„Routinearbeiten“? RWE-Dea prüft Alternative zu Scharnhorst / „5 000 Meter tief“

Benzolhaltiges Wasser soll in Völkersen verpresst werden

Völkersen - Von Wiebke BrunsDie RWE-Dea AG erwägt das Verpressen von Lagerstättenwasser auf dem Gelände der Bohrung Z2/Z3 in Völkersen. Zunächst wurden die dort am Donnerstag aufgenommenen Arbeiten von dem Unternehmen nur als „Perforationswäsche“ erklärt und deren Beschreibung erweckte den Eindruck von Routinearbeiten. Erst auf weitere Nachfrage bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass ein mögliches Verpressen der benzolhaltigen Flüssigkeit der Grund für die Arbeiten ist.

Die betreffende Anlage liegt nördlich von Völkersen, angrenzend an den Spanger Forst, und die Arbeiten wären wohl unbemerkt geblieben, wenn nicht die Bürgerinitiative „No Fracking“ einen anonymen Hinweis darauf erhalten hätte.

Auf eine erste schriftliche Anfrage zu den Arbeiten gab es dann zunächst nur die Erklärung zur Perforationswäsche. Laut Unternehmenssprecher Derek Mösche werden dabei 340 Kubikmeter Wasser mit einer Konzentration von 2,5 Prozent Kaliumchlorid vermischt und in die Bohrung verpumpt. „Das Ziel dieser Maßnahme ist Salzablagerungen in der Bohrung zu beseitigen und die Porenräume im bohrlochsnahen Lagerstättenbereich zu reinigen. Um die Effektivität dieser Maßnahme zu überprüfen sind während der Behandlung Messgeräte in der Bohrung installiert.“

Erst auf eine erneute Anfrage, welchem Zweck dies diene, teilte Mösche dann mit, dass man damit überprüfen wolle, ob die Bohrung Z3 geeignet ist, um dort Lagerstättenwasser einzupressen. Schließlich seien sich doch alle einig, dass das Lagerstättenwasser-Management zu überdenken sei, so Mösche.

Das benzolhaltige Lagerstättenwasser tritt bei der Erdgasförderung zu Tage. 287 000 Kubikmeter wurden nach Angaben des Konzerns seit dem Jahr 2000 in einem unterirdischen Leitungsnetz von Völkersen nach Scharnhorst befördert und dort in einem Wasserschutzgebiet verpresst. Erst nachdem Anfang Januar der Austritt von Benzol aus den dafür verwendeten PE-Rohren festgestellt worden war, hatte der Konzern das Leitungsnetz außer Betrieb genommen. Seitdem wird das Lagerstättenwasser mit Tankwagen transportiert. Erst nach Scharnhorst, dann laut Angaben der RWE-Dea AG nach Wittorf.

Sollte es in Völkersen zum Verpressen kommen, dann solle dies in 5 000 Metern Tiefe und nicht in 1 000 Metern Tiefe erfolgen, wie in Scharnhorst, was Mösche mit einer in Völkersen tiefer liegenden Gesteinsschicht „Rotliegende“ erklärte. Vor 14 Tagen hieß es noch, dass man für das Verpressen eine ausgeförderte Lagerstätte benötige, diese jedoch derzeit in Völkersen nicht zur Verfügung stehe.

Andreas Noltemeyer, Sprecher der Bürgerinitiative, hat kein Verständnis für das Verhalten der RWE-Dea AG. Diese habe nach Bekanntwerden des Umweltskandals um den Austritt von benzolhaltigem Lagerstättenwasser mehr Transparenz versprochen, doch stattdessen versuche man ihn und seine Mitstreiter für dumm zu verkaufen. Ohne den anonymen Hinweis hätte man von den neuen Plänen der RWE-Dea nichts erfahren. Auch der Austritt von Benzol an dem Gasförderplatz Nord Z1 im vergangenen Sommer war erst nach einem anonymen Hinweis publik geworden, betont Noltemeyer.

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