Der Club hat bei der Bekämpfung gegen Vertrag verstoßen / Stadt lehnt alle chemischen Mittel ab

Ärger um Golfplatz-Schädlinge

Die Vögel zwitschern, die Frösche quaken, die Bälle fliegen und rollen. Nun ist die Sportanlage in der Naturidylle und im Wasserschutzgebiet durch den Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel ins Gerede gekommen.

Achim - Auf früherer gedüngter Ackerfläche hat der Achimer Golfclub Biotope geschaffen und Preise für seinen ökologischen Einsatz bekommen, aber nun ist herausgekommen, dass er auf kleinen Flächen des 125 Hektar großen Areals mit Pestiziden gegen Schädlinge vorgegangen ist, und das darf er laut Vertrag mit der Stadt Achim aus dem Jahr 1998 im Wasserschutzgebiet (II und III) nicht.

Die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft des Golfplatzes hatten es in ihren Protokollen selbst gemeldet und sagen, sie seien sich des Verbots nicht bewusst gewesen. Sie hatten die Vertragsbestimmung nicht mehr im Kopf beziehungsgweise hatten sie in ihrem Vertragsentwurf von damals nicht entdeckt. Seit 2002 hat wohl die bundesweit tätige Fachfirma auch Pestizide eingesetzt, die andernorts alle für Wasserschutzgebiete zugelassen sind. So hatten die mehrmaligen Boden- und Wasseruntersuchungen zusammen mit den Umweltexperten des Kreises und der Stadt auch nie Beanstandungen ergeben, weshalb die Zahl der jährlichen Kontrollen verringert worden war.

Das hilft dem Club in diesem Fall allerdings alles nichts. Da der nach heftigsten politischen und ideologischen Debatten im Jahr 1998 zustande gekommene Vertrag über den Golfplatz jeglichen Einsatz von Pestiziden ausschließt, wird der Golfclub von der Stadt bestraft mit dem Anpflanzen von Gehölzen auf einer 1000 Quadratmeter großen Fläche.

Damit ist die Angelegenheit für den Verein allerdings nicht ausgestanden, denn Schädlinge, zum Beispiel der Schneepilz oder Insekten, sind nun mal nur mit Chemikalien zu bekämpfen, sagt Wolfgang von Laguna, Beiratsmitglied der Betreibergesellschaft. Im Gegensatz zum Vertragsjahr 1998 seien seit ein paar Jahren Schädlingsbekämpfungsmittel entwickelt worden, die abgebaut werden und deshalb auch in Wasserschutzzonen zugelassen sind, argumentiert er.

Der Golfclub hat deshalb bei der Stadt und der Wasserbehörde des Kreises beantragt, dass der Durchführungsvertrag mit der Stadt geändert wird und auf fast neun Hektar und 24 Prozent der Spielfläche Mittel gegen Pilze (Fungizide), gegen Insekten (Insektizide) und Pflanzen (Herbizide) eingesetzt werden dürfen. Dreimal im Jahr soll auf 15 000 Quadratmetern der Grüns und einmal auf 2000 Quadratmetern der Abschläge mit Fungiziden vorgegangen werden. Die Bereiche sind mit Geschiebelehm abgedichtet und mit Drainage versehen.

Insektizide sollen einmal im Jahr auf 9000 Quadratmetern, davon 5000 Quadratmeter ungedichtet, versprüht werden. Mit Herbiziden soll auf 63 000 Quadratmetern der weitgehend nicht abgedichteten, mit Klee überwucherten Fairways vorgegangen werden.

Während Landrat Peter Bohlmann jüngst im Kreistag sagte, der durchaus aufgeschlossene Kreis sei nicht zuständig, das sei Sache des Vertragspartners Stadt Achim, hat deren Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung den Antrag des Golfclubs mittlerweile rundweg abgelehnt.

Wolfgang von Laguna hofft, dass sich doch noch in Gesprächen mit der Stadt, der Wasserschutzbehörde des Kreises und dem Trinkwasserverband eine vernünftige Lösung finden lässt, nach der wenigstens in genehmigten Einzelfällen punktuell im Beisein von Experten die für Wasserschutzgebiete zugelassenen Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt werden dürfen. Man könne sich auch auf exakte Wirkstoffe verständigen.

Von Laguna: „Wir setzen die Mittel, die uns viel Geld kosten, ja nicht aus Jux und Dollerei ein, sondern weil es bei der Schädlingsbekämpfung keine Alternative zu ihnen gibt.“ Immerhin hat die Stadtverwaltung in ihrer vertraulichen Stellungnahme zumindest schon einmal Entgegenkommen bei abgedichteten Flächen signalisiert.

Findet der Verein keinerlei Verständnis, laufe man Gefahr, dass erhebliche Teile des naturbelassenen Golfplatzes von Schädlingen zerstört würden, nicht nur viele junge und alte, vermögende und nicht vermögende Golfer ihre Spielstätte, sondern auch die Region eine nicht unbedeutende Attraktion verlieren würden.

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