Ottersberger Initiative belehrt Bürgermeister / Baumschnitt Thema im Ausschuss

Das alte Lied von den Linden

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Dieses Buch erhielt der Bürgermeister von der Initiative „Unter Ottersberger Linden“.

Ottersberg - Von Lisa DuncanIm November bereits sind an der Straße Am Wiestebruch in Ottersberg einige Linden gekappt worden. Das missfiel der Initiative „Unter Ottersberger Linden“. Anlässlich der heutigen Sitzung des Umweltausschusses nahm die Bürgerinitiative eine symbolische Geste vor – und überreichte Fleckensbürgermeister Horst Hofmann ein Buch über die richtige Pflege von Linden.

Die Initiative, rund zehn Ottersberger, die allerdings keine direkten Anwohner der Straße Am Wiestebruch sind, möchte mit der Aktion „Druck aufbauen“, sagt Wortführer Friedrich Bartels auf Nachfrage. Zum Thema Rückschnitt von Bäumen haben die Fraktionen von Grüne, FGBO und SPD für heute Abend Anträge angekündigt. Zum Einstieg hält Ulrich Voss, Diplom-Ingenieur für Landespflege, einen Vortrag.

„Die Unterzeichneten übergeben dieses Buch in der Absicht, den Bürgermeister über den Wert von Linden im öffentlichen Raum zu unterrichten“, schreibt Wortführer Friedrich Bartels in einer Pressemitteilung der Initiative. Der Radikalschnitt, den der Bürgermeister im Herbst veranlasst hatte, habe die Bäume zerstört. „Die Linden schlagen zwar wieder aus, aber nur mit kleinen Trieben und großen Blättern“, erläutert Bartels. Das sei ein Zeichen für den schlechten Zustand der Linden. „Für tierische und pflanzliche Parasiten sind solche Straßenbäume ein willkommenes Fressen, denn die entstellten Bäume sind ideale Wirte. Das Wurzelwerk wird zerstört und die Bäume faulen aus“, zitiert Bartels das Werk.

„Ich respektiere, dass die Ottersberger Bürger sich einsetzen“, sagt dazu Fleckensbürgermeister Horst Hofmann. Er werde das Buch mit dem „belehrenden Anschreiben“ jedoch nicht annehmen – zumal es auch viel zu teuer sei.

Der radikale Rückschnitt war im November 2011 auf Anfrage von Anwohnern erfolgt, sagt Bauhofsleiter Ralf Schack. Drei Jahre zuvor waren nach einem Sturm zwei Bäume entwurzelt und auf Häuser gekracht. Im Herbst 2011 bereitete das Wurzelwerk von fünf Linden einigen Anwohnern erneut Sorge. Deshalb hatten sie das Kappen der Bäume als Präventivmaßnahme gefordert. Wegen des hohen Grundwasserspiegels in Ottersberg gingen Baumwurzeln nicht sehr tief, erläutert Schack. Bei den betroffenen fünf Bäumen „konnte man schon sehen, dass die Erde sich hebt“. Aus Gründen der Verkehrssicherung habe der Bauhof gehandelt. „Da stehe ich nach wie vor dahinter“, betont er.

Bürgermeister Horst Hofmann gibt zwar offen zu, dass „der Bauhof es an einer Stelle zu gut gemeint“ habe mit dem Kappen. In Zukunft werde er auch davon absehen, auf Wunsch von Anwohnern Präventivmaßnahmen anzuordnen.

Das wäre ganz im Sinne von Friedrich Bartels. „Uns geht es darum, dass so etwas nicht nochmal passiert“, betont er. Denn am Wiestebruch stünden noch reichlich Lindenbäume, denen das gleiche Schicksal drohen könnte.

Zwar respektiere er den Wunsch der Anwohner, sich vor Baumschlag zu schützen oder durch den Baumschnitt mehr Tageslicht in die Wohnung zu bekommen. Doch bevor das nächste mal so eine Beschneidungsaktion vorgenommen werde, solle der Bürgermeister „sachkundige Experten hinzuziehen“.

Nach Angaben des Bauhofs wurde das vor der letzten Aktion nicht versäumt: „Ein externer Baumsachverständiger hat für uns ein Verkehrsgutachten erstellt.“ Wer noch höhere Maßstäbe für die Baumpflege fordere, müsse damit rechnen, dass die Arbeiten dann nicht mehr vom Bauhof übernommen werden könnten. „Und eine externe Vergabe der Aufträge kann mehr Kosten bedeuten“, so Schack.

Unabhängig davon, wie die Anträge im Umweltausschuss angenommen werden, plant die Bürgerinitiative weitere Aktionen, darunter ein „Lindenfest“. „Das kann man sich als halbstündiges Happening vorstellen, mit Volksliedern über Linden“. Schließlich wolle man sich ja nicht immer nur beschweren.

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