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Auch die Verdener Tafel spürt den Krieg

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Von: Katrin Preuß

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Spendendosen-Aufsteller gesucht. Die Tafel-Vorsitzende Liane Schulz würde sich freuen, wenn Geschäftsleute die Büchsen auf ihren Tresen platzieren.
Spendendosen-Aufsteller gesucht. Die Tafel-Vorsitzende Liane Schulz würde sich freuen, wenn Geschäftsleute die Büchsen auf ihren Tresen platzieren. © Preuß

Der Dachverband der Tafeln in Deutschland schlug in diesen Tagen Alarm. Die Folgen des Krieges in der Ukraine seien auch in den bundesweit mehr als 960 Hilfseinrichtungen spürbar. Die Verdener Tafel macht da keine Ausnahme, wie eine Nachfrage beim Trägerverein ergab.

Verden - Bunte Tulpen- und Narzissensträuße – an diesem Ort Luxusartikel – begrüßen die Gäste schon im Eingang. Wer es bis hierhin geschafft hat, hinter dem liegt schon eine geraume Zeit geduldigen Wartens. Es sei denn, er oder sie hatte Losglück und konnte eine der vorderen Nummern ergattern, die zum Eintritt berechtigen und an jeden Ausgabetag neu vergeben werden. Wer drin ist, schnappt sich einen Einkaufwagen und kann loslegen.

Die Regale und Kühltheken sind gut gefüllt mit Obst, Gemüse, Milch- und Fleischprodukten. Noch. Trotz steigender Nachfrage. Und trotz der Konkurrenz durch andere „Retter“ von Lebensmitteln, die teils dieselben Quellen ansteuern. Und die nicht nur an Bedürftige, wie Hartz-IV-oder Bafög-Empfänger, abgeben.

Blumen sind ein seltener Luxus, genauso wie Hygieneartikel, Waschmittel oder Windeln.
Blumen sind ein seltener Luxus, genauso wie Hygieneartikel, Waschmittel oder Windeln. © Preuß

Hygieneartikel sind Luxuswaren

Ihre Einnahmen generiert die Tafel vor allem aus dem, was die Gäste zahlen. Das sind mindestens drei Euro für Einzelpersonen und maximal acht für Familien. Unabhängig davon, wie viel Ware sich jeweils im Einkaufswagen befindet.

Heiß begehrt an diesem Tag sind Glühlampen. Noch so ein Luxusartikel. Genauso wie Waschpulver, das portionsweise ausgegeben wird, damit möglichst viele etwas davon abbekommen. Oder Windeln.

530 Ausweise hat die Tafel aktuell ausgegeben

„Ab 12 Uhr fangen wir mit der Ausgabe an, an fünf Tagen in der Woche “, berichtet Liane Schulz, die erste Vorsitzende des Vereins Verdener Tafel. „Mittlerweile wird es dann schon mal halb vier, dann können wir abschließen.“ Klar, es muss ja alles wieder aufgeräumt werden. Dass die Ehrenamtlichen der Tafel viel und lange zu tun haben, ist aber vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Zahl der stetig Bedürftigen wächst. Der Krieg in der Ukraine beschleunigt das noch.

530 Ausweise, die Einzelpersonen, aber auch ganze Familien zum Einkauf berechtigen, hat die Verdener Tafel derzeit ausgegeben. Tendenz steigend. Nicht, weil nun auch Geflüchtete aus der Ukraine kommen. Von ihnen merkt man an der Ulanenstraße nichts. Aber der Krieg treibt die Preise und damit die Kosten für den Lebensunterhalt nach oben.

Das erleben die Bedürftigen, deren Börse nun noch ein wenig schmaler geworden ist. Nicht selten würden an der Tafel-Kasse die letzten Cents zusammengekratzt, berichten Liane Schulz und Mit-Vorständlerin Gisela Görz.

Aber auch die Tafel selber bekommt die steigende Inflationsrate zu spüren. „Unsere Tankrechnungen gehen in die Höhe“, stellt Liane Schulz fest. Zwei Kühlwagen sind von Montag bis Freitag im gesamten Südkreis unterwegs, um die Lebensmittel und andere gespendete Verbrauchsartikel bei Supermärkten und Unternehmen abzuholen. Da kommen jede Woche einige Kilometer zusammen.

Ohne Ehrenamtliche geht nichts bei der Verdener Tafel, weitere Helfer sind daher willkommen.
Ohne Ehrenamtliche geht nichts bei der Verdener Tafel, weitere Helfer sind daher willkommen. © Preuß

Und obwohl die Verdener Tafel im eigenen Haus keine Miete zahlen muss, so muss das Gebäude in der Ulanenstraße doch bewirtschaftet werden. „Den größten Anteil hat der Strom“, berichtet Schulz von den laufenden Kosten. Viele der Lebensmittel müssen gekühlt oder tiefgefroren gelagert werden.

Bei der Tafel gucken die Behörden ganz genau hin. Den Vorstand fuchst das ein wenig. Andere „Essensretter“, die gespendete Lebensmittel weiterverschenkten, hätten solch strenge Auflagen nicht, sagt Liane Schulz.

Kühl- und Frosthaus jedenfalls sind große Energiefresser. Gut, dass seit knapp zwei Monaten auf dem Dach des Tafel-Hauses eine Photovoltaikanlage in Betrieb ist. Dadurch, so hofft die Vorsitzende, bleibt der Verein vielleicht von einer hohen Nachzahlung an den Versorger verschont.

Stets auf der Suche nach Spendern

40 000 Euro hat die Tafel investiert, um aus Sonnenlicht Strom gewinnen zu können. Zur Hälfte, berichtet Liane Schulz, sei die Anlage von der Stadt finanziert worden. Die andere Hälfte habe die Tafel beigesteuert, auch mithilfe von Sponsoren.

Allen Unterstützern ist der Verein dankbar. Gleichzeitig aber würden sich das Tafel-Team über ein wenig mehr Aufmerksamkeit freuen. „Es ist immer ein Betteln“, beschreibt Liane Schulz das stete Bemühen um Hilfe.

Gut hätte der Verein beispielsweise Spenden gebrauchen können, als es bei Ausbruch der Pandemie darum ging, Schutzscheiben aus Acrylglas anzuschaffen. Auch der immer wieder notwendige Kauf von Masken und Desinfektionsmitteln belastet die Tafel-Kasse zusätzlich. „Oder jetzt die Energiekosten“, ergänzt Gisela Görz.

„Unsere Gäste sollen weiter gut versorgt werden“, formuliert Liane Schulz den Anspruch des Vereins. „Wir möchten keinen nach Hauses schicken.“ Denn nur dann fahren auch die Ehrenamtlichen zufrieden heim.

Unterstützung willkommen

Die Verdener Tafel, Ulanenstraße 19, kann immer Unterstützung gebrauchen, Ehrenamtliche oder Spender. Informationen gib es unter Telefon 04231/6773876, per E-Mail an verdener-tafel@gmx.de oder im Internet unter www.verdener-tafel.de.

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