Fachtagung der IG Bauernhaus besichtigte Eschels Hoff / 70 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren unterwegs

Es gab Baulust im Dreißigjährigen Krieg

Oyten - BENKEL (kr) · Zwei Reisebusse in Benkel zur gleichen Zeit fallen auf. Es gibt keine Gastwirtschaft, kein Hotel oder Ähnliches in dem abgelegenen Dorf, das zum Flecken Ottersberg gehört. Dafür aber seit ein paar Jahren eine Sehenswürdigkeit, für die Liebhaber alter Bauernhäuser einen weiten Weg auf sich nehmen: Eschels Hoff, vormals Hinners Hoff, ein Fachwerk-Hallenhaus, das in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges gebaut wurde.

Der IGB (Interessengemeinschaft Bauernhaus) war dieses Haus auf ihrer Fachtagungs-Exkursion durch die Landkreise Rotenburg und Verden einen Abstecher wert. Unter den von Bauernhaus-Experte Dr. Wolfgang Dörfler aus Gyhum geführten rund 70 Besuchern waren zahlreiche Spezialisten für Restauration, Sanierung und Wiederaufbau sowie etliche Besitzer ähnlicher baulicher Kleinode. Gäste aus Freiburg, Bamberg und Passau gehörten zur Gruppe.

Alle wurden von Professor Ludwig Fischer, dem Hausbesitzer in Benkel, begrüßt. Bei mildem Frühlingswetter besichtigten die Reisenden zunächst das Haus von außen und staunten über seine Ausmaße. Professor Fischer unterhielt die Gäste mit launigen Anmerkungen über den Erwerb und fachgerechten Abbruch des Bauernhauses. Seinerzeit, vor fast 15 Jahren, hatte es sich in einem erbärmlichen Zustand befunden.

Als Teil eines bäuerlichen Ensembles stand es etwa 100 Meter entfernt vom heutigen Standort. Dieses Niedersächsische Hallenhaus mit dem geschätzten Baujahr 1640 war das älteste Gebäude Benkels und stand kurz vor dem Abriss.

Professor Fischer, Literaturwissenschaftler, ehemaliger Dekan der Universität Hamburg und jetzt im Ruhestand, erkannte das Potential des Gebäudes. Er entschied sich, es zu retten und holte sich mit den bekannten Restauratoren und Bauexperten Hans-Joachim Turner aus Riekenbostel und dem Ottersberger Bodo Vogel Fachleute an die Seite, die behutsam Balken für Balken, Stein für Stein abtrugen und lagerten, um das Gebäude in Sichtweise des ursprünglichen Standortes auf einem großzügigen Baugrundstück neu entstehen zu lassen.

Hatte sich das ursprünglich zu Wohnzwecken samt Tierhaltung, Heu- und Strohlagerung genutzte Gebäude am alten Standort zum Schandfleck Benkels entwickelt, so erstrahlt es seit einigen Jahren wieder in früherem Glanz. Es zeugt damit von bäuerlichem Wohlstand, den es in manch abgelegenen Orten auch im Dreißigjährigen Krieg trotz der flächendeckenden Verwüstung Deutschlands noch gab.

„Es war in manchen Gegenden so, dass Getreidebauern durch Lieferungen an die Kriegsherren zu Wohlstand kamen. Das Gleiche galt für Bauern mit größerer Viehhaltung. Die großen Heere mussten ernährt werden, also stiegen die Preise für bäuerliche Erzeugnisse. Tatsächlich ging der lange Krieg an manchen abgelegenen Orten auch vorbei“, erklärte Dr. Wolfgang Dörfler, Vorsitzender der Regionalgruppe des IGB und Mitstreiter im Wissenschaftsverbund Hausforschung.

Zu vermuten sei auch, dass die Holzzuteilung von der Obrigkeit hier und da großzügig gehandhabt wurde, so dass einige gewaltige Häuser wie das in Benkel entstehen konnten.

Neben dem Besuch dort standen für die Teilnehmer der Fachtagung Besichtigungen von Gebäuden in Ramelsen, Holtum-Geest, Sottrum, Eitze und Riekenbostel auf dem Programm.

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