Höchst interessante Reise in die weite Vergangenheit mit der Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht

Bierdener Nelly hatte viele Freundinnen

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„Nelly“ aus Bierden stammt aus der mittleren Steinzeit.

Achim - ACHIM · Als auf einem Stein tief in der Erde die Frauenzeichnung „Nelly“, benannt nach der Nordeuropäischen Erdgasleitung, an deren Trasse nahe der Bierdener Bahnstrecke entdeckt wurde, war das für Norddeutschland eine Sensation, , auch wenn die Dame ohne Kopf und Füße nicht die „Venus von Bierden“ ist. Über Nelly und andere Funde sprach am Dienstag auf einer Veranstaltung der Geschichtswerkstatt im Haus Clüver die Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht bei einem „Spaziergang“ durch unsere Vorgeschichte.

„Nelly hat viele Freundinnen“,sagt die Kreisarchäologin, denn solche Frauenzeichnungen auf Stein sind im Süden der Republik und am Rhein durchaus bekannt, für Norddeutschland war dies jedoch der erste Fund. Der Zeichner von Nelly muss ein künstlerisch begabter Mensch gewesen sein. War es eine verehrte Frau, eine Göttin, eine Zeichnung zu erzählten Mythen? Man weiß es nicht. Geheimnisvoll bleibt auch, warum Kopf und Füße fehlen wie bei den Freundinnen auch.

Grabungsleiter Klaus Gerken, der diesen Sensationsfund machte, ist sich inzwischen sicher, dass der unter Eschboden gefundene Stein aus dem Mesolithikum, der mittleren Steinzeit 9225 bis 8823 vor Christus stammen muss. Eine Spanne, in der die Eiszeit zu Ende geht, das Klima sich nicht wie bei uns in den letzten 100 Jahren um ein Grad, sondern in 30 Jahren um sechs Grad erwärmt. Der Boden eignet sich nicht mehr als „Kühlfach“ für die Beute der Wildbeuter, neue Nahrungsstrategien sind gefragt, neue Tierarten kommen auf, Wald entsteht. „Das gesamte Leben verändert sich“, sagt die Kreisarchäologin. Und in dieser Situation diese märchenhafte, rätselhafte Zeichnung.

Auch das im Ueser Hafen gefundene Tongefäß von 5000 vor Christus erzählt einiges, muss aus dem Süden stammen und bei einer Flussfahrt verloren gegangen sein.

Der erste Bauer in der norddeutschen Tiefebene wurde 3500 vor Christus entdeckt und die Landwirtschaft ist aus dem Orient in unsere Breiten gekommen, erfuhren die vielen gespannten Zuhörer.

Bewegte Geschichte verraten auch die riesigen bis zu 20 Meter langen Großsteingräber für Normalsterbliche, die 3500 vor Christus im heutigen Achimer Bahnhofsbereich errichtet wurden und beim Bau der Eisenbahnstrecke der Eisenbahnstrecke vernichtet und zu Pflastersteinen verarbeitet wurden.

Hügelgräber aus der Jungsteinzeit an der Schneiderburg, Grundrisse von Häusern auf Pfählen aus der Bronzezeit, ein goldener Ring an der Erdgastrasse, Bronzegaben an die Götter, Ohrringe, ein Brunnengefäß und ein Urnenfriedhof in Uphusen aus den Jahrhunderten vor Christus, Bronzefibel und Erdhäuser am neuen Radweg bei Embsen, das 1200 Jahre alte Pferd am Ueser Feuerwehrhaus, das sich als Kuh entpuppt hat, und Ansichten von der Hünenburg 1043 bis 1072, Funde im Gut Borstel oder in Bierden entdeckte alte Deiche waren Stationen einer höchst interessanten Reise in die weite Vergangenheit. · mb

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