1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden

Stedebergen: Ärger auf dem adeligen Gut von Sandbeck

Erstellt:

Kommentare

Ein altes Fachwerkgebäude.
Der ehemalige Hof Nr. 20, Teil des Gutes von Sandbeck, wurde 1974 abgerissen. © rengstorf

Auf eine wechselvolle Geschichte konnte der ehemalige Hof Nr. 20, Teil des Gutes von Sandbeck, zurückblicken. Die Hofgründung erfolgte im Jahr 1581 mit Genehmigung des Bischofs. 1974 wurde das Gebäude abgerissen.

Stedebergen – Ein Hof, das Haus in Fachwerk gemauert, eine ausladende Dachfläche, mehr und mehr dem Verfall preisgegeben, dann der Abriss: Nur noch wenige Einwohner der Ortschaft Stedebergen können sich an die ehemalige Hofstelle Nr. 20, auf der heutigen Obstwiese von Ralf Elmers erinnern. Ein Haus mit einer langen Geschichte.

Im Zuge der Gründung des „Adeligen Gutes von Sandbeck“ in Stedebergen, bekam 1581 Domherr Jürgen von Sandbeck, die Genehmigung, mit vier weiteren Höfen, ein adeliges Gut einzurichten. Sandbeck, der auch Inhaber der Domvikarie von St. Andreas war – dazu gehörten auch zwei Hofstellen in Stedebergen, Thoms Hof Nr. 3, heute Heinrich Behrmann und Reimers Hof Nr. 5, heute Ralf Elmers, – bekam die Genehmigung ob seiner erworbenen Verdienste von Bischof Eberhard von Holle.

Zum Gut gehörte auch die 1654 erstmals erwähnte Hofstelle Nr. 20 von Claus Körner, als Brinksitzer des Gutes von Sandbeck. Die drei weiteren Brinksitzer des Gutes waren: Hof-Nr. 16, Reineke Sellingsloh, heute Dieter Lührs, der Hof-Nr. 17, Hinrich Dittmers, heute Siegfried Hellwinkel und Hof Nr. 18. Hans Narries, (heute Arnold Schröder). Die Eigentümer konnten sich entscheiden, ob sie eine geringe Abfindung annehmen und den Hof verlassen würden und die Zuweisung eines Deputathauses mit einer Ackerfläche für eigenes Vieh akzeptierten. Alle vier entschieden sich als „Brinksitzer des Gutes“ auf ihren Hof zu bleiben und auf dem Gut als Deputatlöhner zu arbeiten. Ihre Ländereien gingen in den Besitz des „Adeligen Gutes von Sandbeck“ über.

Im „Münsterischen Krieg“ 1675 bis 1679 wurde der Hof Nr. 20 durch einen Brand zerstört. Dietrich Röhrs aus Holtebüttel hatte den Hof 1669 käuflich erworben und heiratete 1670 Metta Sellingsloh, die Tochter von Ditmer Sellingsloh von Hof Nr. 16. Ihr Sohn Johann Röhrs baute das Haus 1698 wieder auf. Die Tochter Mette Margarete heiratete 1734 Johann Barnstedt aus Stedebergen. Bis 1887 blieb der Hof in der Familie Barnstedt, dann übernahm Hermann Blohme den Hof. Blohmes Tochter Sophie heiratete 1919 Christoph Rohde aus Otersen. Willi Rohde übernahm 1920, verheiratet mit Thea Wendte aus Stedebergen. Die Hofstelle wurde dann mit Hof.Nr. 5 vereinigt.

Für Ärger im Dorf sorgte die Tatsache, dass die neue Besitzerin Sophie Barnstedt, verheiratete Blohme, 1899 die Hofstelle an Schäferhundzüchter und Ausbilder August Sasse aus Wahnebergen verpachtete. Das Heulen und Hundegebell störte nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch viele Einwohner des Dorfes. Nach mehreren Zusammenkünften der Einwohnerschaft und Gemeinderatssitzungen, fand man eine Lösung: Nachbar Friedrich Wendte, stellte für eine Aussiedlung der Hundeschule an der Grenze nach Wahnebergen, am heutigen Stedeberger Weg Nr. 28, ein Grundstück für eine Umsiedlung zur Verfügung.

Dort baute August Sasse bis 1914 einige Hundezwinger und ein neues Wohnhaus, dort zog später auch sein Schwiegersohn, Tierarzt Dr. Johann Honebein, ein. Dafür gab es eine Sondergenehmigung des Landratsamtes des Kreises Verden. Diese Aktion fand natürlich nicht das Wohlwollen der Nachbarschaft in Wahnebergen. Mehrere Klagen dagegen wurden allerdings abgewiesen.

In dem altem Strohdachhaus Nr. 20, das später mit Dachziegel eingedeckt wurde, wohnte die Familie Lüneberg, bis ihr Neubau am Stedeberger Weg fertig war. In der Nachkriegszeit hatte hier auch die Flüchtlingsfamilie von Friseur Ernst Hooge, der im 2. Weltkrieg ein Bein verloren hatte, eine Bleibe gefunden. Ernst Hooge versorgte die Dorfbevölkerung mit modernen Haarschnitten.

Später zogen dort Friedrich und Thea Struß sowie Tochter Christa und Schwiegersohn Walter Meyer ein. In einem Stallgebäude auf dem Grundstück, direkt an der Straße, wohnte einige Jahre die Flüchtlingsfamilie Hammel mit Mutter Maria und ihren Töchtern Hilde und Lore.

Das Stallgebäude und das alte Fachwerkhaus wurden in den 1970er-Jahren abgerissen. Die riesige Eiche und Kastanie wurden gefällt. Heute ist hier die Obstwiese von Ralf Elmers mit einer Dornenhecke eingezäunt. rfw

Auch interessant

Kommentare