Mitarbeiter des St. Johannisheims gestalteten Seelentücher / Würdevoller Umgang mit dem Tod

Ein Ausdruck des Respekts

Karin Tewes, Imke Blome, Silke Büttinghaus, Gabriele Bock und Marita Kersten (v.l.) vor den von ihnen gestalteten so genannten Seelentüchern.

Verden - (kp) · Ein Leuchtturm, der seine lenkenden Strahlen in die Welt entsendet; ein Fluss, der sich durch die Landschaft einer geöffneten Tür entgegen schlängelt; ein prächtiges Tor, hinter dem eine schemenhafte Figur auf eine untergehende Sonne zugeht: Bei der Gestaltung von fünf großformatigen Stoffbahnen griffen die Mitarbeiterinnen des St. Johannisheims beherzt in die Farbtöpfe. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie für traurige Anlässe verwendet werden sollen.

Seelentücher werden die beidseitig bemalten Fahnen genannt, die in den fünf Wohnbereichen des St. Johannisheims davon künden werden, dass ein Bewohner verstorben ist. Die Stoffbahnen hängen dann über der jeweiligen Zimmertür.

Das, so erklärte Stefanie Seemann, Pflegedienstleiterin der St.-Johannis-Tagespflege, sei ein Ausdruck des Respekts dem Toten gegenüber. Und es gebe Besuchern die Chance, sich innerlich auf die Begegnung mit dem Verstorbenen einzustellen.

Bislang, ergänzte Pflegedienstleiterin Bettina Oetting, habe man einfach einen Zettel an die Tür gehängt, der dazu aufforderte, sich umgehend bei den Mitarbeitern zu melden.

Dass dies nun anders, würdevoller gehandhabt wird, ist das sichtbare Ergebnis eines Workshops zum Thema Hospiz- und Palliativkultur, den das Diakonische Werk Hannover angeboten hatte.

„Wir sind echt weit“, machte Bettina Oetting deutlich, dass im St. Johannisheim als kirchlicher Einrichtung auch zuvor schon offen und auf besondere Weise mit den Tod umgegangen wurde.

Seit sieben Jahren beispielsweise gebe es die Aussegnung. Diese kurze Andacht am Totenbett ermögliche es der Familie, Freunden und Bekannten, aber auch Mitarbeitern und Bewohnern, sich im Heim von dem Verstorbenen zu verabschieden. Auch Aushänge an drei markanten Stellen im Haus, das Schmücken des Nachtschrankes, die Feier im Februar, bei der alljährlich der Toten des vergangenen Jahres gedacht wird, und die Erinnerungswand in der Tagespflege sind feste Bestandteile der Sterbekultur.

Aber die Mitarbeiter des Johannisheims seien stets offen dafür, Gewohntes zu hinterfragen und Neues anzunehmen, so Bettina Oetting. Daher habe es auch keiner langen Suche bedurft, als im Rahmen des Workshops eine hausinterne Arbeitsgruppe gebildet werden sollte.

Der Griff zum Pinsel habe die Mitarbeiter durchaus Überwindung gekostet, berichteten die beiden Pflegedienstleiterinnen. Doch die früherer Kunstlehrerin Helga Schwoch, die die Arbeitsgruppe ehrenamtlich betreute, habe es vermocht, den Mitarbeiterinnen die Angst vor dem kreativen Tun zu nehmen.

Auf die Idee zu den Tüchern war die Gruppe über die farbenfrohen Seelenbretter von Bali Tollak gekommen. Inspiriert von den früher für Bestattungen verwendeten Totenbrettern, gestaltete die bayerische Künstlerin farbenfrohe Hölzer. Sie sollen die Lebenden innehalten lassen und zum Nachdenken auch über die eigene Sterblichkeit anregen.

„Eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten“ seien diese Bretter, erklärte Bettina Oetting. Als solche sollen auch sie im St. Johannisheim Einzug halten, unter anderem in der Tagespflege.

Der Workshop des Diakonischen Werkes ist damit so gut wie abgeschlossen. Im St. Johannisheim wird man sich aber weiter mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen. Damit umgehen zu können, sei den Mitarbeitern immer wieder ein persönliches Anliegen, bekräftigten die beiden Frauen. Und darüber hinaus strebe das Haus eine Zertifizierung an, als hospiz- und palliativkompetente Einrichtung.

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