Prozess: Überfall auf Wertstoffbetrieb

Mit Beute die Drogen finanziert

Verden - (wb) · In dem Prozess um den Raubüberfall auf einen Verdener Wertstoffbetrieb im August 2008 hat einer der beiden Angeklagten die Tat gestanden. Mit Fahrrad und Bahn waren der 29-Jährige und sein 23 Jahre alter Komplize extra für die Tat aus Nienburg nach Verden gekommen. Vor dem Landgericht Verden müssen sie sich wegen insgesamt vier Taten verantworten.

„Es ist richtig, was mir vorgeworfen wird“, sagte der 29-jährige Nienburger zu Beginn seiner Aussage. Neben dem Raubüberfall in Verden mit 10 000 Euro Beute sollen sie noch zwei Spielhallen- und einen Tankstellenüberfall in Nienburg begangen haben. Motiv war Geldnot. Er sei damals noch drogenabhängig gewesen und habe unter starken Entzugserscheinungen gelitten, erklärte der 29-Jährige.

Drei Tage vor der ersten Tat im Juli 2008 sei durch seinen Arzt die Behandlung mit dem Drogenersatzstoff Methadon abgebrochen worden. Die Krankenkasse habe behauptet, dass er nicht krankenversichert sei. Das habe aber gar nicht gestimmt. Der Arzt habe keine andere Möglichkeit gehabt, so der Angeklagte. Durch den sofortigen Abbruch sei es zu starken Entzugserscheinungen gekommen.

Mit dem Geld aus dem ersten Raubüberfall beschafften er und sein offenbar ebenfalls drogenabhängiger Freund sich Drogen. „Man nimmt sich vor, es einzuteilen, aber man tut es nicht, sondern konsumiert es weg“, so der Angeklagte. Als die Drogen alle waren, habe man einen neuen Überfall begangen, und so ging es immer weiter. „Die erbeuteten Summen korrespondieren mit den Abständen zwischen den Taten“, merkte der Vorsitzende Richter an.

Die letzte Tat war der Überfall auf den Wertstoffhändler in Verden. Mit Bahn und Fahrrad fuhren die beiden Angeklagten in die Allerstadt. Der 23-Jährige habe den Betrieb gekannt, weil er dort schon häufiger Schrott angeliefert hatte. Damit man ihn nicht wiedererkennt, habe er draußen Schmiere gestanden. Der 29-Jährige will durch einen Hintereingang ins Gebäude gegangen sein und eine Mitarbeiterin mit einer Spielzeugpistole bedroht haben. Daraufhin habe sie ihm 10 000 Euro herausgegeben.

Zurück in Nienburg besorgten sie sich Drogen und wollten diese, wie sonst auch, in einer stillgelegten Schrebergarten-Kolonie konsumieren. Mit einem Taxi fuhren sie dort hin, wurden aber noch beim Aussteigen festgenommen. Die Polizei hatte das Handy des 23-Jährigen geortet.

Wie man auf die Angeklagten als Täter gekommen war, werden sicher noch die als Zeugen geladenen Polizeibeamten erläutern. Heute will zunächst noch der 23-Jährige aussagen und wird damit auch von einer Verständigung mit Gericht und Staatsanwaltschaft profitieren. Im Gegenzug für Geständnisse ist beiden Angeklagten eine Strafmilderung zugesagt worden.

Im Fall des 29-Jährigen soll die Strafe zwischen drei Jahren und vier Monaten bis vier Jahren und acht Monaten liegen. Den 23-Jährigen erwarten zwischen knapp fünfeinhalb und gut sechseinhalb Jahren. Für beide Männer kommt wegen ihrer Drogenproblematik auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht.

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