Große Flüchtlingsfamilien aus Afghanistan und Syrien suchen Wohnraum

Der zwölfjährige Mustafa geht aufs Cato und ist Dolmetscher

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Auch diese afghanische Flüchtlingsfamilie lebt noch in der vom DRK betreuten Unterkunft in Clüverswerder: Sohaila und Hassan Alimi mit ihren Kindern Mushtaba, Mobin, Murtaza und Mustafa sowie Hassans Bruder Ali Sajad (hinten rechts).

Clüverswerder - Von Inka Sommerfeld. Zwei Flüchtlingsfamilien suchen ein Zuhause, eine große Wohnung oder ein Haus, denn es sind mehrköpfige Familien. Momentan sind sie in der Jugendfreizeitstätte Clüverswerder untergebracht - Von Inka Sommerfeld. jede Familie in nur einem Zimmer. Dennoch beklagen sie sich nicht. Im Gegenteil - Von Inka Sommerfeld. sie bedanken sich für die freundliche Aufnahme und Unterstützung.

„Im Januar kamen 47 Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, Afghanistan, Irak, Somalia und der Elfenbeinküste. Sie haben eine Odyssee hinter sich - erst die lange Flucht, und dann wurden sie in Deutschland von einer Unterkunft in die andere geschickt. Einige tourten zehn Monate lang durch Deutschland“, fasst Ulrika Moje vom Roten Kreuz zusammen. Sie betreut die Flüchtlinge ehrenamtlich und koordiniert die Helfer.

Das Rote Kreuz hilft in allen Fragen des Alltags, beispielsweise bei Übersetzungen. Eine Gruppe Ehrenamtlicher aus Achim gibt Deutschunterricht für diejenigen, die nicht in die Schule gehen. Zweimal pro Woche je anderthalb Stunden.

Inzwischen wird es ruhiger in Clüverswerder. „Seit zwei Monaten zieht eine Familie nach der anderen aus“, sagt Moje. Wohlgemerkt: die kleinen Familien. „Es war einfacher, für sie eine Bleibe zu finden“, hat sie beobachtet.

Jetzt sollen auch die siebenköpfige Familie Alimi aus Afghanistan und die ebenso große Familie Shamdin aus Syrien ein eigenes Zuhause bekommen. Dabei hoffen Moje und die Ehrenamtlichen auf die Hilfe ihrer Mitbürger.

Mustafa Alimi würde am liebsten nach Achim ziehen. „Mir gefällt die Stadt“, bekennt er. Als er vor vier Monaten in Clüverswerder ankam, besuchte er die Sprachlernklasse der Achimer Hauptschule, Jahrgangsstufe 7. Mit großem Erfolg: „Er hat eine Empfehlung für die siebte Klasse des Gymnasiums bekommen“, sagt Moje stolz, und der Zwölfjährige ergänzt freudestrahlend: „Nach den Sommerferien gehe ich aufs Cato.“ Ein Grund für ihn, in die Stadt zu ziehen. Naja, Oyten wäre auch nicht schlecht.

Jetzt fungiert Mustafa als Übersetzer für seine Familie und alle, die Persisch sprechen. Beispielsweise führte er viele Telefonate mit Vermietern. „Es kann nicht sein, dass so ein kleiner Junge sprachlich das Familienoberhaupt ist“, findet Moje. Aber auch im täglichen Leben sind die Sprachkenntnisse des Zwölfjährigen wichtig. „Wenn ich sichergehen möchte, dass die Afghanen alles verstanden haben, frage ich Mustafa“, sagt die Helferin.

Obwohl er ernst dreinblickt und sich seiner Verantwortung bewusst ist: Mustafa ist auch ein ganz „normaler“ Zwölfjähriger, der liebend gern Fußball spielt, die Europameisterschaft im Fernsehen verfolgt - „ich bin für Deutschland“ - und Inlineskates fährt. Zur Schule geht er ebenfalls gern: „Mathe ist mein Lieblingsfach.“

Zur Familie gehören Mustafas Brüder Murtaza (10), der die dritte Klasse der Schule am Paulsberg besucht, Mushtaba (6), der nach den Sommerferien eingeschult wird, und Mobin (3), der im August in den Uphuser Kindergarten kommt. Außerdem Mutter Sohaila (31), Vater Hassan (38) und Onkel Ali Sajad (21), die fleißig Deutsch lernen in Deutschkursen der Kreisvolkshochschule.

Dann ist da noch die syrische Familie mit Mutter Haidja und Vater Kamiran Shamdin und ihren Kindern Solin (21), Saman (20), Sipan (15), Hemin (10) und Hilen (6). Die drei „Kleinen“ gehen zur Schule, die beiden erwachsenen Kinder haben in Syrien studiert - Solin ist Bauingenieurin, Sipan ist IT-Experte. „Wir möchten gern in Bremen studieren, und deshalb nahmen wir an den Informationstagen für Flüchtlinge an der Uni teil“, berichtet Solin, die außer Deutsch fließend Englisch spricht - wie auch ihre Geschwister.

Jetzt war ein großer Tag für die beiden: Sie absolvierten die Aufnahmeprüfung, denn es wollen mehr junge Leute studieren als Plätze vorhanden sind.

Wer Wohnraum vermieten möchte, melde sich bei Ulrika Moje unter Telefon 04202/ 637336 - sie erteilt weitere Auskünfte.

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