CDU will neue Straße für Verkehrsentlastung

Achim: Kommt eine weite Weserquerung?

Viel Verkehr von der und zur Autobahn in Achim rollt über die Ueser Brücke.
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Viel Verkehr von der und zur Autobahn in Achim rollt über die Ueser Brücke.

Achims Verkehrsbelastung verursacht eine Menge Abgase, Lärm und Zeitverluste. Ein zweiter Weserübergang könnte Abhilfe schaffen, meint die CDU.

Achim – Die SPD und die Grünen können dieser Idee wenig abgewinnen, verweisen auf Kosten-, Planungs- sowie Umweltaspekte und verfolgen alternative Ansätze.

„Riesenstaus auf der L 156, die morgens bis hin nach Werder reichen“, beklagt Achims CDU-Vorsitzender Jürgen Striedieck. Der „Flaschenhals Ueser Kreuzung“ müsse entzerrt werden. Die verkehrstechnisch und umweltpolitisch bestmögliche Trasse für eine von der CDU befürwortete zweite Weserquerung, „ob durch die Bierdener Marsch oder im Bollener Bereich“, sollten seiner Ansicht nach Experten klären. „Die neue Straße müsste idealerweise mit einem Radweg ausgestattet und an eine Autobahn angebunden werden“, sagt Striedieck und betont: „Dadurch würde kein zusätzlicher Verkehr in Achim entstehen, sondern dieser nur verlagert und hochbelastete Streckenabschnitte im Stadtgebiet entlastet werden.“

Zwar würde ein neuer Weserübergang „sehr hohe Kosten“ verursachen, jedoch wäre das die „wirkungsvollste Maßnahme zur Entlastung der städtischen Straßen“, heißt es im Programm der CDU für die jüngsten Kommunalwahlen, aus denen die Partei als Sieger hervorging. Kurzfristig könnten der „konsequente weitere Ausbau und die Ertüchtigung des innerstädtischen Fahrrad- und Gehwegnetzes“ den Verzicht auf ein eigenes Kraftfahrzeug erleichtern. Auch fordert die CDU „weitere klimaneutrale, innenstadtnahe Mobilitätsstationen“.

Das Ansinnen der Christdemokraten, eine zweite Weserbrücke samt Erschließungsstraße auf Achimer Gebiet zu bauen, hält Herfried Meyer, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat, für „ziemlich weltfremd“. Wo solle die denn entstehen? Es wäre ein hochgradig aufwändiges Unterfangen, von der Thedinghausener oder Weyher Seite aus eine Trasse mit dem Achimer Straßennetz zu verknüpfen, sagt Meyer und fügt ein wenig abschätzig hinzu: „Die Idee der kleinen Achimer CDU könnte doch nur, wenn überhaupt, über regionale Raumordnungsprogramme realisiert werden.“ Das würde weit über die städtische Zuständigkeitsebene hinausgehen. „Baulastträger wären dann der Kreis und das Land.“ Und wegen des Hochwasserschutzes müsste auch das Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes beteiligt werden. Ähnlich wie das Projekt „Achim-West“ würde solch ein Verfahren sehr viel Geld und Zeit kosten.

Meyer, der die bisher stärkste Fraktion im Stadtrat anführt, hätte gerne eine andere Alternative verwirklicht gesehen. „Aber der Zug für einen vernünftigen Ausbau der Intscheder Brücke ist leider abgefahren. Das wäre die beste Lösung gewesen.“

Angesichts des Verkehrsdilemmas und der Klimakrise müssten natürlich der ÖPNV und Radwege in Achim und der Region ausgebaut werden. Oft seien Wohngebiete schlecht an Infrastruktureinrichtungen angebunden. Der SPD-Fraktionschef nennt das Beispiel Worpsweder Straße, wo die Bewohner zum Supermarkt an der Ueser Kreuzung „mal eben nicht direkt durchhuschen“ könnten, sondern beim Verzicht aufs Auto nicht umhin kämen, umständlich über die sich in die Länge ziehende Ringstraße zu radeln oder zu gehen. „Was uns in Siedlungsbereichen in Achim vielfach fehlt, sind kürzere Wege für Fußgänger und Radfahrer.“

