Günter Willumeit zieht bei seiner Abschiedsvorstellung in der Achimer Aula noch einmal alle Register

Bauernregeln und Witze am Fließband

Kreiszeitung Syke

Achim - Von Bernd Hägermann· Vor seinem Ruhestand zieht Bauer Piepenbrink, alias Günter Willumeit, noch einmal tiefe Furchen in die norddeutsche Humor-Landschaft.

Dort, wo heutzutage vor allem Kraut und Rüben gedeihen, hat der ehemalige Zahnarzt Willumeit seinen Kult-Landwirt über mehrere Jahrzehnte reichlich Saat ausbringen lassen. Die Früchte erntet der Spaßarbeiter aus Bad Segeberg jetzt auf seiner Abschiedstournee. Auf Einladung des Achimer Kreisblatts gab Willumeit/Piepenbrink in der voll besetzten Aula des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums am Mittwochabend etliche selbst verfasste Bauernregeln zum Besten und darüber hinaus Witze am Fließband.

Willumeit saß zwar alleine auf der Bühne vor geschlossenem Vorhang, doch war eine seiner (Kunst-) Figuren immer gegenwärtig.

Steffen ist eine treue Seele, aber nicht besonders helle. Als Mitglied des Piepenbrinkschen Stammtisches verblüfft er die Runde immer wieder mit umfassender Ahnungslosigkeit. Von Kunst und Politik hat Steffen keinen blassen Schimmer, was er gemein hat mit vielen Politikern, und auch Papageien-Freunde sollten sich vor ihm in Acht nehmen. Um Möwen endlich Manieren beizubringen, will Zuchtexperte Steffen sie nämlich mit Papageien kreuzen: „Dann könnten die Möwen sich zumindest entschuldigen, wenn sie mir auf die Mütze kacken.“

Zwischen Döntjes aus seiner Bad Segeberger Heimat findet Günter Willumeit Gelegenheit, alte Freunde wie Max Lorenz im Publikum zu begrüßen und an andere zu erinnern – Heidi Kabel und Uwe Seeler.

Ans Herz gewachsen sind ihm auch die ersten Bundespräsidenten der Republik. Willumeit ist nicht nur ein professioneller Witze- und Geschichtenerzähler, sondern ebenso ein talentierter Parodist, von dem junge Kollegen lernen könnten. Augen zu und genießen. Den schwäbelnden „Papa“ Heuss oder den Sauerländer Heinrich Lübke, der häufig orientierungslos wirkte und es tatsächlich war, lässt er aufleben. Dass Lübke mit seinen rhetorischen Patzern keine ernsthaften diplomatischen Krisen heraufbeschworen hat, gleicht einem Wunder. Und was macht Günter Willumeit? Er vernichtet nicht, sondern feiert in seinem Programm die menschlichen Schwächen. Das Stärkste an Heinrich Lübke war übrigens Ehefrau Wilhelmine.

Willumeit kann nicht nur anrührend, sondern auch zotig. Dann lässt er „Angsthase“ Steffen bei der Nachbarin übernachten, wenn die Göttergattin auf Reisen ist, und affig trommelnde Männer darüber schwadronieren, wie häufig sie nächtens noch „können“. Schon Rio Reiser wusste: Alles Lüge!

Willumeit, der nach Selbsteinschätzung als Zahnarzt „von der Hand in den Mund“ gelebt hat, ist derzeit nicht gut zu Fuß. Eine Hüft-Operation bremst den flotten Gang. Rasend schnell ist an diesem Abend nur sein Mundwerk.

Das allerdings sorgt für Stürme der Heiterkeit und langen Beifall.

Günter Willumeit begeisterte noch einmal sein Publikum in der ausverkauften Achimer Aula. Fotos: Hägermann

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