies sich die anfängliche Idee, vor einer größeren Schülergruppe vorzulesen, nicht als praktikabel. „Einige Schüler konnten gut zuhören, andere waren ganz schön anstrengend. Manchmal war ich richtig fertig hinterher“, so die ehemalige Pflegedienstleiterin. Schnell wurden die Lerngruppen verkleinert – und beschränken sich mittlerweile auf ein bis drei Schüler. „Für die Jugendlichen ist es wichtig, als Einzelpersonen wahrgenommen zu werden“, weiß Hartgenbusch. „Wir machen viel Leseförderung, sind aber auch für die Schüler da, wenn sie Gesprächsbedarf haben“, erklärt die Bierdenerin. Denn oftmals sind die schwachen schulischen Leistungen nur die Spitze des Eisbergs: Manche Kinder müssen Kriegstraumata oder den Verlust eines Elternteils verkraften.

So auch die drei syrischen Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren, mit denen Hartgenbusch seit etwa einem Jahr lesen übt. „Am Anfang konnten sie fast kein Wort Deutsch. Wir haben uns mit Bildtafeln oder mit Händen und Füßen verständigt.“ Wöchentlich nimmt sich die Leselernhelferin für die Mädchen anderthalb Stunden Zeit, die rund sechs Stunden Vorbereitung nicht mit eingerechnet. Die Arbeit hat sich gelohnt: Jetzt lasen sie gemeinsam das erste Jugendbuch auf Deutsch komplett durch. Das motiviert. Die 64-jährige möchte Leselernhelferin bleiben, „solange es Spaß macht“.

Margret Ringies ist mit ihren 72 Jahren noch ein Neuling unter den Leselernhelfern. Vor einem Jahr begann sie, mit zwei Sechstklässlern, sogenannten Russlanddeutschen, regelmäßig zu lesen. Die Art und Weise, wie Mädchen und Jungen lernten, unterscheide sich stark voneinander, glaubt Ringies: „Jungs verstecken sich mehr, aber wenn sie sich öffnen, sind sie ehrlicher.“ „Ihre“ Jungs hat die Uesenerin schon richtig ins Herz geschlossen: „Der eine ist sehr ruhig und der andere plietsch“, sagt sie lächelnd.

Die Lektüre dürfen sich die beiden Schüler selbst aussuchen, besonders häufig sind das Abenteuergeschichten. Anschließend stellt Ringies den Schülern Fragen zum Textverständnis. Mit dabei hat sie auch immer einen Duden und einen Atlas zum Nachschlagen. Wenn die Teenager unruhig sind, gibt Ringies ihnen auch mal ein Bilder- oder Zahlenrätsel auf, statt stumpf mit dem Stoff fortzufahren.

Das Ehrenamt ist für Ringies nicht nur an der Hauptschule ein Muss: Seit 17 Jahren engagiert sie sich auch für die Kinderhilfsorganisation Unicef. Warum sie Leselernhelferin ist, weiß die pensionierte Beamtin genau: „Wenn man Kindern so helfen kann, dann gibt es doch nichts Besseres!“

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