Letztlich sei jedoch jeder Autofahrer, jede Autofahrerin aufgefordert, über das eigene Verhalten nachzudenken, sagt Herfried Meyer. „Jeder, der über zu viel Verkehr in Achim klagt, sollte sich an seine eigene Nase fassen.“

Ähnlich wie die SPD positionieren sich auch die Grünen. „Eine neue Querung ist nicht des Rätsels Lösung“, sagt der Ortsverbandsvorsitzende Dennis Reimers. Diese könnte auch bisher die Autobahn nutzende Auto- und Lastwagenfahrer dazu verleiten, über die frische Brücke und Achimer Gebiet ihr Ziel anzusteuern. „Und wir sind insgesamt gegen weitere Naturzerstörung und Flächenversiegelung“, unterstreicht Reimers.

Er sehe auch „keine sinnvollen Stellen“, an denen der Landstrich westlich der Weser mit dem östlich des Flusses „in Richtung der Landesstraße 158“ angebunden werden könne. Zumal der für eine neue Trasse in Frage kommende Bereich zwischen der Ueser Brücke und Bollen „fast durchgängig Landschafts- oder Naturschutzgebiet“ sei. Was die ohnehin schon von Meyer angeführte „schwierige Planung“ solch eines Projekts mit zig beteiligten Behörden noch komplizierter machen würde.

Darüber hinaus sieht Reimers „auch nicht unbedingt Bedarf“ für einen zweiten Weserübergang im Nordkreis. Denn in zwei Jahren werde ja die neue, wenn auch weiterhin nur einspurige Brücke in Intschede fertig und das Nadelöhr Ueser Kreuzung optimiert sein.

Und schließlich stünden die Grünen, die Nummer drei im Achimer Rat, im Zeichen der Klima- und Umweltkrise ja für eine Verkehrswende, unterstreicht Dennis Reimers. „Der ÖPNV und die Radschnellwegverbindungen in der Region müssen ausgebaut werden.“

Das Naturschutzgebiet rund um den Ellisee und die Bierdener Marsch könnten durch eine neue Straßentrasse beeinträchtigt werden. archiv

Die FDP als vierte Kraft im Stadtrat stellt sich in dieser Frage hingegen an die Seite der CDU. „Wir brauchen einen tragfähigen zusätzlichen Weserübergang zwischen Verden und Bremen“, sagt Vorsitzender Hans Baum. Am vorteilhaftesten wäre seiner Ansicht nach eine vom linken Flussufer kommende neue Straße, die an der Ortsteilgrenze von Bierden und Uphusen die L 158 kreuzen und über die geplante Trasse für „Achim-West“ an das gleichnamige Gewerbegebiet und dessen Anschlussstelle an der A 27 andocken würde. Eventuell eigneten sich aber auch alte Fährübergänge mit zum Teil noch vorhandenen Rampen, wie etwa in Ahsen-Oetzen /Hagen-Grinden oder in Bollen, für einen Brückenschlag, überlegt Baum.

Achim leide unter einer hohen Verkehrslast, die nicht zuletzt mit politischen Versäumnissen der Vergangenheit zu tun habe. Denn der Südkreis und Thedinghausen seien an das Oberzentrum Bremen, wo viele ihren Arbeitsplatz hätten, nur unzureichend angebunden, sodass zahlreiche Pendler aus diesen Gebieten auf die ohnehin stark frequentierten Landesstraßen 156 und 158 auswichen, stellt der Liberale fest.

Auf einen schnellen Ausweg aus der sich zuspitzenden Stauspirale brauche allerdings niemand zu hoffen, und im Alleingang könne Achim schon gar nichts bezwecken, zeigt sich Baum überzeugt. „Das Problem müsste mit den Nachbargemeinden, Landkreis, Land, Bund gelöst werden.“

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