Über Fußball und Migration diskutierte im Bürgerzentrum auch kenianische Nationalspielerin mit

„Bei Fouls heißt es: Ja ihr wieder“

Dieses Plakat gehört mit zur reich illustrierten, informativen und preisgekrönten Wanderausstellung „Ballarbeit – Fußball und Migration“. Noch bis zum 15. Juni ist sie im Bürgerzentrum Magdeburger Straße in Achim zu bewundern. Fotos(2): Laue

Achim - (la) · „Wenn von uns mal jemand foult, heißt es gleich: Ja, ihr wieder“, berichtete Deniz Ekici vom SV Genclerbirligi Achim. Noch nie sei dieser im Übrigen zu Turnieren eingeladen worden, und die Suche nach Sponsoren sei stets vergeblich.

Ekici nahm am Mittwochabend mit an der Podiumsrunde zum Thema „Fußball und Migration“ vor Publikum im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße teil.

Prominentestes Mitglied der Runde, die Detlef Lehmann von der Caritas Verden moderierte, war die kenianische Nationalspielerin Doreen Omondi, die derzeit in der Werder Bremen-Damenmannschaft kickt.

Neun von elf Spielern im erfolgreichen deutschen Nachwuchs-Nationalteam und zwölf Spieler im aktuellen WM-Kader hätten einen Migrationshintergrund, leitete Detlef Lehmann ein. Fußball trage also offenbar eine Menge zur Integration bei.

Ein „Bewusstsein des Miteinanders“ sei die Basis dafür, dass das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten klappt, hob Hasan Yilmaz hervor. Der Sozialpädagoge am Institut für Sportwissenschaften der Uni Hannover arbeitet mit im Bildungsprojekt NiKo.

Untersuchungen belegten jedoch auch, dass bei jeweils vergleichbaren Fouls Spieler mit Migrationshintergrund im Schnitt härter bestraft würden und sich Vereine für sie beim Sportgericht auch nicht so stark einsetzten. Auf der anderen Seite glaubten Migranten oft von vornherein, sie würden als Menschen zweiter Klasse betrachtet und reagierten daher schnell aggressiv. Der ehrliche Dialog helfe hier weiter.

Doreen Omondi berichtete von der besonderen Schwierigkeit, in ihrem Heimatland trotz großen Talents als Fußballspielerin anerkannt zu werden. Frauen müssten Kleider waschen und sich um andere häusliche Dinge kümmern, laute die gängige Meinung. Zusammen mit einer Gruppe gleichgesinnter Frauen habe sie sich aber durchgesetzt. Von Fußball sei sie nach wie vor rundum begeistert. Spielen um zu gewinnen sei das Ziel, und ansonsten solle jede(r) so sein dürfen, wie er oder sie ist. Hautfarbe oder Herkunft seien dabei völlig egal.

Adu Nasraoglu vom TSV Achim zeigte sich erfreut darüber, dass die von ihm trainierten Holtebütteler Damen durch den Aufstieg in die Bezirksliga zum Aushängeschild des Vereins geworden seien. Auch hier habe es anfangs noch Vorbehalte gegen Frauenfußball gegeben.

Dem von ihm durchaus geschätzten Deniz Ekici von Genclerbirligi riet er, die Schuld für Probleme mit Spielern nicht nur bei anderen zu suchen. Einige dieser Spieler kenne er noch vom TSV Achim, und auch dort hätten sie viele rote Karten kassiert. Genclerbirgili müsse selber mit diesen „Pappenheimern“ – einer wurde jüngst für ein Jahr gesperrt – deutlich reden und im Übrigen eine wirksame Jugendarbeit entwickeln.

„Wir haben uns für Spieler mit Migrationshintergrund eingesetzt und Sportgerichts-Strafen heruntergedrückt“, betonte er. Wenn aber jemand einen anderen regelrecht verprügele oder gegen Schiedsrichter tätlich werde, sehe er keinen Grund, das noch schönzureden.

Ralf Vogt, Integrationsbeauftragter des Landkreises, wies auf die Möglichkeit hin, „Sportlotsen“ einzuschalten, die „vermitteln und Spieler etwas bei der Hand nehmen“. Er regte zudem als integrative Geste ein Freundschaftsspiel zwischen TSV Achim und SV Genclerbirligi an: „Dem steht doch offenbar nichts mehr entgegen“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Dortmund Tabellenführer - Fortuna verdirbt Bremens Party

Dortmund Tabellenführer - Fortuna verdirbt Bremens Party

Fotostrecke: Fan-Proteste und drei Gegentore zum Saison-Start

Fotostrecke: Fan-Proteste und drei Gegentore zum Saison-Start

Demonstranten in Hongkong trotzen den Warnungen aus Peking

Demonstranten in Hongkong trotzen den Warnungen aus Peking

"laut & draußen"-Festival auf dem Rotenburger Pferdemarkt

"laut & draußen"-Festival auf dem Rotenburger Pferdemarkt

Meistgelesene Artikel

Nach spektakulärem Unfall: Der zweite Geburtstag von Bäckerin Jutta Radeke

Nach spektakulärem Unfall: Der zweite Geburtstag von Bäckerin Jutta Radeke

Ein kleines bisschen mehr als klein

Ein kleines bisschen mehr als klein

Nun braucht der Sport neue Bedingungen

Nun braucht der Sport neue Bedingungen

Mit dem Wohnmobil von China nach Felde

Mit dem Wohnmobil von China nach Felde

Kommentare