Urteile zu zwei Einbrüchen in Achim

Zweiter Täter bleibt großer Unbekannter

Achim - Weil er an und um Weihnachten 2014 an zwei Einbrüchen in den Wohnungen eines älteren Ehepaars in Uphusen und einer Verstorbenen in Achim beteiligt war, verurteilte jetzt das Achimer Amtsgericht einen 40-jährigen aus Montenegro nach Deutschland gekommenen Mann für seine Beihilfe zu den Taten zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe. Er hatte nach den Worten seines Hamburger Verteidigers Thomas Lipinski „nur“ Schmiere gestanden und Chauffeur gespielt. Der Angeklagte und jetzt Verurteilte war damals von der Polizei am Grundbergsee nach misslungener Flucht festgenommen worden. Der Komplize im Auto war der Polizei damals allerdings entwischt.

Nach Auffassung der Polizei und der Staatsanwaltschaft war der ein entfernter Verwandter des Angeklagten, der deshalb ebenfalls auf der Anklagebank saß. Polizei und Staatsanwaltschaft hielten das für bewiesen, weil in einem im Tatwagen gefundenen Handschuh eine DNA-Spur von ihm gefunden worden war und weil Lichtbildvorlagen bei Opfern der Einbrüche dies zu bestätigen schienen.

Der am Grundbergsee Festgenommene behauptete jedoch, für einen Autokauf mit einem Rumänen aus Hamburg und nicht mit seinem entfernten Verwandten damals am Einbruchstag Richtung Achim gefahren zu sein. Der namentlich von ihm genannte Rumäne ist jedoch in Hamburg und Umgebung nicht feststellbar.

Auch die Befragung der damaligen potenziellen Autoverkäufer brachte vor Gericht keine Klarheit. Sie, Vater und Sohn, hielten jeweils einen anderen der zwei Angeklagten möglicherweise für einen damaligen Autointeressenten. Auch ein Phantombild des angeblichen Rumänen sagte ihnen gar nichts. Im Handschuhfach des Tatwagens gefundene Autopapiere auf den Namen des Rumänen könnten eine Fälschung sein.

Blieben der DNA-Treffer im Handschuh und die „90-prozentige“ Wiedererkennung anhand von der Polizei vorgelegter Vergleichsfotos. Diese Beweismittel versuchte der Bremer Verteidiger Manfred Getzmann zu entkräften. Bei der DNA-Spur handele es sich nur um eine Mischspur. Eine solche Spur könne man schon verursachen, wenn man einem anderen, der dann später einen Handschuh trage, vorher einen feuchten Händedruck gegeben habe.

Bei den Vergleichsfotos der Polizei seien außer dem Angeklagten kaum ähnliche südländische Typen präsentiert worden, sondern ganz anders Aussehende mit blauen Augen. Auch Richter Andreas Minge hielt schließlich all diese „Beweise“ für zu schwach, entsprach nicht dem Antrag von Staatsanwältin Marlene Wieland auf eine einjährige Bewährungsstrafe, sondern sprach nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten, ihn frei.

Der Mann hatte schon einmal unter anderem Namen einen Asylantrag gestellt und Vorstrafen wegen Körperverletzung und Diebstahls. Vor 16 Jahren war er wegen erpresserischen Menschenraubs verurteilt worden, doch das spielt juristisch keine Rolle mehr. 

mb

Rubriklistenbild: © dpa

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