1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden

Chronik des TSV Kirchlinteln: Als bei Meyers noch Licht brannte

Erstellt:

Von: Reike Raczkowski

Kommentare

1975: Vor dem Endspiel um den Kreispokal in Rieda. Das Spiel verloren die Kirchlintler gegen Borstel. Wer erkennt sich auf diesem
1975: Vor dem Endspiel um den Kreispokal in Rieda. Das Spiel verloren die Kirchlintler gegen Borstel. Wer erkennt sich auf diesem © wieder? Foto: Sammlung Meyer

Kirchlinteln – „Nach Hause, nach Hause, nach Hause gehn wir nicht, bei Meyers, bei Meyers, bei Meyers brennt noch Licht!“ Wer beim Lesen dieser Zeilen zumindest im Kopf mitgesungen hat, der ist wahrscheinlich Mitglied des TSV Kirchlinteln. Das Lied, das auch mit ein paar Promille im Blut noch leicht vorzutragen ist, sangen früher besonders die Handballer gerne, wenn sie nach einem Spiel noch in die Vereinsgaststätte zogen. Diese und viele weitere Anekdoten zum Vereinsleben hat Kirchlintelns Hobbyhistoriker Hermann Meyer ausgegraben, als er für die Chronik des örtlichen Sportvereins recherchiert hat. Das Buch über 100 Jahre TSV Kirchlinteln ist mittlerweile erhältlich.

Hermann Meyer spricht mit circa 100 Zeitzeugen

Und sicher ist das Werk auch interessant für Kirchlintler, die gar kein Mitglied im TSV sind. Denn Vereinsgeschichte ist immer auch ein Stück weit Orts- und Kulturgeschichte. „Allein die Historie der Vereinsgaststätte Meyer wäre ja schon ein ganzes Kapitel wert gewesen“, berichtet Meyer, der für das Buch mit circa 100 Zeitzeugen gesprochen hat. „Im Saal des Gebäudes an der Wehrstraße fanden früher auch Turnübungen statt. Im Zweiten Weltkrieg waren dort Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht, nach der Befreiung dann Flüchtlinge. Später war es der Proberaum einer Band und heute ist die ehemalige Gaststätte Meyer das Warenlager einer örtlichen Firma.“

In Spitzenzeiten waren in Kirchlinteln 17 Handballmannschaften aktiv

Zahlreiche bisher unveröffentlichte Texte von früheren Spartenleitern, Erinnerungen ehemaliger Sportler und natürlich unzählige Fotografien – Mannschaftsfotos, Wettkampfbilder und Schnappschüsse – finden sich in der Chronik wieder. Hermann Meyer bedankt sich in diesem Zusammenhang bei allen Zeitzeugen, die ihn mit Informationen und Fotos versorgt haben.

Klar, dass eine Sportart in der Chronik besonders großen Raum bekommt: „Kirchlinteln war ja lange bekannt als das Handballdorf. In der Spitzenzeit, den 70er-Jahren, nahmen in Kirchlinteln 17 Mannschaften am Punktspielbetrieb teil.“ Sie gewannen zahlreiche Spiele und Titel.

Sägespäne statt Kreide

In noch früheren Zeiten sei Feldhandball auf dem Mühlenplatz gespielt worden, dem Gelände hinter der heutigen Sparkasse. „Damals gab es keine Kreide. Die Spieler haben sich deswegen gegenüber bei der Zimmerei Zweibrück Sägespäne geholt und damit die Spielfeldlinien gezogen.“ Das habe ihm ein Zeitzeuge berichtet, erzählt Meyer. Ein anderer konnte sich noch gut daran erinnern, dass er einst dem TSV auf dem Schützenfest beigetreten sei. Seine Mitgliedschaft habe er schriftlich bekundet – auf einem Bierdeckel.

Chronik kostet 35 Euro und ist bereits erhältlich

„Das wird doch heute noch so gemacht“, lacht Maik Meyer, der Sohn von Hermann Meyer. Er zeichnet mit seiner Firma „Web – Print – Design“ für die Gesamtherstellung des 440 Seiten starken und 1320 Gramm schweren Druckwerkes verantwortlich. Herausgeber der Chronik ist der TSV Kirchlinteln. Kurz vor Ostern kam sie auf den Markt und es wurden bereits 60 Exemplare verkauft.

Zu einem Preis von 35 Euro gibt es die Chronik bei Edeka in Kirchlinteln, in der Tankstelle Bomnüter sowie in den Buchhandlungen Mahnke und Heine in Verden.

Auch interessant

Kommentare