Organisierte Mediziner an Klinik machten mit „aktiver Mittagspause“ auf Forderungen aufmerksam

Ärzte: „Nicht länger abstrampeln“

Auf sportliche Art demonstrierten Ärztinnen und Ärzte an der Aller-Weser-Klinik in der Empfangshalle des Achimer Krankenhauses gestern für ihre Anliegen.

Achim (mm) · „Wir strampeln uns für unsere Patienten ab“. Unter diesem Motto trat Dr. Anke Hornemann, Assistenzärztin in der Abteilung für innere Medizin des Achimer Krankenhauses, auf einem in der Empfangshalle der Klinik platzierten Ergometer in die Pedalen, während Kolleginnen und Kollegen Seil sprangen oder Gummitwist praktizierten.

Nanu, wunderte sich manch ein Besucher des Hauses, was geht denn da ab? – Mitglieder des Marburger Bunds an der kommunalen Klinik legten gestern eine „aktive Mittagspause“ ein, um damit bessere Arbeitsbedingungen einzufordern.

In den vergangenen zwei Jahren sei die „Innere“, was die Ärzte betrifft, nie voll besetzt gewesen, berichtet Hornemann. „Mindestens eine der neun Planstellen war immer vakant.“

Nicht zuletzt wegen der „hohen Arbeitsbelastung“ habe es in der Abteilung eine große Fluktuation gegeben. Mediziner wanderten zu Privatkliniken oder ins Ausland ab, wo ihre Arbeit auch besser bezahlt werde. Personelle Lücken bei den Ärzten habe die Geschäftsführung der Aller-Weser-Klinik zuletzt sogar mit Leiharbeitern gestopft.

Die gestrige kurze Aktion, die laut einem Plakat auch unter der Überschrift „Für unsere Patienten immer auf dem Sprung“ stand, sei „eher symbolischer Art“ gewesen, erklärte Dr. Hornemann. Keine einzige Diagnose oder Behandlung habe deshalb ausfallen müssen.

Aber eben auch an anderen Tagen, nicht von sportlichen Übungen unterbrochenen Schichten, legten sie und die Kollegen zwischendurch kaum mal die Beine hoch, meistens könne die halbstündige Mittagspause ohnehin nicht genommen werden. Auch Chirurgen aus dem Haus sowie eine Ärztin und ein Arzt aus der Aller-Weser-Klinik in Verden fanden sich gestern zu der Demonstration, zu der Art Mini-Streik, nach und nach ein.

Sie alle gehören dem Marburger Bund an, das ist der Verband der angestellten und verbeamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands. Bundesweit fordern die Mitarbeiter an den kommunalen Kliniken mit verschiedenen Aktionen und an wechselnden Standorten in der Tarifrunde 2010: „Schluss mit den Zumutungen!“

Tausende unbesetzte Stellen, steigende Arbeitsbelastung, Nachtdienste zu Dumpinglöhnen, Minusstunden nach nicht mehr voll angerechnetem Bereitschaftsdienst und unbezahlte Mehrarbeit stehen auf der Negativliste des Marburger Bunds. Das müsse sich unbedingt ändern.

Deshalb streikten die Beschäftigten für „bessere Arbeitsbedingungen an den Krankenhäusern, eine anständige Bezahlung ärztlicher Arbeit, eine bessere Vergütung der Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen“. Die Ärzte-Gewerkschaft hält unter anderem „eine lineare Anpassung der Gehälter“ um durchschnittlich fünf Prozent und den Wegfall von „gesetzwidrig überlanger Arbeitszeiten“ für notwendig.

Der Geschäftsführung der Aller-Weser-Klinik dürften die Forderungen kaum schmecken. Im Zuge eines Sicherungspakets zum Erhalt der Krankenhäuser in Achim und Verden muss die Belegschaft an beiden Standorten aktuell Gehaltsabschläge zwischen vier und sechs Prozent hinnehmen.

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