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Borstels Beitritt zu Verden war nie strittig

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Von: Antje Haubrock-Kriedel

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Viele Borsteler waren zum Auftakt der Veranstaltungsreihe in das Zirkuszelt auf dem TSV-Gelände gekommen. Dort gaben die Stadtführerinnen Karin Köster und Sabine Lühning (r.) einen Einblick in die Geschichte der Ortschaft.
Viele Borsteler waren zum Auftakt der Veranstaltungsreihe in das Zirkuszelt auf dem TSV-Gelände gekommen. Dort gaben die Stadtführerinnen Karin Köster und Sabine Lühning (r.) einen Einblick in die Geschichte der Ortschaft. © Haubrock-Kriedel

Borstel feiert das 50. Jubiläum der Gebietsreform mit einem bunten Programm. Zum Auftakt am Montagabend luden die beiden Stadtführerinnen Karin Köster und Sabine Lühning zu einem interessanten Rückblick in die Geschichte der Ortschaft ein.

Verden-Borstel - Borstel verlor 1972 seine Selbstständigkeit und schloss sich der Stadt Verden an. Der Beitritt sei im Ort aber nie strittig gewesen, berichtete Ortsbürgermeister Jürgen Weidemann. Man habe schon immer gut mit der Stadt Verden zusammengearbeitet, soll der damalige Bürgermeister Kurt Meyer-Borstel gesagt haben.

„Wir leben gern in Borstel“, betonte Weidemann. Schließlich habe der Ort einiges zu bieten. So gab es mit dem Allermarkt den ersten modernen Supermarkt in Verden, zudem habe Borstel damals wie heute eine florierende Gastwirtschaft sowie mehrere Vereine, in denen die Menschen gern zusammenkommen.

Einige Privilegien zu wahren gewusst

Vieles musste vor dem Beitritt geregelt werden, wusste Karin Köster zu berichten. Einige Privilegien konnte Borstel sich bewahren. So war die Ortschaft von dem Zwang befreit, die städtischen Schlachthöfe zu nutzen, und durfte weiterhin Hausschlachtungen durchführen. Auch eine Hundesteuer mussten die Borsteler für die ersten fünf Jahre nach der Gebietsreform nicht entrichten.

Eine eigene Kirche und einen eigenen Friedhof gab es in Borstel nie. Die Ortschaft gehörte ursprünglich zur St. Nikolaikirche am Sandberg, die später in der Domgemeinde aufgegangen ist. Ab 1955 gehörte Borstel zum Dombezirk IV, 1972 leitete Pastor Grüner die Gemeinde.

Ehemaligen Pestfriedhof reaktiviert

Beerdigt wurden die Borsteler zunächst auf dem Friedhof am Sandberg, ab 1733 dann auf dem Domfriedhof, damals zwischen Dom und Andreaskirche gelegen. Als dieser voll war, wurde der ehemalige Pestfriedhof vor den Toren der Stadt an der Eitzer Straße reaktiviert. 1915 fand dann die erste Bestattung auf dem Waldfriedhof statt, den die Borsteler auch heute noch als „ihren“ Friedhof betrachten.

Eine eigene Poststelle gab es in Borstel dagegen bereits seit 1925 an der Borsteler Dorfstraße 23. Geführt wurde sie zunächst von Hermann Meyer. Später übernahm seine als kontaktfreudig bekannte Tochter Dora die Agentur und führte sie 40 Jahre lang. Erst 1973 war das Ende der Post in Borstel gekommen. Mit der Gebietsreform verschwand auch die eigene Postleitzahl 3091.

Borstel und seine Tanzschule

Ebenfalls eng mit der Geschichte Borstels verbunden ist die Tanzschule Beuss. Am heutigen Standort war zunächst eine Hofstelle. Allerdings taugte Sohn Wilhelm nicht als Bauer, sondern war eher musisch begabt. Sein Vater ermöglichte ihm die Ausbildung als Tanzlehrer. „Am 26. Januar 1868 wurde in der Tageszeitung der erste Kurs in der Tanzkunst angeboten“, hatte Karin Köster recherchiert.

Sabine Lühning berichtet von reger Bautätigkeit, die ab 1972 in Borstel herrschte. Nicht nur der Allermarkt wurde gebaut, auch das Hallenbad entstand sowie viele Neubaugebiete. Die Einwohnerzahl Borstels wuchs stetig. Wohnten 1972 noch 783 Menschen in Borstel, aktuell sind es 1900.

Zwei berühmte Töchter des Ortes

Mit Kunstturnerin Hanna Zuschneid und Springreiterin Helga Köhler kann Borstel auf zwei berühmte Sportlerinnen stolz sein. Hanna Zuschneid war Teilnehmerin an den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki und bei den Turn-Weltmeisterschaften 1954 in Rom. Ihre Olympiakür führte sie zur Begeisterung der Anwohner im Borsteler Hof vor.

Die Borstelerin Helga Köhler gewann bedeutende Turniere, darunter 1949 bis 1954 in Folge das Championat der Springreiterinnen. Helga Köhler kaufte in den 50er-Jahren mit ihrem Ehemann Hans Joachim Köhler, den Initiator der Verdener Eliteauktionen, den Kroneichenhof in Borstel, wo sie bis zu ihrem Tod 2014 lebte.  

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